Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

9.      Rückblick und Ausblick
9.4    Erweitertes Weltbild: Gott als Schöpfer

Sobald die Überlegungen die Grenzen des rein Materiellen überschreiten und das Handeln Gottes mit einbeziehen, sieht die Sache etwas anders aus. Rein theoretisch kann dieses Handeln Gottes an jeder Stelle der Entwicklung angenommen werden. Dennoch bieten sich für meine Vorstellung besonders folgende zwei Annahmen an. Gottes Handeln könnte zum Zeitpunkt des Urknalls unser Universum erschaffen haben. Der Urknall kann jedoch auch als physikalische Ursache aus einer vierten Raumdimension verstanden werden, wobei Gott eben einen noch wesentlich größeren Kosmos geschaffen hätte. Für die weitere Überlegung ist es jedoch vollkommen gleichgültig, an welcher Stelle dieses Handeln Gottes angenommen wird.

Wenn ich davon ausgehe, dass Gott das Universum geschaffen hat, so sind damit die Probleme, die sich aus dem Begriff der Ewigkeit ergeben, dennoch nicht vollkommen ausgeräumt. Nicht umsonst haben Theologen aus dem Gedanken heraus, dass das Sein Gottes seit Ewigkeit besteht, geschlossen, dass Gott nicht nur ewig, sondern auch unveränderlich ist. Diese Unveränderlichkeit folgt unmittelbar aus der ewigen Existenz, denn jede denkbare Veränderung der Person Gottes, seines Handelns und seiner Werke hätte in dem endlosen Zeitstrom der ewigen Vergangenheit längst abgeschlossen sein müssen. Aber wieso hat dieser in sich unveränderliche Gott nach einer endlosen Wartezeit von Ewigkeiten sich vor einigen Milliarden Jahren, ein Nichts im Vergleich mit der Ewigkeit, plötzlich entschlossen, ein Universum zu schaffen? Meine gedanklichen Schwierigkeiten, die ich ohne die Annahme eines Schöpfers Gott nicht lösen zu können glaubte, bleiben auch nach einer solchen Annahme der Existenz Gottes ungelöst. ja, sie scheinen unter dieser Annahme sogar noch größer zu werden. So ergibt sich auch hier ein ähnliches Problem wie bei der vorigen Betrachtung.

Wenn ich also die allererste Ursache allen Seins und Geschehens nicht als rein materiell ansehe, was ich nach dem zuvor Gesagten ohnehin nicht kann, wenn ich Gott also als diese allererste Ursache ansehe, dann ist damit das oben skizzierte Problem dennoch nicht gelöst. Denn auch in diesem Fall gilt, dass im Verlaufe dieser Ewigkeiten auch bei Gott jegliche Entwicklung längst zum Abschluss gekommen sein müsste, dass also Gott, wie auch die Theologen behaupten, unveränderlich sei. Dies aber führt zu dem Schluss, dass es schlichtweg undenkbar sei, dass Gott nach Ewigkeiten, in denen er gleichsam untätig war, plötzlich ein Universum erschafft.

Diese Überlegung mag man übrigens auch als Argument gegen den Kontingenzbeweis betrachten (vgl. 4.3 Der kosmologische Gottesbeweis). Denn demnach hätte Gott zu einem konkreten Zeitpunkt die Welt geschaffen und zu einem anderen Zeitpunkt eben nicht, er hätte also zu diesem Zeitpunkt einen bestimmten Willen und eine Aktivität geäußert, zu einer anderen Zeit aber nicht. Also wäre auch Gott kontingent. Ob dieses Argument allerdings ausreicht, den Kontingenzbeweis zu erschüttern, kann und will ich nicht entscheiden.

Als einzige Alternative erscheint mir ein seit ewigen Zeiten mehr oder weniger gleichbleibender Zyklus von Ereignissen, bei der Gott seit Ewigkeit ein Universum nach dem anderen und folglich auch ein Menschengeschlecht nach dem anderen erschaffen hätte und in Ewigkeit weiter erschaffen würde. Hiermit ist natürlich nicht gemeint, dass die freie Entscheidung Gottes irgendwie eingeschränkt wäre, dass also das Handeln Gottes zu irgend einem Zeitpunkt bereits vorherbestimmt wäre, nur um einem Zyklus zu genügen. Vielmehr bedeutet es nicht mehr und nicht weniger, als dass angesichts der unendlich langen Vergangenheit nahezu jede heutige Situation bereits mehrfach, genau genommen unendlich oft vorhanden gewesen wäre.

Dies bedeutet natürlich, dass die Anzahl der Menschen wie auch der anderen Wesen nicht nur unvorstellbar groß, dass sie sogar im mathematischen Sinne unendlich wäre. Und nicht nur die Anzahl, sogar jedes einzelne Individuum wäre unendlich oft vorhanden oder zum mindesten vorhanden gewesen. Kann ich mit einer solchen Vorstellung leben? Welche Folgerungen müsste ich nunmehr ziehen?

Der entscheidende Punkt übrigens, warum ich mir bei einem Weltbild mit Gott als Schöpfer diesen Zyklus von Ereignissen als Möglichkeit vorstellen kann, bei dem zuvor genannten materialistischen Weltbild jedoch nicht, liegt in dem Begriff der Verlustfreiheit. Diese kann ich mir bei einer rein materiellen Welt nicht vorstellen, wohl aber, wenn ich an das Wirken Gottes denke.