Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

2.2 Grad der Eigeninitiative

Ein Spiel, in dem das Element des Ich fehlt, wird ausschließlich vom Zufall gesteuert, ist also ein reines Glücksspiel. Reine Glücksspiele erhalten ihren besonderen Wert erst durch eine gezielte Intention, z.B. um bei Kindern den Einstieg in die Welt der Spiele überhaupt erst zu ermöglichen, oder um bei Erwachsenen bestimmte Situationen aufzulockern. Man denke in diesem Zusammenhang an das Knobeln am Biertisch. Selbst der Besuch eines Spielkasinos, so wenig er zu empfehlen ist, mag in gewissen Extremsituationen sinnvoll sein. Dies wäre dann der Fall, wenn der Besitz des vorhandenen Geldes für den Betroffenen auch objektiv gesehen einen deutlich geringeren Wert besitzt, als der möglicherweise zu erreichende Gewinn., mit dem zum Beispiel eine lebensrettende medizinische Behandlung bezahlt werden könnte. Von derartigen extremen Sonderfällen abgesehen ist das Glücksspiel um Geld niemandem zu empfehlen.

Fehlt der Einfluss des Zufalls, so besteht eine gewisse Gefahr, dass das Spiel, das dem Leben eine positive Bereicherung spenden soll, in eine geistige Arbeit ausartet. Von der Sinngebung des Spieles her gesehen wäre dies eine Verarmung, die jedoch in der Praxis sehr selten zu finden ist. Selbst unter den Schachspielern ist die Zahl der Berufsspieler recht gering.

Brett, Karten und Würfel – einzeln sowie gemeinsam – sind die klassischen Requisiten für Spiele. Hierbei steht „Brett“ symbolhaft für Kombinationsspiele und Würfel für den Einfluss des Zufalls, während die Karten eine Mischung aus beiden darstellen sollen.

Spiele, deren Ergebnis ausschließlich vom Zufall bestimmt wird, heißen „Reine Glücksspiele“. Spiele ohne Zufallseinfluss werden als „Reine Kombinationsspiele“ bezeichnet. Spiele mit nur geringem Kombinationseinfluss (z.B. max. 10%) könnte man als „Relative Glücksspiele“, Spiele mit nur geringem Zufallseinfluss (z.B. max. 10%) als „Relative Kombinationsspiele“ bezeichnen. Spiele mit einem Anteil von 10 bis 90% von jedem wären in diesem Fall als „Gemischte Spiele“ anzusehen. Natürlich sind die Grenzen mit 10 und 90% willkürlich gewählt, man könnte sie auch auf 30% und 70% legen.

2.2.1 Reine Glücksspiele

Reine Glücksspiele sind solche Spiele, bei denen das Spielergebnis ausschließlich vom Zufall diktiert wird. Bezüglich der Eigeninitiative des einzelnen Spielers gibt es hierbei noch folgende Abstufungen:

  • Spiele, bei denen das gesamte Spielgeschehen ausschließlich vom Zufall gelenkt wird,
  • Spiele, bei denen der einzelne Spieler zwar Einfluss auf das Spielgeschehen besitzt, die Spielchancen sich durch diese Beeinflussung des Spielverlaufes aber nicht ändern,
  • Spiele, bei denen das Spielergebnis zwar vom Zufall bestimmt wird, der einzelne Spieler jedoch die Höhe seines Einsatzes bestimmt.
Das Glücksspiel um Geld, wie es z.B. in einem Spielkasino betrieben werden kann, bildet einen Ausnahmetyp, der nicht der in diesem Buch dargestellten Vorstellung von Spielen entspricht. Diese Spiele werden nicht zweckfrei betrieben, vielmehr steht der potentielle Geldgewinn und nicht das eigentliche Spiel im Vordergrund. Das schließt nicht aus, dass die gleichen Spiele auch aus reiner Spielfreude gespielt werden können. Dies mag dann der Fall sein, wenn lediglich um Kleinbeträge gespielt wird oder wenn überhaupt nur Spielgeld verwandt wird.

Glücksspiele sind aus der Welt der Spiele nicht wegzudenken. Einerseits erleichtern die Glücksspiele den Eintritt in die Welt der Spiele überhaupt, insbesondere für Kinder, bei denen die Fähigkeiten für Kombinationsspiele sich erst allmählich in der Spielpraxis ausbilden. Das wechselnde Glück sichert jedem Teilnehmer, selbst dem Kleinsten und Unerfahrensten, seine ihm zukommende Chancengleichheit. Andererseits bieten Glücksspiele die beste Gelegenheit, das nötige Regelverständnis zu erlernen sowie neben erfolgreichem Abschneiden auch die unvermeidlichen Niederlagen zu ertragen. Daher ist es sicher sinnvoll, in der Entwicklung zeitlich bei reinen Glücksspielen zu beginnen und erst allmählich zu Spielen mit langsam steigenden Anforderungen überzugehen.

Aber nicht nur in der Welt unserer Kleinen finden die Glücksspiele ihren Platz. Auch aus einer geselligen Runde oder vom Stammtisch sind Glücksspiele kaum wegzudenken. Sei es, dass man die Aufmerksamkeit der Teilnehmer lenken und fesseln will, oder sei es, dass eine Runde ausgeknobelt werden soll, man wird einem Glücksspiel gern den Vorzug vor einem „anspruchsvollerem“ Spiel geben, da man es oft gerade vermeiden möchte, dass der versiertere oder sonst wie bessere Spieler bevorzugt wird. Dieser dagegen wird, da er einem Spiel ohnehin aufgeschlossener gegenübersteht, schon um der Geselligkeit willen auch an einem Glücksspiel gerne teilnehmen, auch wenn er ansonsten anspruchsvollere Spiele vorzieht. Und ferner, was bereits für die Kleinen gilt, behält seine Gültigkeit auch bei den Großen: Der Weg zu anspruchsvolleren Spielen beginnt häufig bei den Glücksspielen.

Dass ich bei meinen Überlegungen das professionelle Glücksspiel ausschließe, liegt daran, dass der fanatische Glücksspieler in der Regel das Spiel um des Gewinnes willen, nicht aber um des Spielens willen betreibt. Er zählt somit nur bedingt zu unserer Gemeinschaft der Freunde des Spielens, sondern bleibt meist ein Einzelgänger.

Dies ist sicher nicht so zu verstehen, als wollte ich das Spielen um Geld grundsätzlich ablehnen, vielmehr ist dies weitgehend auch eine Frage der Höhe des Einsatzes. Für einen wirklichen Freund des Spielens sollte ein Einsatz stets so bemessen sein, dass er zwar im Falle eines Gewinnes eine entsprechende Befriedigung bewirkt, im Falle eines Verlustes jedoch nicht als schmerzlich empfunden wird. Diese Bedingung mag zum Beispiel dann erfüllt sein, wenn um einen Einsatz in der Höhe der Zeche des einzelnen gespielt wird, obwohl die Umstände auch einen höheren oder niedrigeren Einsatz angezeigt sein lassen mögen. Die Frage des Einsatzes taucht übrigens natürlich nicht nur bei Glücksspielen auf, sondern kann bei jedem Spiel gestellt werden. Die soeben genannten Grundsätze über die Höhe des Einsatzes sind bei anderen Spielen im Prinzip in ähnlicher Weise zu beantworten.

Diese Abschweifung auf die Frage des Einsatzes ist natürlich keinesfalls so zu verstehen, als sollten in dieser Hinsicht irgendwelche Vorschriften gemacht werden. Vielmehr sollten diese Hinweise erklären, warum ich aus der Fülle von vielen Tausenden bekannter Glücksspiele nur einen verschwindend kleinen Teil in diesem Buch beschreibe.

2.2.1a Roulette

Hersteller: Verschiedene
Alter: ab 10 und für Erwachsene
Teilnehmerzahl:beliebig
Spieldauer: beliebig
Spielprinzip: Zufall

Aus Angaben der Hersteller: „Roulette – das Glücksspiel per excellence. Zu Roulette viele Worte zu verlieren, heiße Eulen nach Athen zu tragen. Wichtig ist ein guter, aufmerksamer Croupier. Dieser bewegt die Kugel im Roulette-Kessel, streicht die Einsätze ein und zahlt Gewinne aus.“

Der Roulette-Kessel enthält 37 Fächer, die mit den Zahlen von 0 bis 36 bezeichnet sind. Ebenso gibt es ein Einsatztableau, auf dem unter anderem Felder für die Zahlen von 0 bis 36 vorhanden sind. Wenn der Spieler einen Betrag auf eine Zahl setzt und die Kugel fällt auf diese Zahl, erhält er von der Bank seinen Einsatz zurück und zusätzlich den 35-fachen Betrag seines Einsatzes ausgezahlt, also insgesamt den 36-fachen Betrag seines Einsatzes. Alle Beträge, die auf andere Zahlen gesetzt wurden, fallen an die Bank. Da es aber einschließlich der Null 37 Zahlen gibt, auf die die Kugel fällt, geht im Durchschnitt stets 1/37 aller Einsätze als Gewinn an die Bank.

Fällt die Kugel allerdings auf 0, so gehen alle Einsätze an die Bank. Nur die Spieler, die auf 0 gesetzt haben, erhalten, wie oben bereits gesagt, den 36-fachen Einsatz.

Direkt auf eine konkrete Zahl zu setzen, ist jedoch nur eine der Möglichkeiten. Die Zahlen von 0 bis 36 sind jedoch noch nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt. Die Chancen sind hier jedoch die gleichen. Auch hier geht im Durchschnitt stets 1/37 aller Einsätze als Gewinn an die Bank.

So gibt es die Möglichkeit, auf zwei Zahlen gleichzeitig zu setzen, sofern diese zwei Zahlen waagerecht oder senkrecht benachbart sind. Hierzu setzt man den Chip auf die Trennungslinie zwischen den zwei Zahlen. Fällt die Kugel auf eine dieser zwei Zahlen, erhält der Spieler seinen Einsatz zurück und den 17-fachen Betrag von der Bank, insgesamt also die Hälfte des 36-fachen Betrags.

Auch gibt es die Möglichkeit, auf eine Querreihe von drei Zahlen zu setzen. Fällt die Kugel auf eine dieser drei Zahlen, erhält der Spieler seinen Einsatz zurück und den 11-fachen Betrag von der Bank, insgesamt also ein Drittel des 36-fachen Betrags.

Es gibt auch die Möglichkeit, auf vier Zahlen gleichzeitig zu setzen, und zwar entweder auf vier Zahlen im Viereck oder auf die Zahlen 0, 1, 2 und 3. Fällt die Kugel auf eine dieser vier Zahlen, erhält der Spieler seinen Einsatz zurück und den 8-fachen Betrag von der Bank, insgesamt also ein Viertel des 36-fachen Betrags.

Ferner gibt es die Möglichkeit, auf 6 Zahlen gleichzeitig zu setzen, nämlich auf zwei benachbarte Querreihen. Fällt die Kugel auf eine dieser 6 Zahlen, erhält der Spieler seinen Einsatz zurück und den 5-fachen Betrag von der Bank, insgesamt also ein Sechstel des 36-fachen Betrags.

Es gibt ferner die Möglichkeit, auf 12 Zahlen gleichzeitig zu setzen. Man kann hierzu auf eine der drei Spalten setzen. Mann kann auch auf die Zahlen 1 – 12, 13 – 24 oder 25 – 36 setzen. Fällt die Kugel auf eine der 12 Zahlen, erhält der Spieler seinen Einsatz zurück und den 2-fachen Betrag von der Bank, insgesamt also ein Zwölftel des 36-fachen Betrags.

Schließlich kann man auch auf 18 Zahlen gleichzeitig setzen. Hierzu gibt es die Möglichkeiten rot, schwarz, gerade, ungerade, die Zahlen 1 – 18 und die Zahlen 19 – 36. Fällt die Kugel auf eine dieser Zahlen, erhält der Spieler seinen Einsatz zurück und denselben Betrag von der Bank, insgesamt also ein Achtzehntel des 36-fachen Betrags.

Man sieht also, hätte man den Einsatz, wenn er entsprechend teilbar gewesen wäre, einzeln auf die gewählten Zahlenfelder gesetzt, wäre das Ergebnis in jedem Fall das gleiche gewesen.

Gleichgültig, wie der einzelne Spieler setzt, sein Erwartungswert, nämlich das Produkt aus dem möglichen Gewinn und der Wahrscheinlichkeit, zu gewinnen, beträgt stets 36/37 seines Einsatzes, während der entsprechende Erwartungswert für die Bank 1/37 des Einsatzes beträgt. Auf lange Sicht gesehen gewinnt die Bank also immer. Kurzfristig gesehen mag das Ergebnis jedoch völlig anders aussehen.

Von dieser Regel gibt nur eine einzige Abweichung, die von manchen, allerdings nicht von allen Spielregeln vorgesehen ist. Wenn nämlich die Kugel auf Null fällt, so bleiben nach dieser Ausnahmeregel die Einsätze, die auf eine einzelne Zahl gesetzt wurden, für das nächste Spiel stehen. Alternativ können die betreffenden Spieler sich auch die Hälfte ihres Einsatzes auszahlen lassen.