Dr. Gerhard Schuchhardt

Home

Privat

Buch Glaube

Buch Spiele

Weltall

Beruf

Links

Kontakt

Sitemap

Impressum



Besucher:

Heute: 8
Gesamt: 10526
(seit dem 17.07.2005)

Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

Leseprobe 1

Kapitel 7.1.1 Ist Gott in jeder Hinsicht vollkommen?

In der christlichen Glaubenslehre wird zwar einerseits betont, dass das Wesen Gottes ein großes Geheimnis darstelle, andererseits werden über das Wesen und die Eigenschaften Gottes derart konkrete Aussagen gemacht, als ob uns diese ganz genau bekannt wären. Ausgehend von menschlichen Wunsch- und Idealvorstellungen wird postuliert, dass Gott in jeder Hinsicht vollkommen sei. Sodann wird eben diese Vollkommenheit präzisiert, indem Gott solche Eigenschaften zugeschrieben werden, die der Mensch gerne besitzen möchte. Der Mensch denkt sich eine aus seiner Sicht perfekte Vollkommenheit aus und übersieht dabei völlig, dass gerade eine derartige Perfektion von einer wahren Vollkommenheit meilenweit entfernt sein mag. Wir dürfen unsere eigenen unklugen Wunschvorstellungen nicht ohne weiteres als in Gott real geworden sehen, sonst ziehen wir das Gottesbild, das wir uns machen, möglicherweise allzu leicht auf unsere niedrige menschliche Ebene herab, ohne dies überhaupt zu merken.

Zunächst werden die Fähigkeiten Gottes nicht nur ins Unermessliche, sondern ins Unendliche gesteigert. So werden die Attribute einer unendlichen Macht postuliert. Gott sei allmächtig, es gäbe absolut nichts, was er nicht augenblicklich lediglich durch einen Willensakt bewirken könne. Er sei allwissend. Er wisse absolut alles, Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, jegliches Geschehen, aber auch die verborgensten Gedanken und Gefühle jedes einzelnen Lebewesens.

Neben den Attributen der Macht werden Gott noch weitere Eigenschaften zugeschrieben wie zum Beispiel Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit, wobei diese Eigenschaften natürlich ebenfalls ins Unendliche erhoben werden. Einige der weiterhin Gott zugeschriebenen Eigenschaften können als logische Folgerung aus anderen verstanden werden, so die Barmherzigkeit aus der Liebe und die Allweisheit aus der Allwissenheit. Dass dieser Katalog von Eigenschaften Probleme aufwirft, zeigt sich im nächsten Kapitel (7.1.2 Das Problem der Theodizee).

Es wurde gelegentlich schon die Frage gestellt, ob das Verbot, sich ein Bild Gottes zu machen, nicht nur für äußere bildliche Darstellungen, also Skulpturen und Abbildungen, sondern auch für geistige Bilder, also auch für derartige Spezifikationen gelte. Denn jedes Bild, sei es eine äußere bildliche Darstellung oder eine innere Vorstellung, wird der realen Wirklichkeit Gottes in keiner Weise gerecht. Die Vorstellung, Gott sei in jeder Hinsicht vollkommen und besitze daher die genannten Eigenschaften in unendlicher Ausprägung, könnte durchaus an der Realität Gottes weit vorbeigehen und lediglich einer menschlich naiven Interpretation entstammen. Dass diese Bedenken auch auf ein geistiges Bild von Gott anzuwenden sind, wird übrigens auch von namhaften Theologen so gesehen.

Wenn ich hier von Bedenken spreche, dann soll damit die Praxis, sich ein Bild, eine geistige Vorstellung von Gott zu machen, nicht grundsätzlich verurteilt, ja, nicht einmal getadelt werden. Es soll nur auf die schwerwiegenden Bedenken hingewiesen werden, die dieser Praxis entgegenstehen. Es soll zum Nachdenken, es soll zur Besinnung angeregt werden, mehr nicht!

Es ist schließlich auch nur ein Bild von Gott, wenn die Kirche ihre Lehre über Gott in Form von Dogmen verkündet, wenn die Theologen in tiefgründigen philosophischen Spekulationen das Wesen Gottes ergründet zu haben glauben, und wenn schließlich die Gläubigen angewiesen werden, die Ergebnisse dieser Spekulation als Dogmen mit dem Anspruch auf Unfehlbarkeit anzunehmen und zu glauben, nur weil ein als unfehlbar geltendes Lehramt dies so verlangt. All dies stellt meines Erachtens nur ein Bild von Gott dar. Dieses Bild mag zwar in den Grundzügen richtig sein, ob es jedoch in den derart präzise beschriebenen Einzelheiten ebenfalls stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Denn das, was wir Menschen als vollkommen ansehen, ist möglicherweise nur ein Ausfluss von Wunschvorstellungen, die in unserer menschlichen Beschränktheit begründet sind.