Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

8.      Konsequenzen
8.2    Persönliche Folgerungen
8.2.1 Einzelne Glaubensaussagen

Nachdem ich im einzelnen die intellektuellen Aspekte beschrieben habe, die mich bewegen, nun einige Worte zu den Folgerungen, die ich für meine Person gezogen habe. Zu den moralischen Forderungen, die das Christentum erhebt, habe ich nichts zu sagen, sie erscheinen mir derart selbstverständlich, wie könnte man an diesen etwas verbessern? Aber was den Glauben selbst betrifft, was glaube ich nunmehr, zu welchen Schlussfolgerungen bin ich gekommen?

Sicher, Glauben und Wahrheit sind die zwei Pole eines Spannungsfeldes. Glaube ist die Antwort des Menschen, der die Wahrheit Gottes niemals wirklich erfassen, sondern nur im Glauben bekennen kann. Ich hingegen hatte Gewissheit, Erkenntnis der absoluten Wahrheit angestrebt. Diese Sicherheit habe ich nicht finden können.

Meine Ansichten, meine Einschätzung, mein Glaube, wenn ich es so nennen darf, sind zwar alles andere als fest und unerschütterlich. Dennoch bin ich zu gewissen Ergebnissen gekommen, vorläufigen Ergebnissen, wie in dieser Frage alle Ergebnisse vorläufig bleiben müssen. Einige zentrale Aussagen will ich im folgenden nennen, zunächst einige positive Aussagen, sodann jedoch auch einige negative Formulierungen, weil gerade hierdurch die Grenzen meines Glaubensverständnisses deutlich werden. Natürlich sind es nur einige Schwerpunkte, die ich hier anführe. Das, was ich nicht konkret nenne, steht deswegen nicht etwa bereits außerhalb dieses Glaubensverständnisses, vielmehr versuche ich durchaus, jeden einzelnen Satz des christlichen Credos ernst zu nehmen. Nur gibt es eben einige Punkte, die mir besonders am Herzen liegen, die für mich irgendwie die Mitte meines Glaubensverständnisses bilden. Diese zentralen Aussagen will ich versuchen, ein wenig zu verdeutlichen.

Ich glaube daran, dass es einen persönlichen Gott gibt und dass dieser Gott alles geschaffen hat, was außer ihm existiert.

Diese Aussage stelle ich an den Anfang, sie folgt meines Erachtens nicht aus irgendwelchen logischen Erwägungen, sie lässt sich nicht anderweitig ableiten. Dennoch erscheint mir schon aus rationaler Erwägung heraus die Annahme eines persönlichen Gottes plausibler zu sein als jede andere Gegenannahme. Vor allem jedoch, obwohl ich keine Sicherheit über die Richtigkeit dieser Annahme besitze, bin ich bereit, das Wagnis einzugehen, mich auf diesen Gott einzulassen. Ich glaube an diesen einen Gott.

Ich glaube auch daran, dass dieser Gott ein Gott der Liebe ist.

Auch diese Aussage lässt sich meines Erachtens nicht zwingend irgendwo herleiten. Aber für diese Aussage spricht allein schon all das Gute, das Schöne, das Beglückende, das trotz allem auf der Welt immer noch überwiegt, wenn dies auch von vielen Menschen immer wieder lautstark bezweifelt wird. Denn, wäre es anders, würden wir dann so sehr an unserem Leben hängen? Daher kann Gott meines Erachtens keinesfalls ein böser Gott sein! Aber könnte es nicht immerhin sein, dass Gott uns gegenüber gleichgültig ist, dass er gleichsam indifferent wäre? Die Annahme klingt sogar recht vernünftig, wenn man sich allein die unvorstellbaren Größenordnungen vor Augen hält, die bereits unser Universum umfasst, und daneben unsere geringe Bedeutung innerhalb der Schöpfung Gottes betrachtet. Sicher, es wäre denkbar und ich finde kaum Argumente, die dagegen sprechen. Dennoch aber vermag ich diesen Gedanken nicht als Ausdruck der Realität ansehen. Ich glaube vielmehr, dass Gott ein Gott der Liebe ist.

Ich glaube auch daran, dass Gott ein Gott der Wahrheit ist.

Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass ein Gott, der so hoch über uns steht, der keinerlei Konkurrenz neben sich kennt, dass dieser Gott einen Anlass hätte, etwas anderes zu verwirklichen als die Wahrheit. Ich glaube daher daran, dass Gott ein Gott der Wahrheit ist.

Ich glaube auch daran, dass Gott ein mächtiger Gott ist. Dies muss keine absolute Allmacht im Sinne einer mathematischen Unendlichkeit sein.

An der Macht Gottes zu zweifeln, scheint mir alles andere als sinnvoll zu sein, sehe ich doch das unermessliche Universum, das ich als Schöpfung Gottes betrachten muss. Zwar will es mir nicht einleuchten, dass diese Macht Gottes wirklich in jeder Hinsicht absolut unbegrenzt ist, da mich diese Annahme zu Widersprüchen führen würde. Aber was bedeutet diese kleine Einschränkung schon bei derartigen Dimensionen!

Wenn ich an dieser Stelle einen gewissen Vorbehalt mache, dann liegt dieser keinesfalls darin, dass ich etwa Gott diese Allmacht oder die Allwissenheit nicht zutrauen mag. Im Gegenteil, warum sollte ich nicht! Was ich Gottes Liebe nicht zutraue, das ist, dass er die Macht besäße, alles Leid aus unserer Welt zu verbannen, dass er aber dennoch das Leid zulässt. Seiner Wahrheit traue ich nicht zu, dass er uns unsere Freiheit vorgaukelt, während bereits vorher feststeht, wie wir uns entscheiden. Das allein ist es, was ich mir bei Gott nicht vorstellen kann. Daher und nur daher zögere ich, Gott als den Allmächtigen und Allwissenden anzusehen. Natürlich jedoch glaube ich fest daran, dass Gott ein mächtiger Gott ist.

Ich glaube daher ganz konkret, dass gewisse, menschlich interpretierte Eigenschaften Gottes nicht bis ins Unendliche reichen. Ich glaube, dass seine sogenannte Allmacht nicht unbegrenzt ist, und dass auch seine sogenannte Allwissenheit an gewisse Grenzen stößt, zum mindesten, soweit es die Zukunft betrifft. Ich habe natürlich keine Bedenken, diese Eigenschaften Gottes beliebig groß anzunehmen, auch weit über meine Vorstellungskraft hinaus. Die Aussage allerdings, sie seien unbegrenzt etwa im Sinne einer mathematischen Unendlichkeit, halte ich für falsch. Als symbolische Aussage, die mir die Unvorstellbarkeit Gottes vor Augen führen soll, halte ich eine solche Aussage sicher für sinnvoll und richtig, nicht aber als konkrete Beschreibung des Wesens Gottes, das für uns Menschen immer unbeschreiblich bleiben wird.
Ich zweifle daran, dass die Menschheit durch Jesus Christus erlöst wurde.

Meines Erachtens hat für diese Erlösung gar kein Anlass bestanden. Ich glaube, dass Gott ein Gott der Liebe ist, für den es keine strafende Gerechtigkeit gibt. Die Vorstellung einer strafenden Gerechtigkeit Gottes sehe ich als menschliche Projektion an, so dass für eine Erlösung jegliche theologische Grundlage entfallen müsste. Erst recht natürlich sehe ich keinerlei Notwendigkeit, die Beleidigung Gottes durch das Opfer des Sohnes zu sühnen. Auch diese Aussagen sehe ich als symbolisch an, um uns die grenzenlose Liebe Gottes zu verdeutlichen. Aus meiner Sicht gibt es letztlich keinen Grund, hier konkrete und präzise Aussagen präsentieren zu wollen, die der wirklichen Größe Gottes nicht angemessen sind.

Die Verbindlichkeit der Offenbarung sowie die Unfehlbarkeit von Papst und Konzilien akzeptiere ich voll im moralischen, aber nur teilweise im dogmatischen Sinne.
Die Heilige Schrift sehe ich als eine aus Menschenhand stammende, mit menschlichen Intentionen versehene und teilweise sogar nachträglich veränderte Wiedergabe eines Geschehens, aus dem wir lediglich noch die große Linie erkennen, die allerdings auch ausreichen sollte. Auch die Kirche hat durchaus ihre Funktion, jedoch nicht als herrschende, sondern als dienende Instanz, wie auch Jesus nicht als Herrscher, sondern als Diener der Menschen auftrat. Wir Menschen aber stehen meiner Ansicht nach Gott jeweils als einzelne gegenüber. Wir müssen Gott gegenüber jeweils unseren eigenen Weg, unsere eigene Sprache und unseren eigenen Glauben finden. Wenn einer sich hierbei von der Kirche leiten oder gar gängeln lässt, so halte ich dies zwar auch für eine Möglichkeit, zu Gott zu finden, keinesfalls aber für die einzige und möglicherweise auch nicht die primär von Gott gewollte.

Bezüglich der Glaubenslehre von der Dreifaltigkeit bin ich äußerst zurückhaltend.

In der Heiligen Schrift habe ich nichts in dieser Richtung gefunden, was mich hätte überzeugen können. Jesus nennt sich zwar Sohn Gottes, aber auch Abraham und andere werden Sohn Gottes genannt. Ich sehe in der Person Jesu zwar eine kaum zu überbietende Nähe zu Gott. Was jedoch darüber hinausgeht, das lasse ich offen. Soweit ich es beurteilen kann, wurde die Lehre von der Dreifaltigkeit später von der Kirche aufgestellt. Ich will diese Lehre zwar nicht ablehnen, doch bin ich in dieser Hinsicht etwas skeptisch.

Wenn ich einzelnen Aussagen der christlichen Lehre Skepsis entgegenbringe, kann dies nicht bedeuten, dass ich sie ablehne. Ich kann nämlich nicht ausschließen, dass ich bei meinen Überlegungen einem Irrtum erlegen bin. Es kann also niemals Ablehnung sein, vielmehr lediglich eine vorsichtige Skepsis.