Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

6.      Lehre
6.2    Anspruch und Legitimation
6.2.4 Anspruch auf Stellvertretung Christi

Wer das Selbstbewusstsein der Kirche studiert, wie es sich in ihrem Auftreten äußert und wie es sich in wichtigen Dokumenten ihrer Lehre darstellt, dem wird auffallen, dass diese Kirche einen außergewöhnlichen, einzigartigen Anspruch erhebt. Sie behauptet von sich, eine verpflichtende, ja endgültige Offenbarung Gottes zu haben und diese Offenbarung zuverlässig und unverfälscht verkünden zu können. Sie habe die Legitimation, dass hier auf Erden der Papst als Stellvertreter Jesu fungiere. Über diese Funktion des Papstes stehe ihr sämtliche Machtfülle zu. Aus dieser Machtfülle heraus haben zum Beispiel im Mittelalter Päpste den Kirchenbann über Kaiser und Könige ausgesprochen und deren Untertanen von ihrer Treue entbunden. Auch heute noch hat dieser Anspruch weitragende Konsequenzen. Dem einzelnen wird gesagt, dass nur die Kirche über Offenbarung, Überlieferung und theologische Dogmen verfüge. Nur sie verfüge über die Sakramente, sie habe das Recht, im Namen Gottes Sünden zu vergeben oder diese Vergebung zu verweigern. Sie definiert eine Vielzahl von Dogmen und verlangt bedingungslosen Glauben.

Gegner der katholischen Kirche haben sich diesen Anspruch zu nutze gemacht. So wird von einigen die Zahl 666, mit der in der Geheimen Offenbarung (Offb 13, 11-18) das böse Tier gekennzeichnet wird, das die Menschen verführt, auf den Papst gemünzt. Der Titel "VICARIUS FILII DEI" (Stellvertreter des Sohnes Gottes), den sich die Päpste zulegen, ergibt nämlich gerade diesen Wert 666, wobei die Berechnung auf den römischen Zahlen basiert. Hierbei gilt: M = 1000, D = 500, C = 100, L = 50, X = 10, U = V = 5, I = 1, die übrigen Buchstaben haben keinen Zahlenwert. Dem ist allerdings entgegenzuhalten, dass es eine ganze Reihe von Namen und Bezeichnungen gibt, die ebenfalls zu diesem Wert 666 führen. Nach der gleichen Logik ergibt zum Beispiel schon der Name Ludwig (lat. LUDOVICUS) ebenfalls diesen Wert 666. Und ob die Berechnung sich ausgerechnet auf die römischen Zahlen beziehen und dann noch nach dieser vereinfachten Logik erfolgen soll, bleibt ohnehin offen. Aber nachdenklich mag man immerhin schon werden.

Gerade dieser Anspruch der katholischen Kirche, dass der Papst Stellvertreter Jesu und in dieser Eigenschaft berechtigt sei, die genannten Forderungen aufzustellen, erscheint mir zum mindesten problematisch zu sein. Zum mindesten sehe ich nicht, wie sich dieser Anspruch aus dem Evangelium begründen lässt. Eine große Gefahr übrigens, der die Kirche besonders in früheren Zeiten nur allzu oft erlegen ist, besteht darin, dass der Kirche ein reiches Arsenal an Manipulationsmöglichkeiten an die Hand gegeben wird. Und die maßgeblichen Instanzen in der Kirche werden bekanntlich auch nur von Menschen eingenommen.