Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

6.      Lehre
6.3    Zweifel am Anspruch der Kirche
6.3.2 Jesu Wort von den falschen Propheten

Ein besonders starkes Argument gegen den Anspruch der Kirche sehe ich darin, wie sich die Kirche in all den Jahrhunderten verhalten hat und wie sie sich heute verhält, wobei auch kaum eine Konfession ausgenommen werden kann. Was hingegen sagte Jesus (Mt 7, 15-20):

Hütet euch vor den falschen Propheten!
Sie kommen in Schafskleidern zu euch,
innen aber sind sie reißende Wölfe.
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Sammelt man von Dornbüschen Trauben
oder von Disteln Feigen?
So trägt jeder gute Baum gute Früchte;
ein schlechter Baum aber trägt schlechte Früchte.
Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte tragen
und ein schlechter Baum nicht gute Früchte.
Jeder Baum, der nicht gute Früchte trägt,
wird ausgehauen und ins Feuer geworfen.
An ihren Früchten also sollt ihr sie erkennen.

Als Propheten versteht die Heilige Schrift übrigens Menschen, die das Volk mahnen und ihm den Willen Gottes verkünden. Eine Vorhersage der Zukunft besteht hierbei allenfalls darin, dass für den Fall der Missachtung schlimme Ereignisse angedroht werden. Will man also obiges Wort der Schrift ernst nehmen, dann kann man durchaus auf den Gedanken kommen, dass Jesus mit diesen falschen Propheten und mit diesem schlechten Baum auch oder vielleicht sogar hauptsächlich die Kirche gemeint haben könnte. Denn welch "schlechten Früchte" lassen sich hier aufführen.

Misst man die Kirche an ihrem geistigen Anspruch, so kann man sich über das wirklich unchristliche Verhalten der Kirche sowie über ihr Verhältnis zur Macht nur wundern. Dies möge an einigen markanten Beispielen illustriert werden, Beispielen, die in die Geschichte eingegangen sind und als eine schwere Belastung der Kirche und des Papsttums angesehen werden müssen.

So ist es weitgehend bekannt, dass im sogenannten "dunklen" Mittelalter unsagbar viele böse Taten im Namen und Auftrag der Kirche verübt worden sind. Weit weniger bekannt dürfte es sein, dass diese unheilvolle Tradition der Kirche bis in die ersten christlichen Jahrhunderte zurückreicht. Bereits aus dem vierten Jahrhundert, nachdem Kaiser Konstantin die katholische Kirche in seinem Reich favorisiert hatte, wurden Ketzerverfolgungen in großem Stil berichtet. Die Kirche schlug skrupellos alle christlichen Gegner, also diejenigen Christen, die von der offiziellen Linie der Kirche abwichen und daher als Ketzer bezeichnet wurden, durch Zerstörung ihrer Kirchen, Konfiskation ihrer Güter, Zwangstaufen und dergleichen nieder. Die unmittelbaren Nachfolger der Apostel, die Eboniten und Nazoräer, waren übrigens bereits im zweiten Jahrhundert von der katholischen Kirche zu Irrlehrern und Ketzern erklärt worden. (Der Begriff Ketzer wurde übrigens abgeleitet von dem Wort Katharer, die Reinen, also diejenigen, die sich auf das reine Wort Jesu und der Evangelien beziehen.) Ebenso wurden natürlich auch die heidnischen Tempel zerstört, und auf die Ruinen wurden vielfach christliche Kirchen gebaut, um damit den Sieg des Christengottes über die heidnischen Götter zu symbolisieren. Die Heiden hingegen wurden rechtlos und mussten, wenn sie sich nicht taufen ließen, oder wenn sie gar bei heidnischen Kultfeiern ertappt worden waren, mit strengsten Strafen bis hin zur Todesstrafe rechnen. In späteren Jahrhunderten waren es sodann Kreuzzüge, Inquisition, Hexenwahn und Judenverfolgungen, die weitgehend unter Billigung oder sogar aktiver Mitwirkung der Kirche erfolgten.

Die Geschichte der Kirche hat sich, besonders seit den Tagen Konstantins, der aus der verfolgten Kirche eine herrschende Institution schuf, weitgehend um die Macht gedreht. Um diese Macht der Kirche zu vergrößern, wurden zahllose infame Fälschungen erstellt, von den Fälschungen innerhalb der Evangelien angefangen bis hin zu den groß angelegten und über Jahrhunderte hinweg erfolgreichen Fälschungen staatspolitisch bedeutsamer Urkunden. Hierher gehören vor allem die sogenannte Konstantinische Schenkung sowie die Pseudo-Isidorien.

Bei der Konstantinischen Schenkung handelt es sich um eine gefälschte Urkunde, der zufolge Kaiser Konstantin angeblich der römischen Kirche den Vorrang über alle anderen Kirchen zuerkannt und außerdem noch verfügt haben soll, dass dem Papst auch die weltliche Herrschaft über Rom und alle abendländischen Provinzen zustünde. Dieses gefälschte Dokument wurde um das Jahr 750 erstellt, und zwar vermutlich in den Kanzleien des Papstes. Aufgrund dieses Dokumentes haben die Päpste ihren Kirchenstaat begründet und ihre weltliche Macht über Jahrhunderte hinweg maßlos gesteigert. Erst im fünfzehnten Jahrhundert wurde dieses Dokument eindeutig als Fälschung erkannt.

Die um 850 entstandenen sogenannten Pseudo-Isidorien stellen ebenfalls eine gezielte Fälschung dar. Mit ihnen sollte im fränkischen Reich die Macht der Bischöfe gegenüber dem König und dem Adel sowie gegenüber dem Metropoliten gestärkt werden, was natürlich auch weitgehend erreicht wurde.

Auch im Jahre 1870 wurde das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes, wie von kompetenter Seite behauptet wird, nicht etwa in erster Linie aus Sorge um die christliche Lehre verkündet, sondern vielmehr aus Bestreben um den weiteren Fortbestand des vom Papste regierten Kirchenstaates. Man glaubte damals in Rom, dass es niemand wagen werde, einem "unfehlbaren" Papst diese Gebiete zu entreißen. Und wie bald sah man sich gerade in dieser Erwartung nur allzu schwer getäuscht.

Auch heute noch, und vielleicht gerade heute, müssen wir die Machtstrukturen des Vatikans, die übrigens ihrem Verhalten nach leider nur zu oft alles andere als christlich sind, aufmerksam beobachten. Ob es nun Fragen der großen kirchlichen Politik sein mögen wie bestimmte Dogmen (Unfehlbarkeit, Maria), Vorschriften und Verwaltungsakte (Zölibat, Küng) oder weltliche Einflussnahme (Macht und Vermögen der Kirche, politische Aktivitäten), oder ob es einfach nur Fehler und Schwächen einzelner kirchlicher Vertreter sind, es gibt Anlässe genug. Wenn schon im Einzelfall der Papst einmal nicht auf seine Machtposition pochen will, um bei dem Beispiel der katholischen Kirche zu bleiben, dann kleben die kurialen Behörden dafür umso fester an der Macht. In gleicher Weise verdient natürlich auch bei den übrigen Konfessionen der Faktor Macht unsere Aufmerksamkeit.

Um die Mentalität mancher Vertreter der Kirche zu charakterisieren, passt sehr gut ein Wort des heiligen Chrysostomus (345-407), des größten Predigers der griechischen Kirche, der von 398 bis 404 Patriarch von Konstantinopel war. Er vertrat die Ansicht, dass eine Lüge, die zum Zwecke des Seelenheiles ausgesprochen werde, notwendig sein könne. Ebenso vertraten und vertreten viele maßgebliche Kirchenleute diese Ansicht, dass es nicht auf den objektiven Wahrheitsgehalt der Evangelien ankomme, sondern einzig und allein darauf, dass möglichst viele Menschen überzeugt und bekehrt werden könnten. Fälschungen der heiligen Texte, die zu diesem Zweck vorgenommen wurden, galten eher als verdienstvoll denn als verwerflich. Und an dieser Mentalität hat sich in den Kirchen bis heute grundsätzlich nur sehr wenig geändert. Und wie die Kirche mit Kritikern umgeht, mag man bei Joachim Heldt nachlesen:

Mir sagte ein katholischer Ordensgeistlicher in Köln, der seine Kirche scharf kritisierte: Wenn Sie meinen Namen nennen, bin ich morgen im Kongo und darf die Schwarzen bekehren. Die Schwarzen bei uns lassen sich ja nicht bekehren.
Joachim Heldt, Gott in Deutschland, Nann Verlag 1963, Seite 30

Erst in letzter Zeit haben die Kirchen begonnen, ihre starren Positionen ein klein wenig aufzulockern. Sie erkennen viele der Fehler an, die sie bisher gemacht haben. So kann man in dem von der katholischen Kirche herausgegebenen Fernkurs lesen:

Eine Menschengruppe, die Kirche, macht die Berufung auf Gott zum Mittel ihrer weltlichen Macht und Selbstbehauptung. Der menschliche Machtanspruch verkleidet sich in den Anspruch Gottes. Wie aber sieht die Kirche, die einen solchen Anspruch stellt, wirklich aus? Besteht nicht ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen Anspruch und geschichtlicher Wirklichkeit in der Kirche?
Theologie im Fernkurs, Grundkurs, Lehrbrief 5, Seite 6

Auf die einzelnen Schwachpunkte will ich nicht weiter eingehen. Eine Frage vielmehr ist es, die dem suchenden Menschen erlaubt sei: Stellen all diese Dinge nicht wirklich "schlechte Früchte" dar, die ein guter Baum nach Jesu Worten nicht tragen kann? Und hat nicht Jesus diese Feststellung mit einer Warnung vor falschen Propheten eingeleitet? Liegt da nicht die Vermutung durchaus im Raum, dass Jesus mit diesen schlechten Früchten, mit diesem schlechten Baum und mit diesen falschen Propheten neben anderen Glaubensgemeinschaften gerade auch die katholische Kirche und ihre Organe gemeint haben könne? Darf man diesen Gedanken mit Sicherheit ausschließen?

Mir geht es auf keinen Fall etwa darum, die Kirche schlecht zu machen. Mein Anliegen ist einzig und allein darauf gerichtet, der Wahrheit über Gott näher zu kommen. Und in diesem Punkte ist es ja gerade die Kirche, die mit dem Anspruch an mich herantritt, im Namen Gottes zu sprechen und Forderungen an mich stellen zu dürfen. Mich interessiert also keineswegs die moralische Qualität der Kirche, sondern einzig und allein die Frage, ob diese Kirche von Gott einen Auftrag erhalten hat, ob sie ein von Gott gewähltes Instrument seiner Offenbarung darstellt, ob sie zu Recht Forderungen an mich stellt, und ob ich folglich auf diese Kirche hören muss. Nur dieses eine höchst pragmatische Anliegen ist es, das mich nach der moralischen Qualität der Kirche fragen lässt.

Glauben kann man natürlich auch ohne Kirche. Um Christ zu sein, benötigt man die Kirche ebenfalls nicht unbedingt. Glaube und christliches Handeln sind nicht wesensnotwendig an eine kirchliche Institution gebunden. Aber dies ist nur ein Aspekt. Als Einzelmensch in seiner persönlichen Entscheidung mag jemand sich durchaus für ein christliches Leben entscheiden. Aber geschieht dies wirklich in einem luftleeren Raum? Oder ist er selbst nur ein einzelnes Glied in einer zeitlichen oder kausalen Kette? Woher nimmt er denn sein Christsein, wenn er in dieser Kette nicht ein anderes Glied vor sich findet, von dem er wenigstens einige Elemente dieses Christseins übernehmen konnte. Wie praktiziert er dieses sein Christsein, wenn er nicht neben sich eine Gemeinschaft erleben darf, in der er sich irgendwie wiederfindet, mit der er sich identifizieren kann. Und wo bleibt schließlich seine Verantwortung als Christ, wenn er nicht daran denkt, dass dieses Christsein auch irgendwie weitergegeben werden sollte.

All dies geht nicht ohne irgendeine Form von Kirche. Ob ich nun von einer Gemeinde spreche, von christlicher Gemeinschaft, oder wie immer ich es formulieren will, Christsein verlangt letztlich nach Kirche. Man kann die Kirche (oder die Kirchen) in mancherlei Hinsicht kritisieren, man kann sich an ihr reiben, mancher mag sogar an ihr zerbrechen. Eines jedoch sollte man erkennen: Man kann die Kirchen nur so nehmen, wie sie sind. Andere, das heißt solche, die ganz den eigenen individuellen Vorstellung entsprechen, gibt es nicht.