Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

7.      Gott, das große Geheimnis
7.2    Eine kleine Nachlese
7.2.2 Zu den Begriffen Allmacht und Allwissenheit

Wir Menschen denken gewöhnlich in Kategorien des Habens, des Könnens, des Beherrschens. Daher schätzen wir natürlich als höchste aller denkbaren Eigenschaften diese Allmacht und Allwissenheit ein. Sie zu besitzen, wäre die Erfüllung unserer heimlichen Träume. Da wir dies aber nicht können, soll wenigstens unser Gott diese in unseren Augen unvergleichlichen Eigenschaften besitzen, mit der seine Größe und Macht charakterisiert wird. Es sind diese Machtattribute Gottes, die uns Menschen derart faszinieren. Im Gegensatz hierzu könnte es jedoch durchaus angebracht sein, Gott eher in den Kategorien des Seins, des Gebens, der Liebe zu verstehen. Diese Eigenschaften aufzuweisen fällt uns Menschen schon wesentlich schwerer.

Aber bereits das Problem der Theodizee legt den Gedanken nahe, eventuell gewisse Abstriche an unserem bisherigen Gottesbild zu machen. Da es mir in keiner Weise einleuchten will, hierzu die Wahrheit oder gar die Liebe Gottes heranzuziehen, bleibt nur die Aussage von diesen Machtattributen Gottes. Hierzu einige Überlegungen:

Unser Weltall wird, soweit mir bekannt ist, von Wissenschaftlern auf zehn bis zwanzig Milliarden Lichtjahre bestimmt wurde. Das Licht, das pro Sekunde 300.000 Kilometer zurücklegt, würde also zehn bis zwanzig Milliarden Jahre benötigen, unser Weltall zu durchqueren. Für uns Menschen sind bereits dies unvorstellbare Größenordnungen. Aber selbst, wenn es das Tausend- oder Millionenfache oder noch mehr wäre, es bliebe immer noch endlich. Wenn wir jedoch den Begriff Allmacht verwenden, dann sprechen wir von unendlicher Größe.

Mit den Ausführungen über unser Weltall wird für die Macht Gottes bereits eine untere Grenze angegeben. Da Gott dieses Weltall geschaffen hat, gibt bereits die Größe dieses Weltalls ein Mindestmaß an, wie die Macht Gottes einzuschätzen ist. Und dies ist für uns Menschen doch geradezu unvorstellbar groß! Was soll da die Frage nach einer oberen Grenze?

Ein anderer Aspekt ergibt sich, wenn man bedenkt, dass Gott bei seiner Schöpfung anscheinend gewisse Hilfsmittel, Zwischenstufen, sozusagen "Instrumente" benutzt hat. So mag man etwa in der Astrophysik den Urknall, der nach Ansicht maßgebender Wissenschaftler die Entwicklung unseres Universums einleitete, als ein solches Instrument betrachten. Auch in der Biologie mag man das Element der Evolution, durch die die einzelnen Lebensformen aus einfachsten Lebewesen heraus sich über diverse Zwischenstufen entwickelt haben, als ein derartiges Instrument ansehen. Auch über die Größe und das Alter dieser Welt mag man spekulieren, dass vielleicht diese Anzahl von vielen Trillionen Sternen benötigt wurde, damit sich irgendwann und irgendwo einmal die günstigen Bedingungen ergäben, die die Entwicklung des Lebens sowie schließlich auch des Menschen ermöglichte, vielleicht sogar noch die von weiteren Lebewesen, die in der Hierarchie oberhalb des Menschen anzusiedeln wären.

Sicher, die Feststellung, dass Gott bei seiner Schöpfung derartige "Instrumente" benutzt hat, dürfte noch unbestritten sein. Natürlich könnte man die Tatsache, dass Gott diese "Instrumente" benutzt hat, als Indiz dafür ansehen, dass er sie auch benötigt hätte. Sicher, eine solche Betrachtung ist denkbar, mehr als Spekulation kann sie jedoch nicht sein. Es lässt sich nicht ausschließen, dass Gott diese Welt in seiner jetzigen Ausprägung auch unmittelbar direkt aus dem Nichts hätte erschaffen können und dass er sie ebenso unmittelbar als Ganzes plötzlich wieder ins Nichts versinken lassen könnte, ohne hierzu irgendwelche Vorbereitungen und Zwischenstufen zu benötigen.

Eine ganz andere Frage ist es, ob Gott neben dieser Allmacht im Großen auch die Allmacht im Kleinen besitzt. Kann er im gesamten Universum das Geschehen für alle einzelnen Bausteine des Mikrokosmos gleichzeitig willkürlich beeinflussen? Nicht etwa generell durch Vorgabe übergeordneter Gesetze, sondern in Form von getrennten Einzelentscheidungen? Auch diese Fähigkeit gehört dazu, wenn wir sagen, Gott sei allmächtig. Ich kann und will keinerlei Aussage über die Fähigkeiten Gottes machen. Ich will nur verdeutlichen, was alles damit gesagt ist, wenn wir von Allmacht sprechen. Aber ist es etwa wichtig, ob Gott derartige Eigenschaften besitzt?

Der Begriff der Allwissenheit Gottes hat drei unterschiedliche Aspekte, er bezieht er sich nämlich auf Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Allwissenheit in Hinblick auf die Gegenwart ist im Zusammenhang mit der Allmacht Gottes zu sehen. Denn wenn Gott die besagte Allmacht im Kleinen besitzt, so setzt diese Fähigkeit doch voraus, dass er Ort und Verhalten dieser Elementarteilchen kennt. Natürlich kennt er dann auch die geheimsten Gedanken eines jeden Individuums, die ja in den Strömen und Vorgängen des Gehirns ein getreues Abbild finden.

Der zweite Aspekt, die Allwissenheit in Hinblick auf die Vergangenheit, stellt bereits ein kleines Problem dar. Die Kenntnis über jedes Elementarteilchen des gesamten Universums stellt zwar bereits eine absolut unvorstellbare Wissensmenge dar, ist aber trotzdem immer noch endlich. Der Begriff Ewigkeit beinhaltet jedoch sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft jeweils eine unendlich große Zeitspanne. Eine Allwissenheit in Hinblick auf die Vergangenheit müsste also eine auch im mathematischen Sinn unendliche Informationsmenge beinhalten.

Interessant und wichtig erscheint mir aber vor allem die Frage, ob Gottes Allwissenheit wirklich Herr aller Zukunft ist, wie etwa Jesus Sirach schreibt:

Bekannt ist alles ihm, schon ehe es geschieht, und ebenso, wenn es vollendet ist.
Sir 23, 20


Denn alles, was Gott heute weiß, will oder tut, hätte er dann schon vor Ewigkeiten gewusst, gewollt und getan. Er wäre heute nichts weiter als ein riesiger, mächtiger, vorprogrammierter und damit lebloser Automat. Er könnte trotz seiner Allmacht nur wie eine Marionette handeln, nämlich so, wie er es schon vor Ewigkeiten gewusst hat, womit es heute festgeschrieben ist, er besäße keinerlei Freiheit. Und das über Ewigkeiten! Das kann doch wohl nicht sein! Also mag es durchaus angebracht sein, unsere traditionellen Vorstellungen von den Eigenschaften Gottes ein wenig zu korrigieren. Nicht, als wollten wir Gott etwa kleiner darstellen als heute allgemein üblich, sondern im Gegenteil, wirklicher, lebendiger, würdiger, göttlicher!

Noch vieles ließe sich sagen, um diese Machtattribute Gottes genauer zu betrachten. Ich bin mir jedoch dessen bewusst, dass die Gedanken, die hinter diesen Fragen stehen, der Wirklichkeit Gottes in keiner Weise nahe kommen. Natürlich will ich die überragenden "Eigenschaften" Gottes nicht bezweifeln oder klein reden. Ich will im Grunde nur auf eines hinweisen: Es ist offensichtlich problematisch, Aussagen über das Wesen Gottes zu treffen und hierbei konkrete Eigenschaften Gottes wie etwa seine Allmacht und Allwissenheit zu postulieren, Probleme, die auch den Theologen nicht unbekannt sind. Will man diese Aussagen wortwörtlich nehmen, stößt man auf Widersprüche, die nicht leicht aufzulösen sind. Diesen einzigartigen Sachverhalt formuliert Hans Küng in seiner brillanten Ausdruckskraft mit folgenden Worten:

Hans Küng, aus Walter Jens, Warum ich Christ bin