Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

3.1.4 Sonstiges

(Alter, Abstraktion, Komplexitätsgrad, Gemeinschaftssinn usw.)

Der Komplexitätsgrad eines Spieles ist ein wichtiges Kriterium zu dessen Beurteilung. Wenn man als Erwachsener Spiele aussucht, die für Kinder bestimmt sein sollen, muss man die Bedürfnisse der Kinder einkalkulieren. Kinder, insbesondere jüngere Kinder, bevorzugen zunächst einfache Spiele. Erst dann, wenn sie dieser einfachen Spiele schon beinahe überdrüssig geworden sind, legen sie Wert auf schwierigere Spiele. Dieser Übergang auf schwierigere Spiele beinhaltet gleichzeitig die Abkehr vom reinen Glücksspiel. Das Kind trachtet danach, im Spiel seine Kräfte zu zeigen und sich mit einem geeigneten Partner zu messen. Von diesem Zeitpunkt an dürfen Spiele allmählich schwieriger werden, wobei natürlich die jeweiligen Bedürfnisse erspürt werden sollen.

Hierbei gilt grundsätzlich, dass die Leistungsfähigkeit des Kindes meist größer ist, als von den Erwachsenen angenommen wird, vorausgesetzt, die Motivation ist vorhanden.

Die Motivation lässt sich nicht willkürlich steuern, doch es gibt die Möglichkeit, günstige Voraussetzungen dafür zu schaffen:

  • Wenn die Erwachsenen selbst gern spielen, die Kinder hierbei zuschauen dürfen und auf ihre Fragen hin auch die gewünschten Erklärungen erhalten,
  • wenn die Kinder Gelegenheit haben, ihre Spiele mit Gleichaltrigen, die dieselben Interessen haben, auszuüben,
  • wenn auch die Erwachsenen bereitwillig mit den Kindern spielen, vorausgesetzt, die Initiative geht von den Kindern aus,
dann sind die äußeren Voraussetzungen für eine solche Motivation günstig.

Spiele, deren Schwierigkeitsgrad überaus hoch ist, nennt man komplex. Komplexe Spiele wie zum Beispiel Schach sind im allgemeinen Erwachsenenspiele. Kinder werden von solchen Spielen vielfach überfordert. Auch hier gilt, dass komplexe Spiele für Kinder meist nur dann zu empfehlen sind, wenn die Initiative eindeutig von den Kindern ausgeht.

Hinzu kommt, dass komplexe Spiele vielfach das Prinzip der Chancengleichheit verletzen. Der versierte Spieler – meist der Erwachsene – ist dem schwächeren gegenüber meist derart überlegen, dass dieser sehr bald alle Lust am Spiel verliert. Um dieser Überlegenheit entgegenzuwirken, wird vielfach mit Vorgabe gespielt. Beim Beispiel des Schachspiels gibt der stärkere Spieler von Beginn an eine oder mehrere Figuren ab und spielt ohne diese, was allerdings dem Spiel ein verändertes Gepräge gibt. Beim Go gehört diese Vorgabe sogar zur Praxis. Die Spielstärke wird auf nationaler und internationaler Ebene nach Klassen eingestuft, und der schwächere Spieler darf zu Beginn eine je nach Klassendifferenz festgelegte Anzahl von Spielsteinen seiner Farbe auf das Brett legen.

Allerdings gibt es noch das entgegengesetzte Phänomen, wenngleich es auch nur bei sehr wenigen Spielen auftritt. Wenn der Komplexitätsgrad eines Spieles derart hoch ist, dass man von einer „Überkomplexität“ sprechen kann, ist auch der versierteste Spieler nicht mehr in der Lage, entsprechende Zugfolgen vorauszuberechnen.

3.1.4a Rubic's Würfel

Hersteller: Verschiedene
Alter: 10 - 99
Teilnehmerzahl:1
Spieldauer: 10 Minuten – 10 Stunden, abhängig vom Können
Spielprinzip: Drehen einzelner Würfelebenen

Bei dem Spielgerät handelt es sich um einen Würfel, von dem nur die Oberfläche sichtbar ist. Im Ausgangszustand nach dem Kauf enthält jede der 6 Flächen eine andere Farbe. Die Einzelnen Flächen sind in 3 x 3 Plättchen unterteilt. Denkt man sich eine Achse, die durch die Mitte zweier gegenüberliegender Flächen geht, so sind die 3 auf dieser Achse stehenden Teile des Würfels um diese Achse drehbar. Dies gilt für alle drei möglichen Achsen, so dass es 9 Drehmöglichkeiten gibt.

Sobald man verschiedene Teile des noch im Ausgangszustand befindlichen Würfel in dieser Weise einige Male willkürlich um verschiedene Achsen gedreht hat, enthalten die einzelnen Flächen des Würfels ein Mix unterschiedlicher Farben. Die Aufgabe besteht nun darin, den Ausgangszustand wieder herzustellen, also zu erreichen, dass jede Würfelfläche nur noch eine Farbe besitzt.

So einfach das Ganze aussieht, der Komplexitätsgrad ist enorm hoch. Zunächst muss man bedenken, dass die Anzahl der theoretisch möglichen Verteilungen unvorstellbar groß ist. In Zahlen wäre dies eine Eins mit 38 Nullen. Selbst dann, wenn sich nur ein Bruchteil dieser theoretisch möglichen Verteilungen auf dem Würfel nicht verwirklichen ließen, bleiben diese immer noch jenseits jeglicher Vorstellung. Sodann muss man bedenken, dass das Ergebnis auch nur relativ weniger Drehaktionen mit dem menschlichen Verstand kaum zu errechnen ist.

Natürlich bedeutet diese Komplexität nicht, dass man sich nicht doch Strategien ausdenken kann, mit denen die Aufgabe in jedem Fall zu lösen ist, gleichgültig, von welcher Verteilung man ausgeht. Manche dieser Strategien sind in der Lage, diese Aufgabe mit einer relativ geringen Anzahl von Drehaktionen zu lösen, andere Strategien benötigen eine wesentlich größere Anzahl. Es ist jedoch kein Verfahren bekannt, mit der die Aufgabe mit der geringst möglichen Anzahl zu lösen ist.

Ergänzend sei noch darauf hingewiesen, dass auch ein Würfel hergestellt wurde, bei dem die einzelnen Flächen nicht in 3 x 3 Plättchen unterteilt sind, sondern in 4 x 4 Plättchen. Für diesen Würfel ist die Anzahl möglicher Verteilungen natürlich noch wesentlich größer. In Zahlen wäre dies eine Eins mit 70 Nullen. Dennoch ist die Lösungsstrategie ähnlich und die Anzahl der notwendigen Drehaktionen nicht einmal doppelt so hoch.