Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

Theologie, Kirche, Lehramt, Dogmen, Ketzer, das Problem der Ideologie

Nach einem traditionellen Glaubensverständnis, das übrigens, soweit ich es beurteilen kann, besonders in der katholischen Kirche gepflegt wird, denkt man, wenn man vom Glauben spricht, vielfach an verbindliche Glaubenssätze, die die Kirche in sogenannten Dogmen formuliert hat, und die hierdurch einen verbindlichen Charakter erhalten haben. Bei diesem Glaubensverständnis wird vom einzelnen Christen erwartet, dass er seinen eigenen persönlichen Glauben nach dem Maßstab versteht und bewertet, wie weitgehend und wie kompromisslos er in Glaubensgehorsam seiner Kirche vertraut. Dieses Glaubensverständnis lehnt sich also sehr stark an den Glauben in seiner profanen Bedeutung des „für wahr Haltens“ an.

Soweit ich es übersehe, hat Jesus kaum theologische Glaubenssätze verkündet, sondern ein gottgefälliges Leben gefordert. Demnach scheint mir bei den Worten Jesu Glauben weniger ein für wahr Halten bedeutet zu haben, sondern eher einen Akt der Entscheidung, das Wort Jesu zu akzeptieren und sein Leben zu ändern.

Für diejenigen Aussagen der Kirche, die über die der Heiligen Schrift hinausgehen, stellt sich dem Suchenden zunächst die Frage, welche Legitimation der Kirche hierfür zukommt. In dieser Hinsicht erhebt die Kirche einen nahezu umfassenden Anspruch, einen Anspruch übrigens, den sie jedem anderen abspricht. Dieser Anspruch betrifft unter anderem Gründung, Amt, Vollmacht und Unfehlbarkeit.

Hier stellt sich mir die Frage, ob dieser Anspruch von Gott her rührt, also zu Recht besteht. Und gerade darin liegt das Dilemma. Es waren Menschen, die die Heilige Schrift niedergeschrieben haben. Es waren Menschen, die diese Heilige Schrift über die Jahrhunderte hinweg weitergegeben haben. Es waren Menschen, die sie schließlich interpretiert und ausgelegt sowie durch ergänzende Feststellungen, Dogmen und Lehren erweitert haben. Und es sind Menschen, aus deren Hand ich dies alles empfangen habe. Eine lange, lange Kette, deren einzelne Glieder von Menschen besetzt sind. Und eine Kette als Ganzes ist stets nur so stark, wie ihr schwächstes Glied.

Problematisch wird die ganze Angelegenheit erst in dem Augenblick, wo diese geschichtlich gewachsene Kirche den Anspruch der Exklusivität für sich behauptet, wo sie versucht, diesen ihren Anspruch durch Worte Jesu zu untermauern, wo sie mit diesem Anspruch Andersdenkende zu verketzern sucht, und wo sie lehrt, dass nur in ihr und nur über sie das Heil der Menschen zu erreichen sei. Hier darf und muss man fragen, was Jesus gewollt und gesagt hat. Denn auf die Anschuldigung, ein Außenseiter, der nicht zu den Jüngern zählte, habe im Namen Jesu gewirkt, sagte Jesus: „Wehrt es ihm nicht; denn wer nicht wider euch ist, der ist für euch.“

Die meisten christlichen Gemeinden gingen übrigens aus der Missionstätigkeit von Paulus hervor. Die von den ursprünglichen Aposteln geleitete judenchristliche Gemeinde verlor an Bedeutung, besonders nachdem Jerusalem im Jahre 70 von den Römern zerstört worden war. Das auf Paulus basierende sogenannte Heidenchristentum dagegen trat mehr und mehr in den Vordergrund. Von der Kirche wird Paulus als Apostel, ja als Apostelfürst bezeichnet. Wollte man jedem ein Amt zusprechen, der sich wie Paulus auf eine göttliche Vision und auf göttlichen Auftrag beruft, wo bliebe dann der Anspruch der Kirche? Und wollte man jeden als Apostel betrachten, der eine erfolgreiche Missionstätigkeit nachweisen kann, wie viele Apostel müsste man dann verehren, die die offizielle Kirchenleitung statt dessen, vielleicht sogar gerade wegen ihres Erfolges, als Ketzer verfolgt hat. Am heftigsten hat die Kirche übrigens diejenigen als Ketzer verfolgt hat, die zu der ursprünglichen Lehre Jesu zurückkehren wollten.

Die katholische Kirche behauptet schließlich, selbst unfehlbar zu sein. Sie verlangt von ihren Gläubigen, dass sie alle Dogmen, die die Kirche in ihrer Geschichte jemals aufgestellt hat, ebenfalls zu glauben haben. Ob diese Unfehlbarkeit nun der einen Person des Papstes allein, oder ob sie lediglich der Kirche als Ganzes zugeschrieben werden, macht zwar erhebliche Unterschiede, wenn man die Unfehlbarkeit des Papstes undifferenziert polemisch ausschlachten will, birgt aber in der Sache nur geringe Unterschiede.

Ein besonders starkes Argument gegen den Anspruch der Kirche sehe ich darin, wie sich die Kirche in all den Jahrhunderten verhalten hat und wie sie sich heute verhält, wobei auch kaum eine Konfession ausgenommen werden kann. Was hingegen sagte Jesus:

Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie kommen in Schafskleidern zu euch, innen aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt man von Dornbüschen Trauben oder von Disteln Feigen? So trägt jeder gute Baum gute Früchte; ein schlechter Baum aber trägt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte tragen und ein schlechter Baum nicht gute Früchte. Jeder Baum, der nicht gute Früchte trägt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also sollt ihr sie erkennen.

Als Propheten versteht die Heilige Schrift übrigens Menschen, die das Volk mahnen und ihm den Willen Gottes verkünden. Eine Vorhersage der Zukunft besteht hierbei allenfalls darin, dass für den Fall der Missachtung schlimme Ereignisse angedroht werden. Will man also obiges Wort der Schrift ernst nehmen, dann kann man durchaus auf den Gedanken kommen, dass Jesus mit diesen falschen Propheten und mit diesem schlechten Baum auch oder vielleicht sogar hauptsächlich die Kirche gemeint haben könnte. Denn welch „schlechte Früchte“ lassen sich hier aufführen.

Bereits aus dem vierten Jahrhundert, nachdem Kaiser Konstantin die katholische Kirche in seinem Reich favorisiert hatte, wurden Ketzerverfolgungen in großem Stil berichtet. Die Kirche schlug skrupellos alle christlichen Gegner, also diejenigen Christen, die von der offiziellen Linie der Kirche abwichen und daher als Ketzer bezeichnet wurden, durch Zerstörung ihrer Kirchen, Konfiskation ihrer Güter, Zwangstaufen und dergleichen nieder. Die unmittelbaren Nachfolger der Apostel, die Eboniten und Nazoräer, waren übrigens bereits im zweiten Jahrhundert von der katholischen Kirche zu Irrlehrern und Ketzern erklärt worden. (Der Begriff Ketzer wurde übrigens abgeleitet von dem Wort Katharer, die Reinen, also diejenigen, die sich auf das reine Wort Jesu und der Evangelien beziehen.)

Erst in letzter Zeit haben die Kirchen begonnen, ihre starren Positionen ein klein wenig aufzulockern. Sie erkennen viele der Fehler an, die sie bisher gemacht haben. So kann man in dem von der katholischen Kirche herausgegebenen Fernkurs lesen:

Eine Menschengruppe, die Kirche, macht die Berufung auf Gott zum Mittel ihrer weltlichen Macht und Selbstbehaup­tung. Der menschliche Machtanspruch verkleidet sich in den Anspruch Gottes. Wie aber sieht die Kirche, die einen solchen Anspruch stellt, wirklich aus? Besteht nicht ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen Anspruch und geschichtlicher Wirklichkeit in der Kirche?
     Theologie im Fernkurs, Grundkurs, Lehrbrief 5, Seite 6

Wenn ich schließlich von Ideologie spreche, muss ich zunächst zwei Dinge unterscheiden. Erstens gibt es Menschen und Systeme, die sich ideologischer Methoden bedienen, um Macht über Menschen auszuüben. Für die Einstufung derartiger Methoden als Ideologie kommt es nicht darauf an, ob diese Methoden auchj erfolgreich sind. Ebenso gibt es zweitens Menschen, die von einer Sache ideologisch beherrscht werden. Für die Einstufung dieser Verhaltensweise als Ideologie kommt es ebenfalls nicht darauf an, ob die Sache selbst überhaupt etwas mit Ideologie zu tun hat.

Nun könnte man natürlich darüber streiten, was man unter Ideologie verstehen will. Wenn jemand etwa dem Faschismus oder dem Kommunismus in seiner totalitären Form anhängt, wenn er durch keinerlei Argumente zu überzeugen ist, so nennt man dies in unserer westlichen Welt üblicherweise eine Ideologie. Wenn jemand von einer üblen Sekte vereinnahmt worden ist und auf keinerlei Argumente anspricht, so nennt man dies üblicherweise ebenfalls eine Ideologie. Wenn aber jemand von der Lehre des Christentums, also einer etablierten Religion, so sehr überzeugt ist, dass er keinerlei Argumenten zugänglich ist, so nennt man dies üblicherweise einen festen Glauben. Warum nur dieser Unterschied!

Ich bin der Meinung, wenn man das eine als Ideologie bezeichnet, dann müsste man konsequenterweise auch das andere Ideologie nennen. Demnach wäre ein Mensch dann von einer Ideologie beherrscht, wenn er derartig fixiert ist, dass er auf keinerlei anderslautende Argumente mehr hört. Hierbei kann jemand einer Lehre, einer Idee oder einem System, das von sich aus nicht notwendigerweise den Charakter einer Ideologie besitzen muss, derart sklavisch verfallen sein, dass es für ihn zur Ideologie geworden ist.

So spricht Johannes Gründel in dem von der katholischen Kirche herausgegebenen Fernkurs für Theologie, Aufbaukurs, Lehrbrief 24, Seite 22-24 über die Ideologisierung des christlichen Glaubens. Er zählt vier Punkte auf, in denen sich diese Ideologisierung beweist: Totalitätsanspruch, das abgeschlossene System, Erfahrungsfremdheit und Verabsolutierung der Methode der Deduktion, Fraglosigkeit und Undurchsichtigkeit der Denkvoraussetzungen. Als Voraussetzung für die notwendige Reform der immer wieder zu reformierenden Kirche nennt er eine ständige Selbstkritik und Offenheit auch gegenüber der Kritik von außen.

Die Ausführungen entstammen weitgehend den Kapiteln 2.3.3 und 6 meines Buches „Ein Ungläubiger bekennt seinen Glauben“.

 

Weltall bzw. Universum, Raum und Zeit, Ursache des Urknalls (eventuell aus einer weiteren Dimension heraus?)

Die Frage nach Gott, Geheimnis Gottes und theologische Aussagen über Gott, z.B. Allmacht, Allwissenheit (Problem der Theodizee), Gerechtigkeit, Erbsünde, Erlösung, was bedeutet vor Gott "gut" und "böse"?

Die Person Jesu, Wunder, Auferstehung, Eucharistie, Dreifaltigkeit

Glaube und Wahrheit, Offenbarung, Zweifel, Religion, Religionskritik, Bekenntnis, Glaubensbekenntnis, was heißt das: ein Ungläubiger?

Theologie, Kirche, Lehramt, Dogmen, Ketzer, das Problem der Ideologie