Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

Buchmesse 2007

Mein Name ist "Gerhard Schuchhardt". Das Buch, aus dem ich heute vorlese, heißt: "Ein Ungläubiger bekennt seinen Glauben". Der scheinbare Widerspruch in dem Buchtitel, dass nämlich ein Ungläubiger glaubt, wird im ersten Kapitel ausführlich behandelt. Hierzu will ich jetzt nur so viel sagen, dass auch der so genannte "Ungläubige Thomas" natürlich an Gott geglaubt hat. Ebenso glaube auch ich an Gott. Warum ich aber dennoch ein Ungläubiger genannt werden kann, wird deutlich, wenn ich einige Passagen aus Kapitel 7 vorlese: "Gott, das große Geheimnis".

aus Unterkapitel    7.1      Das Gottesbild im Christentum
      Abschnitt          7.1.1    Ist Gott in jeder Hinsicht vollkommen?

In der christlichen Glaubenslehre wird zwar einerseits betont, dass das Wesen Gottes ein großes Geheimnis darstelle, andererseits werden über das Wesen und die Eigenschaften Gottes derart konkrete Aussagen gemacht, als ob uns diese ganz genau bekannt wären. Ausgehend von menschlichen Wunsch- und Idealvorstellungen wird postuliert, dass Gott in jeder Hinsicht vollkommen sei. Sodann wird eben diese Vollkommenheit präzisiert, indem Gott solche Eigenschaften zugeschrieben werden, die der Mensch gerne besitzen möchte. Der Mensch denkt sich eine aus seiner Sicht perfekte Vollkommenheit aus und übersieht dabei völlig, dass gerade eine derartige Perfektion von einer wahren Vollkommenheit meilenweit entfernt sein mag. Wir dürfen unsere eigenen unklugen Wunschvorstellungen nicht ohne weiteres als in Gott real geworden sehen, sonst ziehen wir das Gottesbild, das wir uns machen, möglicherweise allzu leicht auf unsere niedrige menschliche Ebene herab, ohne dies überhaupt zu merken.

Zunächst werden die Fähigkeiten Gottes nicht nur ins Unermessliche, sondern ins Unendliche gesteigert. So werden die Attribute einer unendlichen Macht postuliert. Gott sei allmächtig, es gäbe absolut nichts, was er nicht augenblicklich lediglich durch einen Willensakt bewirken könne. Er sei allwissend. Er wisse absolut alles, Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, jegliches Geschehen, aber auch die verborgensten Gedanken und Gefühle jedes einzelnen Lebewesens.

aus Abschnitt          7.1.2    Das Problem der Theodizee

Wer hat es nicht schon einmal erleben müssen, dass ein Mensch aus tiefster Verzweiflung heraus aufschrie: "Wie konnte Gott dies nur zulassen?", wenn er von unsagbarem Elend und Leid niedergeschmettert war! Ich kenne sogar Menschen, die an diesem Widerspruch zerbrochen sind und Gott aus ihrem Leben gestrichen haben.

So verständlich diese Reaktion auch sein mag, beurteilt man sie nach objektiven Maßstäben, so bleibt dieser Mensch mit seinen bitteren Vorwürfen gegen Gott immer im Unrecht. Nicht, als müsste er befürchten, dass Gott ihm diesen elementaren Gefühlsausbruch etwa übel nähme, nein, dies hieße, allzu gering von Gott zu denken! Ebenso hatte sich auch schon Hiob mit dem Herrn auseinandergesetzt, weil das Unheil, das ihn getroffen hatte, schier unerträglich war. Und Gott hatte auch diese Auseinandersetzung nicht zurückgewiesen. Gott steht vielmehr auf Seiten des Verzweifelten, auch wenn dieser sich, objektiv gesehen, Gott gegenüber ins Unrecht setzt.

Bedenken wir doch einmal unseren Standort! Wie kann ich aus meinem Leid heraus Anklage erheben gegen Gott, dem ich alles, aber auch rein alles verdanke, und dem ich selbst im allergrößten Leid noch Dankbarkeit, Liebe und Gehorsam schulde! Nein, so geht es wirklich nicht! Objektiv gesehen stehe ich Gott gegenüber immer nur mit leeren Händen da.

aus Abschnitt          7.1.3    Verschiedene meines Erachtens unbefriedigende Lösungsvorschläge

Soweit ich es beobachten konnte, sprechen die Priester kaum von sich aus über das Thema der Theodizee. Sie wollen ja aufbauend wirken und nicht etwa ihre Gemeindemitglieder verunsichern. Nur dann, wenn man sie konkret auf dieses Problem anspricht, gehen sie darauf ein. Da mich jedoch dieses Thema stark bewegt hat, habe ich mit Priestern und Theologieprofessoren gesprochen und teilweise ausführlich diskutiert. Einige haben die Problematik nicht zur Kenntnis nehmen wollen, andere wiederum haben sie zwar als Problem akzeptiert, um es jedoch sogleich wieder zu verdrängen. Die meisten boten mir jeweils eine Lösung an, die in meinen Augen lediglich eine Scheinlösung ist, bezeichnenderweise jeder eine andere. Diese Uneinigkeit scheint mir bereits darauf hinzudeuten, dass selbst die Kirche keine wirklich einleuchtende Erklärung besitzt, denn sonst hätten die Priester diese in ihrer Ausbildung gelernt und sie hätte ihnen derart eingeleuchtet, dass sie nicht zu anderen Ansätzen ihre Zuflucht nehmen würden.

aus Abschnitt          7.1.4    Eine aus meiner Sicht mögliche Folgerung

Nach meiner persönlichen Einschätzung gibt es nur den einen befriedigenden Lösungsansatz. Ich muss Abstriche an der Vorstellung von der Allmacht Gottes machen. Natürlich kann ich nicht von mir behaupten, dass ich damit eine Lösung gefunden hätte, der eine allgemeine Gültigkeit zukäme. Es ist vielmehr lediglich die Lösung, die ich für meine Person als die einzig denkbare ansehe.

Wie aber kann ein gläubiger Christ mit dieser Idee umgehen. Muss er nicht an die Dogmen der Kirche denken, die von der Allmacht Gottes sprechen. Zu diesem Thema hatte ich wieder einmal das Gespräch mit einem kompetenten Fachmann gesucht, diesmal mit einem bekannten und innerhalb der Kirche engagierten Theologieprofessor. Und was er mir sagte, könnte, soweit ich es beurteilen kann, tatsächlich der gesuchte Ansatz sein, womit dem Problem beizukommen wäre. Er erklärte mir zu meiner Überraschung, die Kirche habe niemals die Allmacht Gottes, so wie ich sie als eine durch nichts begrenzbare Fähigkeit, also im Sinne einer mathematischen Unendlichkeit verstand, als Dogma verkündet.

Leider hatte ich den Theologieprofessor, mit dem ich seinerzeit über das Thema der Theodizee in Hinblick auf die Allmacht Gottes diskutiert hatte, nicht ebenfalls in Hinblick auf die Allwissenheit Gottes befragt. Ich könnte mir nämlich durchaus vorstellen, dass die Dogmen der katholischen Kirche auch die Allwissenheit Gottes nicht so extensiv definieren, dass Gott bereits vorher wüsste, wie ein Mensch sich später entscheidet, so dass dessen Freiheit und Verantwortung fraglich erschiene.

aus Unterkapitel    7.2      Eine kleine Nachlese
      Abschnitt          7.2.2    Zu den Begriffen Allmacht und Allwissenheit

Der Begriff der Allwissenheit Gottes hat drei unterschiedliche Aspekte, er bezieht er sich nämlich auf Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Allwissenheit in Hinblick auf die Gegenwart ist im Zusammenhang mit der Allmacht Gottes zu sehen. Denn wenn Gott die besagte Allmacht im Kleinen besitzt, so setzt diese Fähigkeit doch voraus, dass er Ort und Verhalten dieser Elementarteilchen kennt. Natürlich kennt er dann auch die geheimsten Gedanken eines jeden Individuums, die ja in den Strömen und Vorgängen des Gehirns ein getreues Abbild finden.

Der zweite Aspekt, die Allwissenheit in Hinblick auf die Vergangenheit, stellt bereits ein kleines Problem dar. Die Kenntnis über jedes Elementarteilchen des gesamten Universums stellt zwar bereits eine absolut unvorstellbare Wissensmenge dar, ist aber trotzdem immer noch endlich. Der Begriff Ewigkeit beinhaltet jedoch sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft jeweils eine unendlich große Zeitspanne. Eine Allwissenheit in Hinblick auf die Vergangenheit müsste also eine auch im mathematischen Sinn unendliche Informationsmenge beinhalten.

Interessant und wichtig erscheint mir aber vor allem die Frage, ob Gottes Allwissenheit wirklich Herr aller Zukunft ist, wie etwa Jesus Sirach schreibt:

Bekannt ist alles ihm, schon ehe es geschieht, und ebenso, wenn es vollendet ist.

In Hinblick auf die Informationsmenge ergibt sich hier das gleiche Problem mit der unendlich großen Informationsflut wie bei der Vergangenheit. Hinzu kommt jedoch, dass sich an einer Allwissenheit in Hinblick auf die Zukunft nicht nur Freiheit und Verantwortung des Menschen messen lassen, wie bereits oben ausgeführt wurde. Mit einer solchen Annahme lässt sich sogar das Wesen Gottes in Frage stellen.

Denn alles, was Gott heute weiß, will oder tut, hätte er dann schon vor Ewigkeiten gewusst, gewollt und getan. Er wäre heute nichts weiter als ein riesiger, mächtiger, vorprogrammierter und damit lebloser Automat. Er könnte trotz seiner Allmacht nur wie eine Marionette handeln, nämlich so, wie er es schon vor Ewigkeiten gewusst hat, womit es heute festgeschrieben ist, er besäße keinerlei Freiheit. Und das über Ewigkeiten! Das kann doch wohl nicht sein! Also mag es durchaus angebracht sein, unsere traditionellen Vorstellungen von den Eigenschaften Gottes ein wenig zu korrigieren. Nicht, als wollten wir Gott etwa kleiner darstellen als heute allgemein üblich, sondern im Gegenteil, wirklicher, lebendiger, würdiger, göttlicher!

aus Abschnitt          7.2.1    Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes

Wenn ich jedoch umgekehrt von dieser traditionellen Lehraussage über die Allmacht und Allwissenheit Gottes ein wenig abrücke, wenn ich sie zu hinterfragen, wenn ich sie gar zu bezweifeln wage, dann wird damit meine Ehrfurcht vor Gott, den ja kein Mensch jemals wird begreifen können, hierdurch nicht geringer, sondern vielmehr eher noch größer werden.

Zum Schluss ein Wort aus dem Römerbrief:

O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!
Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
Wer hat ihm etwas gegeben, so dass Gott ihm etwas zurückgeben müsste?
Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.
Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.