Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

7.      Gott, das große Geheimnis
7.1    Das Gottesbild im Christentum
7.1.4 Eine aus meiner Sicht mögliche Folgerung

Nach meiner persönlichen Einschätzung gibt es nur den einen befriedigenden Lösungsansatz. Ich muss Abstriche an der Vorstellung von der Allmacht Gottes machen. Natürlich kann ich nicht von mir behaupten, dass ich damit eine Lösung gefunden hätte, der eine allgemeine Gültigkeit zukäme. Es ist vielmehr lediglich die Lösung, die ich für meine Person als die einzig denkbare ansehe.

Aber wäre es denn wirklich derart schlimm, wenn man Gott nicht mehr als den Allmächtigen verkünden dürfte? Oder ist nicht vielmehr umgekehrt gerade diese Aussage von der Allmacht Gottes viel zu konkret, täuscht man mit ihr nicht ein Wissen über Gott vor, das man gar nicht besitzt? Und vor allem, macht man mit dieser Aussage Gott nicht geradezu kleiner, indem man ihn nach unseren armseligen menschlichen Vorstellungen größer erscheinen lassen will?

Natürlich liegt es mir fern, die Macht Gottes irgendwie bezweifeln zu wollen. Wenn jemand aber vom Leid getroffen wird, wäre es ihm dann nicht ein nicht geringer Trost, wenn er der Liebe Gottes vertrauen dürften, statt seine trotz unseres Leidens untätig gebliebene Allmacht anzuklagen?

Wie aber kann ein gläubiger Christ mit dieser Idee umgehen. Muss er nicht an die Dogmen der Kirche denken, die von der Allmacht Gottes sprechen. Zu diesem Thema hatte ich wieder einmal das Gespräch mit einem kompetenten Fachmann gesucht, diesmal mit einem bekannten und innerhalb der Kirche engagierten Theologieprofessor. Und was er mir sagte, könnte, soweit ich es beurteilen kann, tatsächlich der gesuchte Ansatz sein, womit dem Problem beizukommen wäre. Er erklärte mir zu meiner Überraschung, die Kirche habe niemals die Allmacht Gottes, so wie ich sie als eine durch nichts begrenzbare Fähigkeit, also im Sinne einer mathematischen Unendlichkeit verstand, als Dogma verkündet. Es sei also durchaus legitim, diese soweit in Zweifel zu ziehen, wie erforderlich sei, um den sonst unvermeidbaren Widerspruch aufzulösen. Wenn ich also die christliche Aussage von der Allmacht Gottes so verstehen wolle, dass ich von einer für uns Menschen unvorstellbar großen, dennoch aber nicht unendlich großen Macht Gottes ausginge, so befände ich mich in theologischem Sinne durchaus noch auf dem Boden des katholischen Glaubens. Meines Erachtens dürfte diese Aussage auch für andere Konfessionen zutreffen. Als Theologe mag dieser Professor Recht haben, und für mich persönlich lässt diese Aussage einen Weg offen, den ich sonst nicht hätte sehen können. Wenn ich aber an die lebendige Verkündigung in den christlichen Gemeinden denke, habe ich den Eindruck, dass die Kirche hier etwas versäumt.

Leider hatte ich den Theologieprofessor, mit dem ich seinerzeit über das Thema der Theodizee in Hinblick auf die Allmacht Gottes diskutiert hatte, nicht ebenfalls in Hinblick auf die Allwissenheit Gottes befragt. Ich könnte mir nämlich durchaus vorstellen, dass die Dogmen der katholischen Kirche auch die Allwissenheit Gottes nicht so extensiv definieren, dass Gott bereits vorher wüsste, wie ein Mensch sich später entscheidet, so dass dessen Freiheit und Verantwortung fraglich erschiene. Vielleicht hätte dieser Theologieprofessor gesagt, wenn ich also die christliche Aussage von der Allwissenheit Gottes so verstehen wolle, dass ich in dieser Hinsicht gewisse Einschränkungen gelten ließe, so befände ich mich in theologischem Sinne ebenfalls durchaus noch auf dem Boden des katholischen Glaubens. Aber auch hier muss ich wieder an die anderslautende lebendige Verkündigung in den christlichen Gemeinden denken.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein lehrreiche Gleichnis, das ich vor Jahren einmal gehört habe: Jesus hängt am Kreuze. Seine Hände sind an das Holz genagelt. Er kann mit diesen Händen nicht zufassen, um all die Not auf Erden zu lindern. Wir dagegen sollen seine Hände sein. Er braucht uns. Wir dürfen für ihn zugreifen, um sein Reich wenigstens in unserem Einflussbereich Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn wir es so empfinden, dann ist für uns die Frage nach Gottes Allmacht kein Thema mehr. Wir sind also aufgerufen, das Werk Gottes dort fortzusetzen, wo "Gottes Arm nicht mehr hinreicht". Wir stehen also vor der Aufgabe, die Liebe, die wir selbst von Gott empfangen durften, an andere Menschen weiterzugeben. Welch ein Ansporn, den dieser Gedanke uns gibt.