Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

8.      Konsequenzen
8.1    Mögliche Reaktionen
8.1.3 Glauben

Von der Anzahl her gehören in unserem Lande die meisten Menschen zu einer christlichen Konfession. Betrachtet man dagegen die Zahl der Kirchenbesucher, dann erhält man geradezu den entgegengesetzten Eindruck, zumal dann, wenn man die katholische Kirche betrachtet, in der auch heute noch die sogenannte Sonntagspflicht besteht. Wie bewusst also glauben die Menschen bei uns? Für manche Christen wird der Glaube sicher nur auf dem Papier stehen. Sie wurden als Kinder getauft, ohne dass sie heute noch wirklich glauben. Dennoch ist auch bei ihnen der Glaube zumeist nicht vollkommen tot. In Krankheit und Not, aber auch im Alter besinnen sich viele Menschen wieder auf Gott.

Andere Menschen jedoch stehen fest im Glauben. Vielen ist der Glaube ein tiefes inneres Anliegen. Sie leben aus dem Glauben, und Gott hat einen Platz im Zentrum ihres Lebens. Dies gilt übrigens nicht nur für Christen, auf Menschen anderer Religionen mag dies ebenso zutreffen.

Zu einer derart absoluten Gewissheit kann ich mich nicht durchringen, denn ich sehe ja die Schwierigkeiten, die ich in den früheren Kapiteln aufgezeigt habe. Dennoch aber glaube ich an Gott, ich muss dies aber als einen schwachen Glauben bezeichnen, denn es bleiben immer noch gewisse Zweifel. Bezüglich einiger Glaubensaussagen sind es sogar erhebliche Zweifel. Trotz dieser Zweifel bejahe ich Gott, ich danke ihm für das herrliche Geschenk meines Lebens und versuche, mein Tun und Lassen weitgehend auf ihn einzurichten. Meinem Verstand, meiner Logik, meiner Erkenntnis ist er unsagbar fern. Jegliches Sprechen von ihm kann nur ein Gestammel sein, alles, was ihn betrifft, kann ich nur als tiefes Geheimnis ansehen, dem mein Denken und Grübeln auch nicht einen Schritt näher kommt. Aber mit dem Herzen versuche ich ihm nahe zu sein.

Kritiker verwiesen oft darauf, dass der Glaube die Menschen auf ein besseres Jenseits vertröstet und stellen in Frage, ob diese Hoffnung überhaupt in Erfüllung geht. Doch selbst, wenn aller Glaube und alle Hoffnung nur auf einer Illusion beruhen sollten, die tröstenden Wirkungen dieses Glaubens und dieser Hoffnung sind real, für den jeweils Betroffenen sogar höchst real. Der Außenstehende mag in der Regel mit diesem Phänomen wenig anzufangen wissen, von Ärzten und Psychologen vielleicht abgesehen. Dies erinnert an ein schönes Wort, das Maria von Ebner-Eschenbach in einem anderen Zusammenhang über die Vorfreude gesagt hat:

. . . und ich habe mich sooo gefreut", sagst du vorwurfsvoll,
wenn dir eine Hoffnung zerstört wurde. Du hast dich gefreut - ist das nichts?

Sicher soll niemand auf ein besseres Jenseits vertröstet werden. Der ewige Skeptiker ist jedoch darauf hinzuweisen, dass der Glaube seinen Lohn keinesfalls ausschließlich im Jenseits finden wird, sondern weitgehend bereits hier auf Erden.

Einen weiteren Gedanken will ich aufgreifen, obwohl er nicht unmittelbar zum Thema gehört. Wenn einige der Glaubensaussagen, die alle christlichen Konfessionen für derart wesentlich halten, als fragwürdig angesehen werden können und dürfen, wo bleiben dann überhaupt noch die vielfach so sehr kultivierten Unterschiede zwischen den einzelnen Konfessionen des christlichen Glaubens. Ist nicht der wesentliche Kern des Glaubens bei allen der gleiche? Sind es nicht lediglich Nuancierungen, unterschiedliche Schwerpunkte, abweichende Gewichtungen, worin die einzelnen Konfessionen sich unterscheiden? Wo sie aber nunmehr ein Schwanken der gemeinsamen Basis befürchten müssen, sollten sich da nicht alle, die auf dieser gleichen Basis gebaut haben, noch wesentlich enger zusammenschließen? Nicht, indem der einzelne etwas von seinem Glaubensgut aufgeben sollte, nicht, indem sie sich irgendwie auf einen gemeinsamen kleinsten Nenner einigen, sondern vielmehr als Brüder und Schwestern in dem einen Herrn, die sich bei allen trennenden Unterschieden immer als Kinder des einen Vaters fühlen dürfen. Ich will die vorhandenen Schwierigkeiten und Probleme in der Ökumene nicht wegdiskutieren, aber vielleicht mag man in den von mir geäußerten Gedanken einen kleinen zusätzlichen Anstoß sehen in der ohnehin anvisierten Richtung.