Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

2.2.5 Reine Denkspiele

Reine Kombinationsspiele zeichnen sich dadurch aus, dass nur die Fähigkeiten der eigenen Person und die des Spielpartners das Spielgeschehen bestimmen. Wie schon weiter oben bemerkt, wir in diesem Zusammenhang unter dem Begriff Kombination jegliches Tätigwerden der eigenen Person und der Spielpartner verstanden. Solche Spiele stehen im Sinne eines gegenseitigen Kräftemessens natürlich an vorderer Stelle. Besonders für Wettkämpfe sind diese Spiele recht beliebt. Denn wenn die Spielstärke des einzelnen Teilnehmers maßgebliches Kriterium sein soll, wird der Zufallseinfluss vielfach als störend angesehen.

Reine Kombinationsspiele oder auch strategisch-taktische Spiele stellen unter den Spielen eine der wichtigsten Gruppen dar, da sie ein geistiges Kräftemessen enthalten. Vielfach sieht man in dieser Gruppe von Spielen den Prototyp von Spielen überhaupt. Zumeist handelt es sich hierbei um Zweipersonenspiele.

Trotz vieler Gemeinsamkeiten ist deutlich zwischen den spezifisch taktischen und den spezifisch strategischen Elementen eines Spieles zu unterscheiden.

Unter dem taktischen Moment eines Spieles versteht man das Moment der Bewegung, das heißt die Elemente, die eine Spielsituation in eine andere überführen. Hierzu bedarf es von Seiten des Spielers der Berechnung, der Kombination, und daraus resultierend, bestimmter Maßnahmen.

Unter dem strategischen Moment eines Spieles versteht man das Moment der Ruhe, das heißt die Elemente, die unterschiedliche Spielsituationen beurteilen und miteinander vergleichen. Hierzu bedarf es von Seiten des Spielers der Urteilsfähigkeit, des Wissens, der Erfahrung, und daraus resultierend, bestimmter Entscheidungen.

Diese Unterschiede mögen an einem für seine strategischen und taktischen Elemente bekannten Spiel, dem Schachspiel verdeutlicht werden. Die Erläuterung ist jedoch so abgefasst, dass auch ein des Schachspiels unkundiger Leser dem Gedankengang ohne besondere Schwierigkeit folgen kann:

  • Wenn ein Schachspieler eine mehrzügige Kombination durchrechnet, an deren Ende er zwangsläufig das Matt und damit den Sieg erzielt, so handelt es sich hierbei um eine rein taktische Maßnahme.
  • Wenn ein Schachspieler erkennt, dass eine zwangsläufige Mattführung umso leichter fällt, je größer das materielle Übergewicht ist, wenn er hierbei den unterschiedlichen Wert der einzelnen Steine kennenlernt sowie die Methoden, wie ein entsprechendes materielles Übergewicht zwangsläufig in einen Gewinn umzusetzen ist, so handelt es sich hierbei um Erkenntnisse, gehört also in den Bereich der Strategie.
  • Wenn ein Schachspielernunmehr, auf dieser strategischen Erkenntnis basierend, eine mehrzügige Kombination durchrechnet, an deren Ende er zwangsläufig einen materiellen Vorteil erzielt, so handelt es sich hierbei um eine taktische Maßnahme, die jedoch bereits strategische Erkenntnisse verwertet.
Wenn der Spieler schließlich die Erfahrung macht, dass solche taktischen Möglichkeiten sich umso eher anbieten, je besser er entwickelt ist, je besser er das Zentrum beherrscht, je harmonischer seine Steine zusammenwirken und je dauerhafter seine Initiative ist, so handelt es sich hierbei wieder um strategische Erkenntnisse.
  • Wenn der Spieler nunmehr, auf dieser strategischen Erkenntnis basierend, eine mehrzügige Kombination durchrechnet, an deren Ende er zwangsläufig das Zentrum erobert oder einen sonstigen strategischen Vorteil erzielt, so handelt es sich hierbei wieder um eine taktische Maßnahme.
  • Wenn der Spieler letztlich lernt, den relativen Wert von Material, Raum, Zeit und vielen anderen Stellungsmerkmalen gegeneinander abzuwägen, wenn er weiß, welche Art von Maßnahmen für welche Art von Situationen typisch und erfolgversprechend sind, so sind dies wieder strategische Erkenntnisse. Und wenn er auf Grund derartiger Überlegungen seine Entscheidungen trifft, so sind dies strategische Entscheidungen.
Ein solches Beispiel lässt sich nahezu beliebig weiterführen. Hierbei ist festzuhalten, dass alle Erkenntnisse dem strategischen und alle Maßnahmen dem taktischen Moment zuzuordnen sind.

Ein erfahrener Schachspieler, sagen wir ein Internationaler Großmeister, überragt einen schwächeren Spieler nicht so sehr wegen seines taktischen Könnens, sondern hauptsächlich wegen seines strategischen Wissens. Nicht die Länge einer vorausberechneten Zugfolge, sondern die zutreffende Beurteilung der danach entstehenden Stellung entscheidet in den meisten Fällen die Partie.

2.2.4a Push

Hersteller: Spear
Alter: ab 8 Jahre und für Erwachsene
Teilnehmerzahl:2
Spieldauer: 10 Minuten
Spielprinzip: Verschieben von Kugelreihen

Aus den Angaben des Herstellers: „Push ist ein Knobelspiel und zugleich ein Taktikspiel für fast oder ganz Erwachsene. Die Reihen eines Quadrates von 5 x 5 schwarzen und weißen Kugeln sollen so verschoben werden, dass sie in einer bestimmten Anordnung liegen. Da will jeder Zug genau überlegt sein. Ein besonders gut ausgestattetes Spiel für Anspruchsvolle. Eines der Spiele, die auf den ersten Blick kinderleicht erscheinen und sich dann auch für Erwachsene als sehr vertrackt erweisen.“

Bei oberflächlicher Betrachtung scheint an Push wenig außergewöhnliches zu finden sein. Sobald man jedoch beginnt, sich mit diesem Spiel eingehender zu beschäftigen, stellt man fest, dass man eines der bemerkenswertesten Spiele vor sich hat, die es überhaupt gibt.

Das Spiel Push basiert auf zwei unterschiedlichen Grundideen. Die eine dieser beiden Grundideen ist uralt und bereits in vielen klassischen Spielen wie Mühle, Gobang usw. verwirklicht. Sie beinhaltet die Forderung, eine bestimmte Anzahl eigene Steine nebeneinander in eine Reihe zu bringen. Diese Forderung wurde lediglich insofern auf zwei Dimensionen ausgedehnt, als eine 3 x 3 – bzw. 3 x 4 – Anordnung eigener Spielsteine gefordert wird. Die zweite Grundidee ist eher neu. Sie betrifft die Art der Spielzüge. Der einzelne Zug besteht aus mindestens einem sog. Push, bei dem alle Steine einer waagerechten oder senkrechten Reihe bewegt werden. Hierbei wird einer der kugelförmigen Spielsteine von der einen Seite in eine Reihe hineingedrückt, so dass alle Kugeln dieser Reihe um ein Feld weiterbewegt werden und die letzte Kugel in eine Rinne fällt. Die Farbe dieser Kugel bestimmt, welcher der beiden Spieler den nächsten Push ausführen darf.

Das Außergewöhnliche dieses Spieles ist jedoch weniger in den Grundideen begründet. Das Bemerkenswerteste dieses Spieles liegt in dem ausgeprägten Gegensatz von Strategie und Taktik, wie er in dieser reinsten Form kaum bei einem anderen Spiel zu finden ist.

Ebenso ungewöhnlich ist die ungeheure Fülle möglicher Spielzüge. Diese Fülle resultiert daraus, dass ein Spielzug aus einer mehr oder weniger großen Zahl von Push’s besteht. Das theoretische Maximum dürfte zwischen 20 und 30 Push’s für einen Spielzug liegen. Berücksichtigt man weiter, dass in jeder Stellung, d.h. zu Beginn eines Zuges wie auch innerhalb eines Zuges nach jedem einzelnen Push, die Zahl der möglichen Push’s genau 10 beträgt, da das Spielfeld aus 5 x 5 Reihen besteht, erhält man eine gewisse Vorstellung von der Anzahl der jeweils möglichen Züge. Da ferner bei jedem Push auf dem Spielbrett 5 Felder ihren Inhalt verändern, setzt bereits bei der Betrachtung der verschiedenen Möglichkeiten eines einzigen Zuges und ihrer Konsequenzen die Kapazität des normalen menschlichen Verstandes aus.

Theoretische Untersuchungen lassen vermuten, dass in den meisten Stellungen für den am Zug befindlichen Spieler ein Gewinn in nur einem Zug möglich ist. Diese theoretische Möglichkeit hilft dem Spieler jedoch wenig, denn er ist normalerweise nicht in der Lage, diesen Gewinnweg auch zu finden, da dieser Zug meist aus einer größeren Anzahl von Push’s besteht, deren Auswahl und Reihenfolge genau eingehalten werden muss. Die kleinste Ungenauigkeit hierbei hat jedoch in der Regel fatale Folgen, da eine verpatzte Gewinnkombination normalerweise eine sofortige Verlustmöglichkeit zur Folge hat. Diese Tatsache wird sofort klar, wenn man sich den bei diesem Spiel vorhandenen schroffen Gegensatz von Strategie und Taktik vor Augen hält:

Nach strategischen Erwägungen ist eine spielentscheidende Kombination umso leichter möglich, je günstiger die Kugeln liegen. Da nahezu jeder Push die Stellung in strategischem Sinne für den Gegner verbessert, besteht eine strategische Behandlung fast ausschließlich aus solchen Zügen, die aus nur einem Push bestehen. Erst der spielentscheidende Siegeszug beinhaltet eine komplizierte Kombination, die aus vielen Push’s besteht.

Diese einzigartigen Eigenschaften des Spieles Push führen dazu, dass jeder, der einmal richtig begonnen hat, Push zu spielen, von diesem Spiel so leicht nicht wieder los kommt.