Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

7.      Gott, das große Geheimnis
7.2    Eine kleine Nachlese
7.2.4 Liebe Gottes

Es käme einem Sakrilege gleich, wollte ich versuchen, das Geheimnis der Liebe Gottes zu seiner Schöpfung, speziell zu uns Menschen irgendwie zu zergliedern. Vielmehr verweise ich auf ein Wort aus dem Alten Testament:

Du aber erbarmst dich aller,
weil du alles vermagst,
und siehst über die Sünden der Menschen hinweg,
damit sie Buße tun.

Du liebst alles, was ist,
und verabscheust nichts von dem, was du geschaffen;
denn hättest du etwas gehasst,
dann hättest du es nicht geschaffen.

Wie könnte etwas bestehen,
wenn du es nicht wolltest,
oder wie könnte etwas erhalten bleiben,
das du nicht ins Dasein gerufen hast?

Ja, alles schonst du,
weil es dein eigen ist,
du Herrscher, der du das Leben liebst.
Weish 11, 23-26
Ja, Gott liebt seine Schöpfung, denn wäre es anders, er hätte sie nicht erschaffen. Wir sprechen daher von Gott als dem Prinzip der Liebe. Hier stoßen wir auf eine weitere Frage. Wie steht es konkret mit uns Menschen? Sind wir lediglich global in diese allumspannende Liebe Gottes eingebunden, oder hat uns Gottes Liebe einen auserwählten Platz innerhalb seiner Schöpfung zugedacht, und zwar nicht nur der Menschheit als Ganzer, sondern jedem einzelnen Menschen, dir und auch mir? Hierzu wäre folgendes zu bedenken:

Bevor Gott seine Liebe bewusst und gezielt auf den einzelnen Menschen richtet, muss er sich zunächst einmal für diesen einzelnen Menschen interessieren. Wie ich schon früher erwähnt habe, kann der einzelne Mensch jedoch, und sei er der bedeutendste Mensch aller Zeiten, vor Gottes Augen doch nur einen äußerst winzigen, vollkommen unbedeutenden Punkt in seinem gewaltigen Schöpfungswerk darstellen, viel, viel kleiner, als es für uns etwa ein einzelnes Atom wäre, das wir ja nicht einmal mit dem stärksten Elektronenmikroskop zu erkennen vermögen. Warum also sollte Gott, der doch ohne Mühe jederzeit unzählige Universen neu erschaffen könnte und dies vielleicht auch tut, ohne dass wir etwas hiervon bemerken können, warum sollte er sich ausgerechnet für diesen ihm gegenüber derart unbedeutenden Menschen interessieren? Auch auf diese, etwas nachdenklich stimmende Frage fand ich im Alten Testament eine Antwort, genau genommen sogar zwei, die einander anscheinend entgegengesetzt sind:

Herr, was ist der Mensch, dass du um ihn dich kümmerst,
der Menschensohn, dass du ihn beachtest?

Der Mensch ist einem Hauche gleich,
seine Tage sind wie flüchtiger Schatten.
Ps 144, 3-4

Was ist denn der Mensch, dass du seiner gedenkst,
das Menschenkind, dass du seiner dich annimmst?

Nur wenig geringer als einen Gott hast du ihn gemacht,
mit Glanz und Herrlichkeit ihn gekrönt.

Du gabst ihm Herrschaft über die Werke deiner Hände,
alles legtest du ihm zu Füßen.
Ps 8, 5-8

Eine gelungene Synthese dieser beiden entgegengesetzten biblischen Aussagen findet man in dem folgenden bemerkenswerten Zitat:

Gefährlich ist es,
wenn man den Menschen zu sehr darauf hinweist,
dass er den Tieren gleicht,
ohne ihm gleichzeitig seine Größe vor Augen zu halten.

Noch gefährlicher ist es,
wenn man ihn zu sehr seine Größe fühlen lässt,
ohne ihm seine Niedrigkeit zu zeigen.

Am allergefährlichsten aber ist es,
ihn in Unkenntnis über beides zu lassen.
Blaise Pascal, Fragment 418

Ich habe daher den Eindruck, ich müsste beides sehen: einmal die unvorstellbare Winzigkeit, die wir Menschen innerhalb der gewaltigen Schöpfung Gottes ausmachen, und die meines Erachtens jegliches Reden vom Menschen als der Krone der Schöpfung als Hohn erscheinen lässt, andererseits aber auch die herausragenden Möglichkeiten, die dem Menschen gegeben sind in einer Welt, die von ihrer Grundkonzeption für den Menschen nahezu ein Paradies sein könnte. Wenn dies von Gott so konzipiert wurde, weist dies eindeutig auf seine Liebe hin.

Zu dem gleichen Schluss komme ich, wenn ich über die Beziehung Gottes zu uns nachdenke. Wir Menschen empfinden gegenüber anderen Menschen oder überhaupt anderen Wesen gegenüber Zu- und Abneigung, Liebe und Hass. In diesen unterschiedlichen Empfindungen spiegelt sich unsere Abhängigkeit von anderen wieder. Wir empfinden Abneigung oder gar Hass gegenüber solchen Wesen, die uns bedrohen, schaden oder auch nur belästigen. Diese Abhängigkeit kann ich mir bei Gott nicht vorstellen. Wer sollte ihn bedrohen können, ihm schaden oder ihn auch nur belästigen, wo doch nichts und niemand an ihn heranreicht. Umgekehrt können wir für solche Menschen oder solche Wesen, die von uns abhängen oder denen wir eindeutig überlegen sind, Zuneigung oder gar Liebe empfinden, sie mögen uns aber auch gleichgültig sein. Man mag natürlich durchaus fragen, ob Gott den Menschen überhaupt wahrnimmt, ob der Mensch ihm vielleicht gleichgültig ist. Dies entspricht dem Standpunkt des Deismus. Wenn Gott jedoch zu dem Menschen überhaupt eine Beziehung pflegt, kann dies nur Liebe sein. Wenn aber Gott uns liebt, so kann uns dies nicht gleichgültig lassen. Sicher, wir sind nicht in der Lage, Gott diese Liebe zu vergelten, wir können ihm nichts geben, er ist und er besitzt bereits alles. Aber eines gibt es, wir sollten versuchen, uns dieser Liebe würdig zu erweisen.