Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

6.      Lehre
6.2    Anspruch und Legitimation
6.2.3 Das Amt des Papstes

Die katholische Kirche geht davon aus, dass Jesus dem Petrus und seinen Nachfolgern das Oberhirtenamt verliehen hat. Hierzu beruft sie sich in der Regel auf Mt 16, 18-19. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass diese Schriftstelle nicht auf ein Wort Jesu zurückgeht, sondern Jesus nachträglich in den Mund gelegt wurde und dass diese Erkenntnis auch von der katholischen Kirche anerkannt wird. Dies hindert sie allerdings nicht, sich auch weiterhin auf dieses Wort zu stützen.

So wird auch die Einsetzung des Papsttums durch Jesus vielfach als äußerst fragwürdig angesehen. Paulus zum Beispiel kennt diesen Primat anscheinend noch nicht, er nennt, wenn er von einzelnen Aposteln spricht, Petrus nicht einmal an erster Stelle. Auch um das Jahr 150 nach Christus ahnte Justin, der bedeutendste christliche Apologet des zweiten Jahrhunderts, der außerdem noch in Rom lebte, offensichtlich so wenig von dem Primat des Petrus, dass er Petrus nur zweimal erwähnt, wobei er ihn auch nur "einen der Jünger" bzw. "einen der Apostel" nennt.

Dabei soll Petrus, wie vielfach vermutet wird, niemals in Rom gewesen sein, und die römischen Bischofslisten seien ohnehin bis zum Jahr 235 nach Christus höchst unsicher, wenn nicht gar einfach aus dem Nichts zusammenphantasiert, wie es damals üblich war. Erstmals im Jahre 170 berichtet ein auswärtiger Bischof, nämlich Dionysius von Korinth, der überdies ein Mann von recht geringer Glaubwürdigkeit gewesen sein soll, davon, dass die römische Gemeinde von Petrus, gemeinsam mit Paulus gegründet worden sei.

Was schließlich den Primat des römischen Bischofs betrifft, so hat selbst das Konzil von Chalcedon, das mit ungefähr 600 versammelten Bischöfen die größte Synode der alten Kirche gewesen ist, im Jahre 451 noch die Gleichstellung der Bischöfe von Rom und Konstantinopel verfügt. Hier wird deutlich, dass sich der römische Bischof anscheinend erst später im Lauf einer längeren Entwicklungsgeschichte diesen Papsttitel und diese Vormachtstellung angemaßt hat. Denn selbst Petrus hat offenbar von seiner besonderen Position noch so wenig gewusst, dass ihm Paulus, wie es im Galaterbrief verbürgt ist (Gal 2, 11-14), Aug in Aug entgegengetreten ist, um ihm seine feige Scheinheiligkeit vorzuwerfen. Auffällig hieran ist nicht so sehr die Tatsache, dass Petrus Tadel verdiente, und dass Paulus ihm diesen Tadel verabreichte, sondern dass Petrus sich seiner Vormachtstellung so wenig bewusst war, dass er seine Handlungen, er pflegte nämlich Tischgemeinschaft mit den Heiden, vor Jakobus und dessen Umgebung zu vertuschen suchte. Jakobus galt damals nämlich nicht nur als Bischof von Jerusalem, sondern scheint sogar als Oberhaupt der Urgemeinde anerkannt worden zu sein.

Es ist übrigens auch sehr auffällig, dass Paulus, der seine letzten Briefe aus Rom schrieb, in denen er mehrere seiner Mitarbeiter nennt, in diesen Briefen niemals auch nur ein Wort über Petrus fallen lässt. Wäre Petrus der Begründer der römischen Gemeinde und ihr erster Bischof gewesen, so hätte man erwarten sollen, dass Paulus ihn zum mindesten kurz erwähnt hätte.

Mit der Frage nach dem Amt stellt sich natürlich ebenfalls die Frage nach der Legitimation der Kirche überhaupt. Es ist schon ein wesentlicher Unterschied, ob das Wort Gottes lediglich in der Heiligen Schrift zu finden ist oder ob die Kirche den Auftrag und die Kompetenz besitzt, diese Offenbarung verbindlich auszuformen, zu deuten, zu ergänzen und zu lehren. Denn die Schrift stellt an mich hauptsächlich solche Forderungen, die die Grundsätze meines Handelns betreffen und somit mehr oder weniger leicht zu erfüllen sind. Die Forderungen der Kirche gehen weit darüber hinaus. Es geht mir natürlich nicht darum, der Kirche irgendwelche Vorhaltungen zu machen. Wesentlich für mich ist einzig und allein die Frage, ob die Kirche einen göttlichen Auftrag zu erfüllen hat, ob sie ein von Gott erwähltes Instrument seiner Offenbarung darstellt, ob sie zu Recht Forderungen an mich stellt, und ob ich folglich auf diese Kirche hören muss.