Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

1. Einleitung

1.1 Vorwort

„Der Mensch spielt nur da, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist; und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Schiller

Viele Menschen tun das Spielen als nebensächlich ab, oder sie lehnen es gar als minderwertig ab. Kinder sollen lernen, arbeiten, etwas Nützliches tun! Und Erwachsene natürlich erst recht! Wie oft bekommt man solche und ähnliche Worte zu hören! Und wo sie nicht ausgesprochen werden, spürt man die Ablehnung deutlich im Raume hängen.

Spielen ist lebensnotwendig. Eine Gesellschaft, die nicht spielt, ist todkrank. Neurosen sind oftmals die unausbleibliche Folge ungeträumter Träume. Oder Magengeschwüre, oder . . . Einzelne bleiben vielleicht verschont, andere spüren die Folgen erst relativ spät im Leben, doch die Zahl der Opfer ist Million.

Spielen ist lebensnotwendig. Der Mensch, der nicht spielt, verschenkt leichtfertig die besten Möglichkeiten in seinem Leben, die er allenfalls durch dreifache harte Arbeit wieder zurückholen kann.

Spielen ist lebensnotwendig. Doch es ist nicht allein damit getan, dass das Spielen wieder gesellschaftsfähig wird, und auch nicht damit, dass der einzelne wieder zu spielen lernt, nicht minder wichtig ist die richtige Auswahl der Spiele.

Spielen ist Üben. Naturvölker spielen naturgemäße Spiele: Laufen, Jagen, Schwimmen usw. Lebensnotwendige Übungen, die man nicht erst im Ernstfall trainieren kann. Für sie ist es Schule für das Leben. Unsere Umwelt ist eine andere. Das geistige Rüstzeug, das wir heute als ganz selbstverständlich bereits von einem Hilfsarbeiter erwarten, übersteigt das, was anderwärts die geistigen Führer innehatten. Weit entfernt davon, uns über jene hinauszuheben, hebt es nur die Anforderungen an uns, die wir zu erfüllen vielleicht nicht in der Lage sind. Wie tiefgreifend diese unsere Verstrickung reicht, erleben wir besonders deutlich an einem Teil unserer Gastarbeiter. Selbst dann, wenn sie unsere Sprache perfekt beherrschen, bleibt unsere Lebensform ihnen lange fremd. Kaum jemand merkt, welche Anforderungen an sie gestellt werden, und wie groß ihr unvermeidliches Handicap in Wahrheit ist.

Spielen ist Üben. Das Übungsfeld unserer Kinder liegt weitgehend in der Schule. Leider krankt die Schule trotz aller Reformversuche an einer verhängnisvollen Kopflastigkeit. Das wichtigste Kapital, die Freude am Lernen, wird nur allzu leichtfertig verschenkt. Die Schule ist notwendig, um unseren Kindern Wissen und Können zu vermitteln. Aber unsere Kinder brauchen mehr als Wissen und Können. Sie brauchen vor allem eines: sie müssen sich als Menschen entfalten können. So wichtig auch in der Schule das Leistungsprinzip ist, denn für Leistung gibt es keinen Ersatz, das Leistungsprinzip ist unverzichtbar, aber die schulische Leistung kann immer nur eine der notwendigen Komponenten für die schulische Bildung sein.

Spielen ist Üben. Die Abbilder für die Spiele unserer Kinder stammen fast ausschließlich aus der Erwachsenenwelt: Indianer- und Cowboyspiele, kriegsbezogene Spiele, Rennen unterschiedlicher Art, Spiele mit technischem Hintergrund usw. Wenn diese Spiele von der Wirklichkeit der Erwachsenenwelt so stark abweichen, so liegt dies nicht etwa daran, dass Spiele, die aus den heutigen Realitäten entwickelt würden, von den Kindern nicht übernommen würden. Es legt vielmehr an unserem Unvermögen, deeen Kindern die Kernprobleme aus dem Alltagsleben in den heutigen Berufen in geeigneter Weise darzustellen.

Damit sind wir bereits mitten im Thema. Es geht um die Frage: was spielen unsere Kinder? Was sollten sie spielen? Und wie sollen wir sie beeinflussen, ohne sie in ihrem legitimen Freiraum zu beeinträchtigen?

Um ein langatmiges Ausufern zu vermeiden, möge das Thema auf einen beschränkten Ausschnitt aus dieser Problematik beschränkt werden: auf Brettspiele, Kartenspiele usw., das heißt, auf die sogenannten Gesellschaftsspiele. Die nicht minder wichtigen Komplexe der Spiele im Freien, der Beschäftigungsspiele, der Rollenspiele, der Hobbys usw. sind nicht Thema dieses Buches. Aber da wir in einer von geistigem Wettstreit geprägten Umwelt leben, erhält gerade diese Klasse von Spielen eine mehr und mehr zunehmende Bedeutung, die bisher noch viel zu wenig erkannt und beachtet wird. Während über die Bedeutung von Bewegungsspielen, über das Für und Wider von Kriegsspielzeug oder über die Erlebniswelt der Hobbys schon viel geschrieben wurde, klafft hier noch eine L&u uml;cke. Wohl gibt es viele Bücher, die die einzelnen Spiele selbst beschreiben. Um aber die Kriterien kennen zu lernen, nach denen zweckmäßigerweise die Auswahl von Spielen erfolgen sollte, speziell in Hinblick auf unsere Kinder, aber natürlich auch für Erwachsene, da darf man lange suchen.
Es ist ohnehin ein viel gehegtes Vorurteil, dass Spiele hauptsächlich etwas für Kinder ist. Aber, wie schon Schiller erkannt hat, ist die Bedeutung von Spielen besonders auch für Erwachsene nicht zu unterschätzen.

Schließlich sei eines nicht vergessen, bei allen theoretischen Überlegungen über Ziel und Nutzen bleibt als wichtigstes Kriterium die Freude, die ein Spiel zu vermitteln in der Lage ist. Ohne diese Freude versinken alle anderen Kriterien nahezu in die Bedeutungslosigkeit. Denn

Freude ist Leben, und Leben ist Freude.

1.2 Zielsetzung

Dieses Buch wurde in erster Linie für diejenigen Personen geschrieben, die wiederholt in die Situation kommen, Spiele zu kaufen oder in Eigenbau herzustellen. Hierbei ist natürlich zu unterscheiden, ob die Spiele in erster Linie für Kinder oder für Erwachsene gedacht sind.

Kindergärtner(innen), Lehrer(innen), Erzieher(innen) und ähnliche Personen werden vielfach auf eine Sammlung von Spielen zurückzugreifen haben, die nicht von ihnen selbst ausgewählt wurden. Wenn sie aber unter den vorhandenen Spielen auswählen oder gar selbst Spiele zu besorgen haben, werden sie sich vielfach berufen fühlen, hierbei für die ihnen anvertrauten Kinder nach anerkannten pädagogischen Gesichtspunkten zu handeln.

Wenn Eltern und sonst wie nahestehende Personen Spiele für Kinder kaufen oder in Eigenbau herstellen, werden sie vielfach in erster Linie darauf bedacht sein, den Kindern eine Freude zu machen. Oftmals jedoch werden darüber hinaus darum bemüht sein, mit dem Kauf oder der Herstellung eines Spieles gleichzeitig die sonstigen Erziehungsbemühungen zu unterstützen.

Bei den Spielen für Erwachsene stehen andere Kriterien im Vordergrund. Hier handelt es sich vielfach um ausgesprochene Freunde des Spielens, die bemüht sind, für das eigene Hobby oder das von befreundeten Personen solche Spiele auszusuchen, die den entsprechenden Bedürfnissen entsprechen. So mag es bei einem Spiel für Kinder durchaus noch zu akzeptieren sein, dass sich zum Beispiel zwei Kinder im Spiel gegenseitig schonen, gemeinsam jedoch den Dritten attackieren, weil diesem als Erwachsenem ohnehin die größeren Chancen zugetraut werden. Bei einem Spiel unter Erwachsenen könnte bereits der Verdacht einer solchen Handlungsweise die Runde sprengen. Deshalb sollten die Spiele von ihrer Grundkonzeption erst gar nicht die Möglichkeit hierzu bieten.

Man denke nicht, die Konstruktionselemente von Spielen seien nur für die Erfinder von Spielen interessant. Vielmehr sollte eigentlich jeder Käufer eines Spieles sich vorher überlegen, ob das Spiel von seinen Konstruktionselementen her den Vorstellungen des Käufers entspricht. Denn die Konstruktionselemente eines Spieles treten bei der späteren Benutzung klar zu Tage, und der Spieler muss mit ihnen ständig agieren. Daher werde ich das Thema der Spiele hauptsächlich von diesen Konstruktionselementen her beleuchten. Ich will das Augenmerk darauf lenken, auf welche Kriterien man bei der Auswahl von Spielen achten sollte.

1.3 Gliederung

Bei einem Spiel geht es stets um zwei Dinge, einerseits die Teilnehmer des Spiels und zum Zweiten um das Spiel selbst. So ist neben der in Kapitel 1 vorangestellten Übersicht das Buch in zwei Teile gegliedert, in Kapitel 2 „““Die Akteure“ und in Kapitel 3 „Das Spiel“. Beide Kapitel sind sodann nach weiteren Gesichtspunkten unterteilt.

2.  Die Akteure zeigt die gegenseitige Beeinflussung von Teilnehmer, Gegenspieler und Spiel. Es gliedert sich in vier Unterkapitel:
2.1 Art der Eigeninitiative zeigt, welche persönlichen Fähigkeiten bei einem Spiel zum Einsatz kommen mögen.
2.2 Grad der Eigeninitiative unterscheidet im wesentlichen zwischen Glücksspielen und solchen Spielen, deren Ergebnis von den Spielern selbst abhängen sowie den entsprechenden Mischformen.
2.3 Einfluss auf den Teilnehmer befasst sich mit der Wirkung von Spielen auf die Teilnehmer. Besonders für Kinder ist es wichtig, ob sie beim Spiel etwa gleichzeitig etwas lernen oder ob vielleicht eine Bewusstseinsbildung bewirkt wird.
2.4 Teilnehmerbeziehungen unterscheidet zunächst trivial nach Ein-, Zwei- und Mehrpersonenspielen. Bei den Mehrpersonenspielen unterscheidet es weiter danach, ob unerwünschte Koalitionsbildungen, die das Spielergebnis verzerren können, von der Konstruktion des Spieles her möglich sind oder nicht.
3.  Das Spiel beschreibt das durch die Spielregeln und die innere Struktur des Spieles gebildete Spannungsfeld. Es gliedert sich in sechs Unterkapitel:
3.1 Besondere Merkmale von Spielen weist besonders auf solche Merkmale und Effekte von Spielen hin, die mit der Art, wie das Spielergebnis zustande kommt, nicht oder allenfalls indirekt zusammenhängen.
3.2 Wertungselemente unterscheidet gerade nach der Art, wie das Ergebnis von Spielen gewertet wird.
3.3 Technische Hilfsmittel verweist auf diverse Hilfsmittel, mit denen ein Spiel unterstützt wird.
3.4 Statische und dynamische       Spielelemente zeigt die unterschiedlichen Elemente, mit deren Hilfe ein Spiel konstruiert wurde.
3.5 Spielefamilien und
3.6 Klassische Spiele zeigt besonders wichtige Spiele.

Natürlich werden diese zehn Unterkapitel noch weiter untergliedert, wie man dem Inhaltsverzeichnis entnehmen kann. Um den Umfang des Buches in Grenzen zu halten, mussten die einzelnen Themenbereiche vielfach gestrafft werden. Zu diesem Zweck wurden zusammengehörende Kriterien vielfach in einem Abschnitt zusammengefasst. Für die Auswahl und Beurteilung von Spielen sind daher nicht allein diese Gliederungsabschnitte, sondern die einzelnen Kriterien maßgebend. Zu jedem dieser weiteren circa 50 Gliederungsabschnitte wurden ein oder mehrere Spiele als Beispiel vorgestellt und teilweise auch beschrieben. Die Auswahl dieser Spiele konnte natürlich nur nach weitgehend subjektiven Kriterien erfolgen. Viele interessante und wertvolle Spiele bleiben unerwähnt. Spiele, die ich als destruktiv eingeschätzt habe, wurden grundsätzlich ausgeschlossen. Hierzu gehören unter anderem gewisse Kriegsspiele.