Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

9.      Rückblick und Ausblick
9.5    Konsequenzen

Bis hierher war ich mit meinen unterschiedlichen Gedanken gekommen. Wenngleich mir natürlich klar war, dass ich die Thematik nur eben berührt hatte, und dies natürlich äußerst subjektiv, fand ich es nunmehr an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, um festzulegen, welche Folgerungen ich aus all dem zu ziehen hätte.

Wenn es in Kapitel 4 auch deutlich wurde, dass es für die Existenz Gottes keine Beweise gibt, die von allen Philosophen gleichermaßen anerkannt werden, kam ich dennoch auf Grund meiner Überlegungen zu dem Schluss, dass die Existenz Gottes eine Tatsache sei. Und diese Existenz Gottes müsse in der Vergangenheit seit Ewigkeit bestehen und natürlich auch in der Zukunft in die Ewigkeit reichen.

Wenn ich also nicht davon ausgehe kann, dass Gott nach einer Ewigkeit der Untätigkeit sich plötzlich entschlossen hätte, ein Universum zu schaffen, wenn ich also an einen lebendigen und aktiv handelnden Gott und somit an einen seit ewigen Zeiten mehr oder weniger gleichbleibenden Zyklus von Ereignissen denke, dann fallen mir nur wenige Möglichkeiten ein, wie ich mir dies erklären soll:

Erste denkbare Möglichkeit:
Jeder Mensch ist einmalig und besitzt eine unsterbliche Seele. Hieraus folgt, dass die Anzahl dieser Menschen tatsächlich im mathematischen Sinne unendlich ist. Natürlich gibt es innerhalb dieser unendlichen Anzahl zu jedem einzelnen Menschen auch eine unendliche Vielzahl anderer Menschen mit gleichen Eigenschaften und gleichem Lebenslauf. Der mathematische Begriff der Unendlichkeit erfordert dies nahezu zwangsläufig. Ich erspare es mir, die Folgerungen eines solchen Gedankenganges im einzelnen auszumalen.

Zweite denkbare Möglichkeit:
Ein ganz anderer Ansatz ergibt sich, wenn man auf die Idee der Wiedergeburt zurückgreift. Dies würde bedeuten, dass der Mensch zwar eine unsterbliche Seele besitzt, dass diese aber auch in der Vergangenheit bereits seit ewigen Zeiten existiert und in immer neuen Wiedergeburten bis in Ewigkeit weiterlebt. Anfreunden kann ich mich mit dieser Vorstellung nicht, das Problem wäre jedoch zum mindesten gedanklich gelöst.

Dritte denkbare Möglichkeit:
Die einfachste Lösung erhält man, wenn man die Vorstellung einer unsterblichen Seele aufgibt. Man mag durchaus konzedieren, dass die menschliche Seele mehrere Tausend, Millionen, Milliarden oder noch mehr Jahre lebt, ausreichend Zeit für eine Vergeltung in Himmel oder Hölle, für menschliche Vorstellungen wirklich wie eine Ewigkeit, nur eben nicht im mathematischen Sinne.

Natürlich kann ich den Gedanken von seit ewigen Zeiten gleichbleibenden Zyklen von Ereignissen nicht ausschließen. Die Vorstellung, dass Gott seit Ewigkeit aktiv handelt und bis in Ewigkeit weiter aktiv handeln wird, eröffnet von der Logik her meines Erachtens sogar den einzigen Ansatz, der nicht in sich bereits zu Widersprüchen führt. Will man die gleichzeitige Existenz einer unendlichen Anzahl lebender Wesen wie des Menschen nicht akzeptieren, so bleiben, wie oben angedeutet, nur die zwei Möglichkeiten: Verzicht auf die Annahme einer unsterblichen Seele oder die Vorstellung von der Wiedergeburt. Vom Prinzip her ist sogar eine Kombination dieser beiden Annahmen vorstellbar.

Wenn ich diese Alternativen nicht akzeptieren und die entsprechenden Folgerungen nicht ziehen will, stehe ich vor dem Dilemma, dass ich meine ganzen Gedanken mit einem Widerspruch abschließen muss. Wenn aber ein Widerspruch unvermeidlich erscheint, dann lässt sich nicht mehr festlegen, wo dieser Widerspruch überhaupt anzusiedeln ist. Dann aber kann ich auch nicht mehr mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Schlussfolgerungen aus früheren Kapiteln, bei denen ich wesentliche Glaubensaussagen widerlegt zu haben glaubte, wirklich schlüssig sind. Vielmehr wird mir das eine mehr und mehr klar, dass nämlich wir Menschen vermutlich überhaupt nicht in der Lage sind, uns diese Existenz Gottes auch nur ansatzweise vorstellen zu können.

Die Überlegungen zu den Themen Offenbarung und Lehre sind hier weniger betroffen, gehen aber auch nicht derart an die Substanz. Diese Überlegungen berühren weniger einzelne Glaubensaussagen als vielmehr geschichtliche Aspekte. Meine weiteren Überlegungen, insbesondere die zum Problem Theodizee kann ich da jedoch nicht mehr unbesehen unterschreiben. Vielmehr erscheint mir nunmehr nahezu alles wieder möglich und ich stehe erneut ganz am Anfang. Wenn also in unserer Gedankenkette ein Widerspruch unvermeidlich erscheint, dann lässt sich nicht mehr festlegen, wo dieser Widerspruch anzusiedeln ist. Dann stehen alle Argumente, die gegen den Glauben zusammengetragen werden, auf tönernen Füßen.

Was soll ich nunmehr denken? Wie soll ich meine bisherigen Schlussfolgerungen einordnen? Kann ich ihnen überhaupt weiterhin trauen? Diese Gedanken jagen mir einen Schwindel ein, ich weiß nicht mehr, wo ich stehe. Schaudernd muss ich bekennen, dass Du, Gott, meinem Verstand, meiner Logik, meiner Erkenntnis so unsagbar fern bist. Was bleibt, mag allenfalls gläubiges Vertrauen sein, vielleicht sogar vertrauensvolles Glauben ohne Wenn und Aber, so wie es im bekannten Glaubensbekenntnis formuliert ist. Aber eines bleibt. Jegliches Sprechen von Dir, o Gott, kann nur ein Gestammel sein, alles, was Dich betrifft, kann ich nur als tiefes Geheimnis ansehen, dem mein Denken und Grübeln auch nicht einen Schritt näher kommt. Jetzt habe ich über Jahre hinweg darüber gegrübelt, das Ergebnis jedoch lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Gott ist und bleibt für uns Menschen das große Geheimnis, das wir nicht ergründen können.