Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

6.      Lehre
6.3    Zweifel am Anspruch der Kirche
6.3.1 Steht die Kirche überhaupt noch in der Botschaft Jesu ?

Das Christentum führt seine Lehre zwar auf Jesus zurück. Geht man der Sache jedoch genauer nach, so muss man erkennen, dass die Botschaft Jesu von verschiedenen anderen Quellen überlagert wurde: von der Theologie des Paulus, von den heidnischen Mysterienkulten, von der griechischen Philosophie des Platon und Aristoteles, vom römischen Rechtsdenken, von der Institution einer sogenannten Amtskirche.

Paulus war es, dem die christliche Botschaft wesentliche Veränderungen verdankt. Manche gehen sogar so weit, nicht Jesus als den eigentlichen Begründer des Christentums zu bezeichnen, sondern Paulus. Manche Elemente des Christentums, die den Christen heute selbstverständlich erscheinen, stammen nicht von Jesus, sondern aus dem Heidentum und sind zu einem großen Teil erst von Paulus in das Christentum eingeführt worden sind. Man mag sich doch einmal im Ernst fragen, was vom Neuen Testament noch übrigbleibt, wenn man die Briefe des Paulus, das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte beiseitelegt. Die Schriften des Lukas habe ich deshalb mit einbezogen, weil Lukas als Reisebegleiter des Paulus gilt (2 Tim 4, 11) und theologisch sehr stark von Paulus beeinflusst wurde. Was bliebe dann noch übrig? Gemessen an der vollen Botschaft des Neuen Testamentes allenfalls ein Torso, oder vielleicht mehr als das Ganze?

Die Lehre Jesu war einfach. Er mahnt uns zur Umkehr. Er fordert uns zur Liebe auf. Er nennt uns Kinder Gottes, die vertrauensvoll zum Vater sprechen dürfen. Sein Wort ist wahrhaft eine frohe Botschaft. Seine Lehre besitzt einen ausgesprochen pragmatischen Charakter, wie man aus vielen seiner Worte und Handlungen belegen kann. Er spricht uns ganz konkret an und mahnt uns, das Gute zu tun.

Die theologischen Ausdeutungen des Gottesbegriffes dagegen stammen nicht von Jesus. Auch die ersten Christen haben die Lehre Jesu noch recht unkompliziert verstanden. Später jedoch, besonders in der Berührung mit dem griechischen Kulturkreis, entstand das Bedürfnis, sich von Gott ein philosophisch - theologisches Bild machen zu können. Und damit begann irgendwie das ganz große Dilemma: Weil eben Gott grundsätzlich unvorstellbar ist und bleibt, kamen auf jede einmal erfolgte theologische Konkretisierung mindestens zwei neue Fragen, die ebenfalls wieder eine theologische Konkretisierung erwarteten. Und so entstand und entsteht im Laufe von Jahrhunderten ein kompliziertes wissenschaftliches Lehrgebäude.

Es ist auch keineswegs die Lehre Jesu, sondern es ist dieses aufgebauschte philosophisch - theologische Lehrgebäude, das den denkenden Menschen immer wieder auf neue Widersprüche stoßen lässt. Diese Widersprüche also, die ich gefunden zu haben glaube, stellen daher keineswegs die ursprüngliche Lehre Jesu infrage, sondern allenfalls dieses voluminöse kirchliche Lehrgebäude. So fragt Rudolf Augstein in seinem Buch "Jesus Menschensohn", wie es denn eigentlich dazu gekommen sei, dass sich die Kirche in dieser Art von der ursprünglichen Lehre Jesu abgewandt, dass "eine religiöse Idee sich in eine andere, fast in ihr Gegenteil verwandelt" habe. Und wie kam es dazu, dass die Kirche seit jeher am heftigsten diejenigen als Ketzer verfolgt hat, die zu der ursprünglichen Lehre Jesu zurückkehren wollten? Man braucht der Deutung Augsteins zwar keineswegs zu folgen, aber dass man überhaupt so fragen kann, sollte schon hellhörig machen. Auch wenn Menschen glauben, auf fundamentale Widersprüche gestoßen zu sein, so betreffen diese Widersprüche keineswegs die ursprüngliche Lehre Jesu, sondern immer und immer wieder dieses voluminöse kirchliche Lehrgebäude. Zwar hat auch diese Lehre ihre Bedeutung für den Glauben, doch ich glaube, sie darf nicht in unzulässiger Weise den Rang des Absoluten annehmen, der einzig und allein Gott zukommt.