Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

9.      Rückblick und Ausblick
9.1    Neue Gedanken

An dieser Stelle hatte ich das Konzept des Buches vor Jahren beendet. Das Thema, die Frage nach Gott war für mich jedoch keineswegs erledigt. Immer wieder habe ich darüber nachgedacht. Schließlich verfiel ich auf einen ganz anderen Ansatz, und die Schlussfolgerungen waren durchaus nicht mehr ganz so eindeutig, wie ich bisher geglaubt hatte.

So war ich jahrelang der Meinung gewesen, eine mehr oder weniger endgültige Sicht der Dinge zu besitzen. Zwar ließen mich die Probleme nicht los, doch waren die Änderungen meiner Einstellung nur geringfügig. Die wesentlichen Aspekte waren unverändert geblieben.

Eines Tages, als ich mich wieder in einen der mir schon seit langem bekannten Gottesbeweise vertiefte, kam mir etwas wie eine Erleuchtung. Es war aber nicht etwa der Gottesbeweis selber, der diese "Erleuchtung" bewirkte, vielmehr könnte man sagen, das Umfeld dieser Beweisführung, die Überlegungen rund um dieselbe. Um dies zu erläutern, muss ich nochmals auf den Gottesbeweis, es ist der kosmologische Gottesbeweis, etwas ausführlicher eingehen.

Der Grundgedanke des kosmologischen Gottesbeweises basiert in seiner einfachsten Form auf einer Betrachtung der Kausalitätskette. Geht man in Gedanken diese Kausalitätskette zurück, so gelangt man schließlich an eine allererste Ursache allen Seins und allen Geschehens. In dieser allerersten Ursache glaubt man Gott zu erkennen. Ich betrachtete diesmal jedoch nicht so sehr die Kausalitätskette, als vielmehr den Begriff der Zeit und der Ewigkeit. Viele Philosophen haben sich bereits mit diesem Thema beschäftigt und die damit verbundenen Probleme durchdacht. Physiker verweisen seit den Erkenntnissen von Einstein auf die Relativität der Zeit. Von Theologen habe ich gelegentlich Vorstellungen gehört, nach der die Zeit keine absolute Realität besäße, indem es für Gott die Zeit nicht gäbe, er vielmehr außerhalb der Zeit stünde.

Wenn Physiker die Zeit als relativ betrachten, kann ich mich dem nicht uneingeschränkt anschließen. Sie haben zwar festgestellt, dass in unterschiedlichen Systemen die physikalischen Vorgänge schneller beziehungsweise langsamer ablaufen. Dies ist ein physikalischer Effekt, den man messen kann, wenn auch mit erheblichem Aufwand. Für mich bedeutet dies jedoch lediglich, dass in diesen Systemen die Zeit unterschiedlich schnell zu vergehen scheint. Nicht die Zeit ist unterschiedlich, der Maßstab zur Messung der Zeit ist es. So wie ein Zentimetermaß sich bei steigender Temperatur ausdehnt und länger wird und somit nicht mehr die tatsächliche Länge korrekt misst, so ähnlich stelle ich mir dies auch mit der Zeitmessung vor.

Für mich stand und steht es zunächst einmal fest, dass es für jeden Zeitpunkt ein "vorher" und ein "nachher" gibt. Dem stehen auch die physikalischen Gesetze und Beobachtungen nicht entgegen. Bei aller Relativität, der die Zeit ausgesetzt sein mag, bedeutet diese eine Voraussetzung, dass es eine Ewigkeit gibt, die sich sowohl in die Vergangenheit wie auch in die Zukunft in eine Unendlichkeit erstreckt. Eine Begrenzung der Zeit ist für mich nicht vorstellbar, weder in der Vergangenheit ein Anfang noch in der Zukunft ein Ende der Zeit.

Wenn Theologen behaupten, für Gott gäbe es die Zeit nicht, Gott stünde außerhalb der Zeit, so mag dies eine interessante Deutung sein, ein Gleichnis, mit dem etwas über die Unbegreiflichkeit Gottes gesagt wird. Aber auch in diesem Punkt bin ich der Meinung, dass wir uns hüten sollten, Aussagen über das Wesen Gottes zu machen. Wer solche Aussagen macht, erweckt in meinen Augen fast den Eindruck, er wüsste genau, wie Gott aussieht oder wie er beschaffen ist.

Physiker mögen auf die Relativität der Zeit verweisen, Philosophen und Theologen mögen noch ganz andere Deutungen postulieren, ich kann mir beim besten Willen die Zeit nur so vorstellen, dass es eben für jeden Zeitpunkt ein "vorher" und ein "nachher" gibt, und dass sich die Zeit folglich sowohl in die Vergangenheit wie auch in die Zukunft in eine Unendlichkeit erstreckt. Ich muss dies derart betonen, denn dies ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Überlegungen. Ob und wieweit diese Grundvoraussetzung sowie die darauf aufbauenden Gedanken vor Experten bestehen könnten, und ob und wieweit sie vom Leser akzeptiert werden, mag dahin gestellt bleiben. Für mich war es ein neuer Weg, den ich gehen musste und den ich gegangen bin. Natürlich sind die Gedanken in ihren Grundzügen nicht neu, lediglich in den Konsequenzen und Schlussfolgerungen gibt es Unterschiede..