Dr. Gerhard Schuchhardt

Home

Privat

Buch Glaube

Buch Spiele

Weltall

Beruf

Links

Kontakt

Sitemap

Impressum



Besucher:

Heute: 94
Gesamt: 1059
(seit dem 17.07.2005)

Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

8.      Konsequenzen
8.1    Mögliche Reaktionen
8.1.1 Zweifel

Angesichts der vielen Unklarheiten, über die ich bei der Suche nach der Wahrheit über Gott gestolpert bin, wäre nunmehr der Zweifel die naheliegendste Reaktion. Aber was ist letztlich damit ausgesagt, dass ein Mensch in dieser Frage zweifelt.

Als erstes Kriterium mag man den Grad des Zweifel verstehen. Zweifel deckt die ganze Skala unterhalb des absolut festen Glaubens und oberhalb des ebenso absoluten Unglaubens ab. Man könnte diese Skala numerisch von Null bis hundert Prozent beziffern. Man kann auch verbal über Unsicherheit, schwachen Glauben, leichten Zweifel oder große Skepsis reden. Hier sind alle Ausprägungen möglich. Da ich vermute, dass kaum ein Mensch über einen absolut festen Glauben oder umgekehrt über einen absolut festen Unglauben verfügt, mag man davon ausgehen, dass nahezu jeder Mensch irgendeinen Grad des Zweifels hegt.

Als zweites Kriterium mag man das Objekt des Zweifels nennen. Die einzelnen Objekte kann man übrigens in eine gewisse Hierarchie einordnen. Ein Zweifel an der Existenz Gottes ist als ein umfassender und fundamentaler Zweifel anzusehen. Setzt man die Existenz Gottes bereits voraus, folgt als nächstes ein Zweifel an der Bedeutung Gottes für uns Menschen. Auch dieser Zweifel ist ebenfalls noch als fundamental anzusehen. Setzt man auch diese Bedeutung Gottes für uns voraus, mag bezweifelt werden, dass sich Gott überhaupt geoffenbart hat. Auf weiteren Stufen kommen dann der Zweifel daran, dass diese Offenbarung in der Heiligen Schrift zu finden ist, sodann der Zweifel an einzelnen Aussagen der Heiligen Schrift und schließlich der Zweifel an einzelnen Aussagen der Kirche. Wegen der von oben nach unten durchschlagenden Abhängigkeit mag die Skepsis von oben nach unten mit jeder Stufe wachsen.

Wenn ich ernsthaft nach der Wahrheit frage, und genau das war ja von Anfang an mein Anliegen, dann bleibt mir genau genommen nichts anderes übrig als zu zweifeln. Auf keine der Fragen habe ich eine Antwort gefunden, die jeden Zweifel ausschließen würde. Keine der Fragen konnte ich für mich zu hundert Prozent positiv, keine zu hundert Prozent negativ beantworten. Offen bleibt jedoch der Grad dieses Zweifels.

Andererseits ist die abstrakte Wahrheit nur die eine Seite der Medaille. Ich kann nämlich nicht einfach eine objektive Entscheidung für mein Leben treffen, so als stünde ich selber vollkommen außerhalb. Ich bin vielmehr selbst nur allzu betroffen, ja, geradezu radikal betroffen. Ich muss daher, soweit mir das überhaupt möglich ist, meine Entscheidung unter zusätzlichen Erwägungen treffen, wie bereits Blaise Pascal (1623-1662) so treffend bei seiner "Wette um die ewige Seligkeit" ausgeführt hat. Denn die Höhe des Einsatzes, nämlich der persönlichen ewigen Seligkeit beziehungsweise der ewigen Verdammnis kann nach den Überlegungen von Pascal jede noch so geringe Wahrscheinlichkeit bei weitem überkompensieren.

In der Theorie ist das ganz einfach, nur funktioniert es nicht. Denn wenn es sich lediglich darum handeln würde, das christliche Sittengesetz als verbindlich zu betrachten und nach ihm zu leben, wäre das kein Problem. Eine derartige Entscheidung kann der Wille mit Leichtigkeit treffen, wenn auch das spätere Durchhalten eine andere Sache ist. Aber von mir ist ja auch Glauben gefordert, und Glauben ist, wie ich bereits ausgeführt habe, letztlich auch eine Angelegenheit des Verstandes, und dieser lässt sich nicht vergewaltigen. Da ist selbst der Wille machtlos. Schließlich könnten die Kriterien, nach denen Gott urteilt, sogar ganz andere sein, als wir annehmen.

Meine Situation vergleiche ich mit einem Fall, den ich mir auch im normalen Leben vorstellen kann. Ein Mensch befindet sich zur Zeit weit außerhalb der Zivilisation. Er besitzt ein technisches Gerät mit einen Sender, jedoch ohne Empfänger. Irgendwo weit weg vermutet er die Gegenstelle mit seinen Partner. Ob sie besetzt ist, ob sie überhaupt funktioniert, er weiß es nicht. Dennoch ruft er an, redet zu seinem Partner, spricht über seine Situation, immer in der Voraussetzung, dass sein Partner ihn vielleicht hört, dass sein Anruf aber möglicherweise auch ins Leere gehen mag. Ähnlich spreche ich zu Gott. Ich spreche es genau so aus, wie ich es empfinde. So sage ich beispielsweise: "Herr, ich weiß nicht, ob Du mich überhaupt hörst."