Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

7.      Gott, das große Geheimnis
7.1    Das Gottesbild im Christentum
7.1.3 Verschiedene meines Erachtens
         unbefriedigende Lösungsvorschläge

Soweit ich es beobachten konnte, sprechen die Priester kaum von sich aus über das Thema der Theodizee. Sie wollen ja aufbauend wirken und nicht etwa ihre Gemeindemitglieder verunsichern. Nur dann, wenn man sie konkret auf dieses Problem anspricht, gehen sie darauf ein. Da mich jedoch dieses Thema stark bewegt hat, habe ich mit Priestern und Theologieprofessoren gesprochen und teilweise ausführlich diskutiert. Einige haben die Problematik nicht zur Kenntnis nehmen wollen, andere wiederum haben sie zwar als Problem akzeptiert, um es jedoch sogleich wieder zu verdrängen. Die meisten boten mir jeweils eine Lösung an, die in meinen Augen lediglich eine Scheinlösung ist, bezeichnenderweise jeder eine andere. Diese Uneinigkeit scheint mir bereits darauf hinzudeuten, dass selbst die Kirche keine wirklich einleuchtende Erklärung besitzt, denn sonst hätten die Priester diese in ihrer Ausbildung gelernt und sie hätte ihnen derart eingeleuchtet, dass sie nicht zu anderen Ansätzen ihre Zuflucht nehmen würden.

Einige dieser Erklärungen verweisen auf gewisse Notwendigkeiten. Andere betonen den tieferen Sinn des Leidens und begründen ihn mit einer höheren Zweckmäßigkeit. Für einen allmächtigen Gott jedoch gibt es keinen Grund für irgendwie geartete Kompromisse, kein Erfordernis irgendwelcher Zweckmäßigkeiten, keine Notwendigkeit unerwünschter Zwischenschritte auf dem Weg zum Erreichen eines gewünschten Endergebnisses. Ein allmächtiger Gott hätte natürlich auch die Macht, jegliches Leid auf der Welt zu vermeiden. Denn ein einziger Funke seines allmächtigen Willens würde ja bereits vollauf genügen, um alle Schwierigkeiten augenblicklich aus dem Wege zu räumen. Hier muss, wenn ich die Allmacht Gottes wirklich ernstnehme, jeder noch so gut gemeinte Erklärungsversuch scheitern.

Das Leid solle uns im Jenseits durch unsagbare Glückseligkeit vergolten werden? Gott wolle unser ewiges Heil für uns dadurch entsprechend vollkommener gestalten, dass wir selbst daran mitgewirkt haben. Gott wolle uns in freiem Willen autonom über unser Leben und über unsere Welt entscheiden lassen? Diese Ziele hätte Gott ebenfalls auch ohne das Leid erreichen können! Wieso überhaupt solle unsere persönliche Mitwirkung irgendetwas bewirken können, was Gottes Allmacht nicht ebenso gut oder vielmehr noch wesentlich besser auch ohne unser Tun gekonnt hätte? Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wenn man von Gottes übergroßer Liebe ausgeht, dann führte die Tatsache des Leidens, das man ja rings um sich her beobachten kann, nahezu zwingend zu der einen Folgerung, dass nämlich Gott nicht allmächtig sei.

Der zweite mögliche Ansatz, nämlich an der Liebe Gottes zu zweifeln, wird bei keinem dieser Erklärungen versucht, und auch ich vermag es nicht, an dieser Liebe Gottes zu zweifeln. Aber es blieb ja noch als dritte Möglichkeit, Abstriche an der von mir beobachteten Realität zu machen. In eine ähnliche Richtung geht ein Ansatz, mit dem ein Pfarrer mir vor Jahren eine Lösung anbieten wollte, er wies nämlich auf unseren unvollkommenen menschlichen Verstand hin.

Die Annahme, dass die Welt um uns her nicht real, sondern nur Illusion sei, stammt allerdings nicht aus christlichem Umfeld. Solange man nicht gerade selbst vom Leid getroffen wird, ließe sich diese ungewöhnliche Annahme sogar noch weithin durchhalten. Es gibt kaum logische Argumente, die diese Möglichkeit grundsätzlich ausschließen. Dennoch empfinde ich diese Spekulation als abwegig. Wenn ich aber an der Realität der Welt zweifeln oder denken sollte, dass unser menschlicher Verstand nicht nur unvollkommen, sondern absolut fehlerhaft sei, dann stellt sich mir die Frage nach der Wahrhaftigkeit Gottes.

Eines also muss ganz offensichtlich falsch sein. Entweder hat Gott nicht die Macht, das Leid zu verhindern, dann ist er nicht allmächtig. Oder er lässt das Leid bewusst zu, obwohl er es vermeiden könnte, wie aber reimt sich das mit seiner Liebe zusammen. Oder aber unsere gesamten Schlussfolgerungen und unsere Fähigkeit des logischen Denkens und Schließens täuschen uns, dann stellt sich die Frage nach der Wahrhaftigkeit Gottes. Erst recht wäre dies der Fall, wenn Gott uns lediglich in eine Scheinwelt hineingestellt hätte. Meines Erachtens kann es jedoch niemals die Wahrhaftigkeit Gottes sein, an der ich zu zweifeln hätte, oder gar seine Liebe. Wenn hier schon ein Zweifel unumgänglich ist, dann sehe ich nur die eine Möglichkeit, die Allmacht Gottes in Zweifel zu ziehen. Hierbei halte ich das Gottesbild mit den Komponenten von Macht, Liebe und Wahrheit in unendlicher Ausprägung nicht etwa für falsch. Es ist meines Erachtens vielmehr lediglich unvollständig und vorläufig, wie ein jedes Gottesbild immer unvollständig und vorläufig bleiben muss. Was uns Menschen aber ansteht, das ist bescheidene Ehrfurcht vor dem unvorstellbaren Geheimnis, das Gott umschwebt.