Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

Die Frage nach Gott, Geheimnis Gottes und theologische Aussagen über Gott, z.B. Allmacht, Allwissenheit (Problem der Theodizee), Gerechtigkeit, Erbsünde, Erlösung, was bedeutet vor Gott „gut“ und „böse“ ?

Der Mensch, der sich ernsthaft eine Frage stellt und sich mit dieser Frage intensiv beschäftigt, tut dies normalerweise deshalb, weil er erstens diese Frage für besonders wichtig hält und weil er zweitens die Antwort entweder nicht kennt oder an der ihm bekannten Antwort zweifelt.

Ob die Frage nach Gott besonders wichtig ist, hängt natürlich entscheidend von der Antwort ab. Solange der Mensch diese Antwort als noch ungeklärt ansieht, muss er zum mindesten damit rechnen, dass es hier um sein ewiges Heil geht, wie die Kirchen verkünden.

Wenn ich mich übrigens bei meinen Ausführungen hier und im folgenden vielfach auf die christlichen Kirchen und hierbei speziell auf die katholische Kirche beziehe, so sehe ich dies als eine vereinfachte Darstellung. Von wenigen Punkten abgesehen gilt nämlich für andere Konfessionen und Religionen Ähnliches.

Wir Menschen neigen dazu, bei fast allem, was wir tun, zuerst an uns selbst zu denken. Wenn wir an Gott denken, von Gott sprechen oder zu ihm beten, dann wollen wir in der Regel etwas von ihm haben. Entweder richten sich unsere Wünsche auf irdische Dinge, wir wünschen uns also irdische Güter, Gesundheit und Glück. Dies setzt natürlich voraus, wessen wir uns in den seltensten Fällen bewusst sind, dass Gott die Gesetze der Natur, die er für alle Zeiten fest vorgegeben hat, zwar unauffällig, aber dennoch durch einen gezielten Eingriff von außen zu unseren Gunsten zeitweilig außer Kraft setzen soll. Oder aber wir denken an ein Leben nach unserem Tode. In diesem Fall erstreben wir hierfür die sogenannte ewige Seligkeit im Himmel oder wollen zum mindesten der Drohung der sogenannten ewigen Verdammnis entgehen. Dies setzt natürlich voraus, dass wir tatsächlich eine unsterbliche Seele besitzen und nach unserem Tode weiterleben.

Wenn wir Menschen also  nach Gott fragen, fragen wir dann nicht in letzter Konsequenz zumeist eigentlich immer nur nach uns selbst? Suchen wir dann nicht fast immer nur unseren eigenen Platz innerhalb der Schöpfung Gottes auszumachen? Ist es denn nicht zumeist so, dass wir Gott entweder fürchten, oder aber, dass wir etwas von ihm zu erlangen suchen? Vielleicht auch beides zugleich! So oder so, letztlich ist es doch gerade die Macht Gottes, die unser Verhältnis zu Gott zum mindesten sehr wesentlich mitbestimmt. Wenn wir also genau nachforschen, worin denn unsere ursprünglichen Motive bestehen, müssen wir dann nicht beschämt feststellen, dass wir Gott nicht so sehr deswegen verehren, weil wir ihn etwa uneigennützig lieben würden, sondern ganz einfach deshalb, weil wir etwas von ihm haben wollen, oder weil wir ihn fürchten. Diese Erkenntnis ist sicher nicht allzu schmeichelhaft für uns. Aber es ist nun einmal so: wir Menschen schielen in der Regel zunächst einmal nach der Macht, wir orientieren uns an der Instanz, die die Macht besitzt.

Erst dann also, wenn wir annehmen, dass es zwischen Gott und uns Menschen Berührungspunkte gibt, dass also die Existenz und das Wohlbefinden von uns Menschen in irgend einer besonderen Weise von Gott abhängt, sei es bezüglich unseres irdischen Lebens, oder sei es bezüglich eines eventuellen Fortlebens nach dem Tode, erst dann beginnen wir Menschen, uns für Gott zu interessieren. Letztlich aber erhält die Frage nach Gott ihre in der Tat fundamentale Bedeutung für uns erst dann, wenn wir vermuten, durch unser eigenes Verhalten (Glauben, Gebete, Halten der Gebote) Gott dazu bewegen zu können, unsere Situation hier oder im Jenseits zu verbessern. Krass ausgedrückt bedeutet dies, wir wollen Gott manipulieren.

Nicht die Frage nach Gott steht also am Anfang unserer Überlegungen, nein, am Anfang steht die Frage nach uns selber, denn von Natur aus denken wir zuerst an uns, wenn wir auch gern versuchen, diese Tatsache zu verschleiern. Und selbst dort, wo wir tatsächlich nach Gott fragen, meinen wir im Grunde vielfach nur uns selbst.

Man mag diese unsere Haltung bedauern oder kritisieren, man mag uns ein Armutszeugnis ausstellen, dies alles ändert nichts an unserem Standort: Wir Menschen sehen die Welt, und wir sehen auch Gott immer nur aus unserem eigenen armseligen Blickwinkel.

In der christlichen Glaubenslehre wird zwar einerseits betont, dass das Wesen Gottes ein großes Geheimnis darstelle, andererseits werden über das Wesen und die Eigenschaften Gottes derart konkrete Aussagen gemacht, als ob uns diese ganz genau bekannt wären. Ausgehend von menschlichen Wunsch- und Idealvorstellungen wird postuliert, dass Gott in jeder Hinsicht vollkommen sei. Sodann wird eben diese Vollkommenheit präzisiert, indem Gott solche Eigenschaften zugeschrieben werden, die der Mensch gerne besitzen möchte. Der Mensch denkt sich eine aus seiner Sicht perfekte Vollkommenheit aus und übersieht dabei völlig, dass gerade eine derartige Perfektion von einer wahren Vollkommenheit meilenweit entfernt sein mag. Wir dürfen unsere eigenen unklugen Wunschvorstellungen nicht ohne weiteres als in Gott real geworden sehen, sonst ziehen wir das Gottesbild, das wir uns machen, möglicherweise allzu leicht auf unsere niedrige menschliche Ebene herab, ohne dies überhaupt zu merken.

Zunächst werden die Fähigkeiten Gottes nicht nur ins Unermessliche, sondern ins Unendliche gesteigert. So werden die Attribute einer unendlichen Macht postuliert. Gott sei allmächtig, es gäbe absolut nichts, was er nicht augenblicklich lediglich durch einen Willensakt bewirken könne. Er sei allwissend. Er wisse absolut alles, Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, jegliches Geschehen, aber auch die verborgensten Gedanken und Gefühle jedes einzelnen Lebewesens.

Es ist schließlich auch nur ein Bild von Gott, wenn die Kirche ihre Lehre über Gott in Form von Dogmen verkündet, wenn die Theologen in tiefgründigen philosophischen Spekulationen das Wesen Gottes ergründet zu haben glauben, und wenn schließlich die Gläubigen angewiesen werden, die Ergebnisse dieser Spekulation als Dogmen mit dem Anspruch der Unfehlbarkeit anzunehmen und zu glauben, nur weil ein als unfehlbar geltendes Lehramt dies so verlangt. All dies stellt meines Erachtens nur ein Bild von Gott dar. Dieses Bild mag zwar in den Grundzügen richtig sein, ob es jedoch in den derart präzise beschriebenen Einzelheiten ebenfalls stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Denn das, was wir Menschen als vollkommen ansehen, ist möglicherweise nur ein Ausfluss von Wunschvorstellungen, die in unserer menschlichen Beschränktheit begründet sind.

Wer hat es nicht schon einmal erleben müssen, dass ein Mensch aus tiefster Verzweiflung heraus aufschrie: "Wie konnte Gott dies nur zulassen?", wenn er von unsagbarem Elend und Leid niedergeschmettert war! Ich kenne sogar Menschen, die an diesem Widerspruch zerbrochen sind und Gott aus ihrem Leben gestrichen haben.

Ich kann mir durchaus einen allmächtigen Gott vorstellen, der das Leid in unserer Welt zulässt. Es gibt natürlich auch nicht den mindesten Zweifel, dass er das Recht hierzu besitzt. Dieser Gott könnte durchaus allwissend, gerecht und weise sein, und wie diese Attribute noch alle lauten mögen, die wir Gott üblicherweise zusprechen. Nur eine Eigenschaft könnte er dann nicht besitzen, das wäre die Eigenschaft einer vollkommenen Liebe.

Ich kann mir allerdings auch einen Gott vorstellen, der von unendlicher Liebe beseelt ist und trotzdem das Leid in der Welt zulässt. Auch könnte dieser Gott allwissend, gerecht und weise sein, und wie die Attribute alle lauten mögen, die wir Gott üblicherweise zusprechen. Nur eine Eigenschaft könnte er dann nicht mehr besitzen, das wäre die Eigenschaft der Allmacht.

Wenn ferner Gott in seiner Allwissenheit bereits heute weiß, was ich morgen tun werde, wenn also mein morgiges Tun für Gott bereits heute eindeutig feststeht, wo bleibt dann noch meine vielgerühmte Freiheit, und wo meine Verantwortung? Wenn er bereits von Ewigkeit her alles gewusst hat, lange, bevor er auch nur den ersten Menschen geschaffen hat, dann hat ja bereits damals jegliches Geschehen auf der Welt im voraus festgestanden. Dann sind wir Menschen ja nichts anderes als Marionetten, dann konnte ja niemand anders handeln, als er es getan hat! Wenn wir also den Menschen auch nur einen Funken Freiheit zuerkennen, und wenn wir ihn für sein Tun auch für verantwortlich halten wollen, dann gibt es für uns deutliche Probleme mit der traditionellen Lehre von der Allwissenheit Gottes.

Hinzu kommt jedoch, dass sich an einer Allwissenheit in Hinblick auf die Zukunft nicht nur Freiheit und Verantwortung des Menschen messen lassen, wie bereits oben ausgeführt wurde. Mit einer solchen Annahme lässt sich sogar das Wesen Gottes in Frage stellen. Denn alles, was Gott heute weiß, will oder tut, hätte er dann schon vor Ewigkeiten gewusst, gewollt und getan. Er wäre heute nichts weiter als ein riesiger, mächtiger, vorprogrammierter und damit lebloser Automat!  Er könnte trotz seiner Allmacht nur wie eine Marionette handeln, nämlich so, wie er es schon vor Ewigkeiten gewusst hat, womit es heute festgeschrieben ist, er besäße keinerlei Freiheit. Und das über Ewigkeiten. Das kann doch wohl nicht sein! Also mag es durchaus angebracht sein, unsere traditionellen Vorstellungen von den Eigenschaften Gottes möglicherweise ein klein wenig zu korrigieren. Nicht, als wollten wir Gott etwa kleiner darstellen als heute allgemein üblich, sondern im Gegenteil, wirklicher, lebendiger, würdiger, göttlicher!

Unsere Begriffe „gut“ und „böse“ werden vielfach nicht objektiv und in abstrakter Form festgelegt, sondern orientieren sich ausschließlich am Menschen und an den Zielen der Menschen. Das Interesse etwa der Tierwelt oder des Pflanzenreiches wird jeweils nur insoweit indirekt mit erfasst, als es zufällig vom Zielkranz der Interessen der menschlichen Gesellschaft getroffen wird. Allein die Tatsache der Definition solcher Begriffe wie gut und böse offenbart gleichzeitig eine gewisse Ohnmacht dieser menschlichen Gemeinschaft, denn ihre Ziele können ja durch bestimmte Handlungen, die sie deshalb ja auch als böse definiert hat, empfindlich gestört werden.

Für Gott kann „gut“ und „böse“ sicher nicht diese soeben beschriebene Bedeutung haben, denn kein Mensch und auch kein anderes Wesen ist in der Lage, den Willen Gottes ernstlich zu stören oder seine Pläne auch nur im Mindesten zu beeinträchtigen. Selbst dann, wenn man den Begriff der Allmacht Gottes zu relativieren bereit ist, seine Macht steht zweifellos immer noch derart hoch über allem menschlichen Streben, dass ein jegliches menschliche Fehlverhalten seine Pläne absolut unberührt lassen dürfte. Daher ist es zwar leicht zu verstehen, dass eine im oben dargelegten Sinne böse Handlung einen Menschen durchaus erzürnen kann. Aber wieso sollte es einem Menschen möglich sein, den Zorn Gottes zu erregen?

Es ist für mich also gar nicht ohne weiteres einzusehen, warum Gott den Menschen überhaupt nach gut und böse beurteilen sollte. Doch wenn dies tatsächlich der Fall wäre, dann vielleicht weniger nach den von der Kirche als unveränderlich angesehenen, sondern nach veränderlichen, dem jeweiligen Wohl der Menschheit dienenden Kriterien. Denn für sich selbst benötigt Gott vom Menschen nichts. Aber erst dann, wenn es feststünde, dass Gott den Menschen nach gut und böse beurteilt, erst dann stellte sich die Frage, ob er nämlich das Gute belohnt und das Böse bestraft. Er könnte nämlich natürlich durchaus ebenso gut alle Menschen gleichermaßen begnadigen oder alle gleichermaßen mit dem Tode ins Nichts zurückfallen lassen.

Manche Theologen sprechen in diesem Zusammenhang von Gottes Gerechtigkeit, die sie als absolut und unendlich beschreiben. Doch was soll der Begriff Gerechtigkeit für Gott bedeuten? Gerechtigkeit ist doch lediglich eine Norm. Und wenn der unendliche Gott um seiner eigenen Gerechtigkeit willen genötigt sein sollte, trotz seiner sonstigen, ebenfalls unendlichen Güte und Barmherzigkeit den Übeltäter mit der Hölle zu bestrafen, so hieße dies doch, dass selbst Gott unter dieser Gerechtigkeitsnorm stünde, dass also diese abstrakte Norm Macht hätte über Gott. Diese in meinen Augen ohnehin schon befremdliche Auffassung wird von der Kirche noch bekräftigt durch die weitere theologische Annahme, dass die unendliche Beleidigung, die der Mensch Gott zugefügt hat, nur durch ein Opfer von unendlicher Größe gesühnt werden konnte, und dass ein derart großes Opfer nur durch Gott selbst, eben durch Christus, den Sohn Gottes, dargebracht werden konnte. Steht denn der formale Begriff von Gerechtigkeit höher als Gott selbst? Sind solche Vorstellungen von Gerechtigkeit, Sünde und Erlösung, die die Kirche da übernommen hat, nicht ihrem Ursprung nach heidnisches Gedankengut, Relikte ehemaliger Naturgottheiten, denen zwar übermenschliche Kräfte, gleichzeitig jedoch menschliche Leidenschaften zugeschrieben wurden! Sollte man sich Gott nicht wesentlich größer und reiner vorstellen? Darüber mag man durchaus nachdenken.

Die Ausführungen entstammen weitgehend den Kapiteln 3.1, 6.4 und 7 meines Buches „Ein Ungläubiger bekennt seinen Glauben“.

 

Weltall bzw. Universum, Raum und Zeit, Ursache des Urknalls (eventuell aus einer weiteren Dimension heraus?)

Die Frage nach Gott, Geheimnis Gottes und theologische Aussagen über Gott, z.B. Allmacht, Allwissenheit (Problem der Theodizee), Gerechtigkeit, Erbsünde, Erlösung, was bedeutet vor Gott "gut" und "böse"?

Die Person Jesu, Wunder, Auferstehung, Eucharistie, Dreifaltigkeit

Glaube und Wahrheit, Offenbarung, Zweifel, Religion, Religionskritik, Bekenntnis, Glaubensbekenntnis, was heißt das: ein Ungläubiger?

Theologie, Kirche, Lehramt, Dogmen, Ketzer, das Problem der Ideologie