Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

3.6 Klassische Spiele

Text

3.6.1 Schach und Go

Hersteller (für Schach):nahezu alle bekannten Hersteller
Alter: ab 8 Jahre und für Erwachsene
Teilnehmerzahl: 2
Spieldauer: Anfänger ca. 30 Minuten, Meister ca. 5 Stunden
Spielprinzip: Strategisch-taktisches Kombinationsspiel

Schach und Go sind diejenigen weitgehend bekannten klassischen Spiele, die für ein professionelles Spiel geeignet sind, in denen internationale Turniere ausgetragen werden, bei denen internationale Ranglisten der entsprechenden Spieler geführt und bei denen die Spiele teilweise zu einer Wissenschaft ausgebaut wurden.

Schach erhebt den Anspruch, als „königliches“ Spiel bezeichnet zu werden. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass unter allen Spielen Schach das schönste, anspruchsvollste und edelste sei. Ob dieser Anspruch, der in früheren Zeiten und auf unseren Kulturraum bezogen ohne Zweifel in vollem Umfang gültig war, auch heute noch gerechtfertigt ist, kann und will ich nicht beurteilen. Schon bei einer vergleichenden Wertung von Schach und Go gehen die Meinungen von Experten auseinander, wie viel mehr, wenn man die Entwicklung hochwertiger moderner Spiele, von denen in diesem Buch nur ein Bruchteil vorgestellt werden kann, mit ins Auge fasst.

Ebenso ist es mit dem vielfach geäußerten Ausspruch, Schach sei das älteste bekannte Spiel. Ort und Zeit lassen sich nicht eindeutig feststellen, so sehr auch Mythos und Legende hierüber berichten. Ähnlich ist es jedoch auch mit Go, obwohl bestimmte Quellen hierfür ein Alter von 4.000 Jahren angeben. Außerdem gibt es auch andere Spiele, denen ein extrem hohes Alter zugeschrieben wird.

Da Schach ein sehr altes Spiel ist, erscheint es verständlich, dass es einer Feldschlacht nachempfunden ist. Die Darstellungsmittel sind jedoch derart stilisiert, dass normalerweise kaum jemand beim Schachspiel auf die Idee kommt, das Spiel mit einer kriegerischen Auseinandersetzung zu vergleichen. Daher kann Schach auch nicht als Kriegsspiel angesehen werden.

Es ist undenkbar, ein breit angelegtes Buch über Spiele zu schreiben und hierbei Schach zu übergehen. Andererseits würde es den Rahmen dieses Buches sprengen, wollte ich versuchen, Schach auch nur einigermaßen erschöpfend zu behandeln. Wie aussichtslos ein solcher Versuch wäre, mögen folgende Zahlen verdeutlichen: Eine spezielle Schachbibliothek in Odessa zum Beispiel enthielt mehr als 30.000 Bände aus fast 40 Ländern (National Zeitung Berlin-Ost, 31.01.1979). Die zur gleichen Zeit in der Bundesrepublik, meist von speziellen Schachverlagen, angebotenen deutschsprachigen Bücher dürften circa 1.000 Titel umfassen. Allein ein Handbuch der Schacherüffnungen umfasst circa 30 Bände à 500 Seiten. Neben dieser Spezialliteratur gibt es im regulären Buchhandel ebenfalls ein umfangreiches Angebot, darunter auch geeignete Lehrbücher für Anfänger. Was hier für Schach gesagt wurde, trifft in ähnlicher Weise natürlich auch für Go zu. Allerdings sollten entsprechende Zahlen für Go zweckmäßigerweise auf Japan bezogen werden. Ich vermute, dass sie nicht wesentlich anders ausfallen.

Unter diese Umständen erscheint es nicht zweckmäßig, die große Bedeutung dieser Spiele durch eine ausführliche Beschreibung in diesem Kapitel zu unterstreichen. Hier wäre es mit einfachen Spielregeln nicht getan. Entweder sind dem Leser diese Spiele bereits bekannt, dies dürfte der Normalfall sein. Oder selbst eine ausführliche Darstellung im Rahmen dieses Buches bliebe immer noch zu dürftig, da sollte ein spezielles Schachbuch her, das den Anfänger in das Spiel einzuführen in der Lage ist. Ich will mich daher auf einige allgemeine Bemerkungen beschränken:

Schach ist ein Zweipersonenspiel. Das Spielgeschehen wird ausschließlich durch kombinatorische Spielzüge bestimmt, der Zufall spielt keine Rolle. Beim Spiel erhält jeder der beiden Spieler eine Anzahl unterschiedlicher Spielfiguren, deren Aufstellung vorgeschrieben ist. Eine dieser Spielfiguren ist der König. Das Ziel des Spieles besteht darin, den König des Gegenspielers derart anzugreifen, dass er diesem Angriff nicht mehr entgehen kann. Er ist dann „Schach Matt“ gesetzt. Die Anzahl und Stärke aller übrigen Spielfiguren spielen in diesem Fall keine Rolle mehr, das Matt beendet die Partie. Und somit ist es das Hauptziel eines Spielers, dieses Matt zu erzielen, und natürlich das eigene Matt zu vermeiden. Da allerdings das Matt normalerweise nur aus überlegener Stellung und/oder überlegenem Material heraus erzielt werden kann, wird es in der Regel erst über verschiedene Etappen angesteuert, wobei zunächst die entsprechenden Etappenziele zu erreichen sind.

Das Spielmaterial besteht aus dem sogenannten Schachbrett und den dazu gehörigen Figuren. Bei Turnierpartien kommen allerdings noch eine Schachuhr und Partieformulare für die Aufschreibung der Züge hinzu.

Das Schachbrett ist ein quadratischer Spielplan mit 8 x 8 Feldern. Zur besseren Übersicht sind die Felder abwechselnd hell bzw. dunkel gefärbt. Unabhängig von der tatsächlich benutzten Farbe nennt man die hellen Felder wiß und die dunklen Felder schwarz. Das Brett wird so gelegt, dass jeder Spieler rechts ein weißes Eckfeld hat.

Um die Aufschreibung der Partie und das Nachspielen einer aufgeschriebenen Partie zu erleichtern, ist die Umrandung des Schachbrettes meist mit einer Notationshilfe versehen.Und zwar werden die einzelnen senkrechten Linien mit den Buchstaben a bis h, die einzelnen waagerechten Reihen mit den Ziffern 1 bis 8 benannt. Ebenso enthält auch jedes einzelne Feld einen festen Namen, der aus dem Buchstaben der Linie und der Ziffer der Reihe zusammengesetzt ist, z.B. a1, b4, f3 usw. Hierbei hat Weiß das linke Eckfeld a1 und Schwarz das linke Eckfeld h8.

Für den Spielfreund, der nicht in die Tiefe des Schachspiels einsteigen mag, dennoch aber einige Spiele spielen will, die auf dem Schachbrett und mit den Schachfiguren gespielt werden, gebe ich im folgenden einige Anregungen:

1. Spiel Räuberschach: Von den verschiedenen Varianten des Schachspiel dürfte Räuberschach wohl die bekannteste sein. Räuberschach unterscheidet sich vom regulären Schach durch folgende abweichende Regeln:
  • Der König hat bei Räuberschach keine besondere Funktion. Er wird wie jede andere Figur behandelt. Das Schlagen des Königs hat also keine spielentscheidende Bedeutung.
  • Wer einen Stein des Gegners schlagen kann, muss dies tun. Wer mehrere Steine schlagen kann, hat die freie Auswahl, welchen Stein er schlägt.
  • Der Spieler, dessen Steine sämtlich geschlagen wurden, hat gewonnen.
Räuberschach wird besonders von Kindern gerne gespielt. Es hat mit dem regulären Schach fast nur den Namen und die Gangart der Steine gemein. Verglichen mit Schach ist es ein geradezu plumpes Spiel ohne selbständige Bedeutung. Als Vorbereitung für das reguläre Schach, um etwa die Gangart der Steine zu trainieren und einen Blick für die einzelnen Zugmöglichkeiten zu bekommen, ist Räuberschach jedoch bestens geeignet.

2. Spiel Schnelle Truppe: Ein erfrischendes Spiel, das die Überlegenheit der Schnelligkeit über die Materialstärke verdeutlicht. Es unterscheidet sich vom regulären Schach durch folgende abweichende Regeln:
  • Weiß erhält nur den König und die 8 Bauern, Schwarz alle 16 Steine.
  • Weiß führt jeweils mit einem Stein nacheinander zwei Züge aus, Schwarz zieht normal. Beim ersten dieser zwei Züge des Weißen darf der weiße König jeweils ins Schach treten oder im Schach verbleiben, erst nach dem zweiten muss er in Sicherheit sein. Dies trifft ebenfalls zu, wenn der weiße König den schwarzen angreift. Er ist also in der Lage, den schwarzen König zu schlagen, da er hierbei nur im ersten Zug ins Schach tritt. Mit dem zweiten kann er den schwarzen König schlagen, sofern er ihn auf einem Feld schlägt, auf dem er selbst nicht im Schach verbleibt.
Bei diesem Spiel hat es Schwarz schwer, nicht sogleich im ersten Ansturm zu unterliegen und matt zu werden. Wenn es ihm jedoch gelingt, diesem ersten Ansturm standzuhalten, hat er ausgezeichnete Chancen, sich allmählich zu verstärken und schließlich sogar zu gewinnen.

3. Spiel Springer in der Westentasche: Dieses Spiel erfordert große Aufmerksamkeit und eine ganz besondere Strategie. Es wird genau so gespielt wie das reguläre Schach. NUR EINMAL IM GANZEN Spiel darf jeder Spieler statt eines normalen Zuges seinen dritten Springern den „Springer aus der Westentasche“ ziehen und auf ein beliebiges freies Feld des Schachbrettes stellen. Nach diesem Zug gehr es normal weiter.
Besonders gefährlich ist der Springer aus der Westentasche, wenn er auf ein Feld gesetzt wird, auf dem er Schach bietet und zugleich die Dame angreift, oder gar ein ersticktes Matt bietet.

4. Spiel Schach mit Handicap: Auch dieses Spiel verläuft nach den Regeln des normale Schachs, nur haben beide Spieler ein bestimmtes Handicap: sie dürfen nicht jeden ansonsten möglichen Zug ausführen, der nach den Schachregeln erlaubt ist, sondern müssen bei den einzelnen Zügen noch eine besondere Bedingung erfüllen. Diese Bedingung bezieht sich jeweils auf den letzten Zug des Gegners. Und zwar gilt bei jedem Zug:
Das Ausgangsfeld oder das Endfeld des gezogenen Steines muss mit dem Ausgangsfeld oder dem Endfeld des vom Gegner zuletzt gezogenen Steines auf derselben Linie, Reihe oder Diagonale liegen. Hierbei darf die Rochade wahlweise als Königs- oder als Turmzug gewertet werden.
Wer keinen Zug ausführen kann, der dieser Bedingung genügt, hat verloren. Das gilt auch für solche Stellungen, die in denen normalerweise das Spiel durch Patt als unentschieden gewertet würde.
Diese einschränkende Bedingung für die einzelnen Züge gilt übrigens auch für Schachgebote: Ein Schachgebot kann auch dadurch für den Augenblick unwirksam gemacht werden, dass der König zwar im Schach stehen bleibt, aber nicht geschlagen werden darf, weil ein Zug ausgeführt wird, der diese Exekution nicht zulässt, weil sonst die Bedingung nicht erfüllt wäre. Hierdurch wird es natürlich sehr erschwert, den Gegner matt zu setzen, den ein Zug, der normalerweise das Spiel durch Matt beenden würde, kann vielfach dadurch unwirksam gemacht werden, dass der Bedrohte einen Zug ausführt, der von der tödlichen Bedrohung des Königs momentan ablenkt.
Schach mit Handicap ist eine bemerkenswerte Variante des normalen Schachspiels. Das strategische Gesamtkonzept des Schachspiels ändert sich nur wenig. Umso bedeutender sind die taktischen Konsequenzen. In der Eröffnung ändert sich zunächst nur wenig, wenn man davon absieht, dass man nicht mehr auf die bekannten Eröffnungsvarianten vertrauen kann. Entscheidungen fallen fast ausschließlich im Mittelspiel. Kommt es dennoch zum Endspiel, so machen sich die Einschränkungen noch stärker bemerkbar. Besonders deutlich wird dies, wenn ein Spieler seinen Gegner durch kluges Manövrieren dazu zwingen kann, seine Dame ungedeckt zum Verzehr anzubieten.

5. Spiel Die sogenannte „Beratungspartie“: Das Prinzip der sogenannten „Beratungspartie“ hat zunächst nichts mit Schach zu tun. Es ist ein Prinzip, das sich besonders für komplexe Zweipersonen-Kombinationsspiele eignet, und insofern natürlich auch für Schach und Go, aber ebenso für eine Reihe anderer Spiele. Jeweils zwei Spieler bilden ein Team, so dass für ein Zweipersonenspiel vier Teilnehmer benötigt werden. Diese zwei Spieler eines Teams wechseln sich von Zug zu Zug ab, dürfen sich jedoch gegenseitig keinerlei das Spiel betreffende Hinweise oder Kommentare geben. Insofern ist die gegenseitige „Beratung“ gerade ausgeschlossen.
Gerade dadurch, dass bei der Komplexität des Spieles der eine Partner die Pläne des anderen vielfach nicht erkennen kann, erhält das Spiel etwas Erfrischendes und führt vielfach zu überraschenden Ergebnissen. Wichtig allerdings ist es hierbei, dass man das Spiel nicht allzu ernst nimmt, sondern gerade die gegenseitigen Missverständnisse als das Wesentliche des Spieles betrachtet.
Hersteller (für Go):nahezu alle bekannten Hersteller
Alter: ab 8 Jahre und für Erwachsene
Teilnehmerzahl: 2
Spieldauer: Anfänger ca. 30 Minuten, Meister ca. 5 Stunden
Spielprinzip: Strategisch-taktisches Kombinationsspiel

Das Spielbrett enthält 19 x 19 Linien. Als Spielfelder gelten die Schnittpunkte dieser Linien. Üblicherweise sind die 9 Schnittpunkte der 4ten, 10ten und 16ten horizontalen und vertikalen Linien besonders gekennzeichnet, zum Beispiel durch einen dickeren Punkt. Diese Schnittpunkte werden fü Vorgabesteine benutzt.

Im Gegensatz zu Schach wird bei Go selbst in internationalen Turnieren mit Vorgabe gespielt. Die Differenz in der Spielstärke wird durch die Anzahl der Vorgabesteine gekennzeichnet, die zu ausgeglichenen Chancen führt. So können starke und schwache Spieler gegeneinander antreten, ohne dass das Ergebnis vorhersehbar ist.

Jeder Spieler besitzt mehrere hundert gleiche Spielsteine seiner Farbe, die sie abwechselnd auf einen Schnittpunkt des Feldes setzen. Wird hierbei ein generischer Stein oder eine generische Gruppe von Steinen dicht umschlossen und besitzt kein Luftloch mehr, wird dieser Stein bzw. diese Gruppe von Steinen vom Brett genommen. Eine zusammenhängende Gruppe von Steinen ist erst dann in Sicherheit, wenn sie zwei innere Luftlöcher besitzt, denn bei nur einem Luftloch kann der Gegner in dieses Luftloch hineinsetzen und die Gruppe von Steinen herausnehmen.

Japan ist die Heimat von Go, und dort ist Go auch sehr verbreitert. Bei uns ist Go nicht derart bekannt. Go ist sehr leicht zu lernen. Es ist jedoch sehr schwer, bei diesem Spiel eine gewisse Spielstärke zu erreichen. Ob schach oder Go das schwierigere und komplexere Spiel ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.