Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

5.      Offenbarung
5.4    Widersprüche in der Texten der Heiligen Schrift
5.4.4 Auferstehung und Himmelfahrt Jesu

Unter allen Berichten über den geschichtlichen Jesus kann man als zentralen Glaubensinhalt das Zeugnis über die Auferstehung Jesu von den Toten ansehen. Andere Aussagen der Heiligen Schrift berühren unseren Glauben nur an der Peripherie. So ist es für unseren Glauben zum Beispiel recht unwesentlich, ob Jesus in der Zeit seines öffentlichen Wirkens tatsächlich echte Wunder vollbracht hat. Das Faktum seiner Auferstehung von den Toten dagegen berührt eine zentrale Aussage unseres Glaubens und gilt als zentraler Glaubensinhalt des Christentums.. Nicht umsonst predigt Paulus im ersten Korintherbrief: "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig." (1 Kor 15, 17). Wie gewiss aber können wir dessen sein, dass diese Auferstehung Jesu von den Toten tatsächlich stattgefunden hat?

Die Schriften des Neuen Testamentes können uns in dieser so eminent wichtigen Frage leider nur das eine wirklich verbürgen, dass nämlich die ersten Christen an diese Auferstehung geglaubt haben. Ob diese Auferstehung jedoch eine Tatsache war, ob sie tatsächlich stattgefunden hat, das lässt sich aus dem Zeugnis der Heiligen Schrift nicht mit Sicherheit entnehmen. Es gibt sogar Theologen, die der Botschaft von der Auferstehung schwere Bedenken entgegenbringen, der Botschaft Jesu als Ganzes jedoch aufgeschlossen gegenüberstehen.

Wie gewiss aber kann ich dessen sein, dass diese Auferstehung Jesu von den Toten tatsächlich stattgefunden hat? Zur historischen Deutung der Evangelien verweise ich zunächst auf das damalige Umfeld. Wunder, Auferstehung und sonstige übernatürliche Ereignisse waren dem damaligen Umfeld keineswegs fremd. Solches wurde nicht nur von Jesus, es wurde auch von anderen Personen berichtet, so von Attis, Osiris, Apollonius, Dionysos und anderen. Derartige Wunder einfach zu erfinden, wo sie gar nicht stattgefunden hatten, galt durchaus nicht als unehrenhaft, man glaubte es vielmehr seinem jeweiligen Idol geradezu schuldig zu sein, es durch derartige Ausschmückungen über andere Idole hinauszuheben. Es war gängige Praxis. Warum also soll es bei Jesus und seinen Anhängern anders gewesen sein? Man darf durchaus fragen.

Bei der Beschreibung der Ereignisse, die sich um die Auferstehung Jesu ranken, sind die Widersprüche bei den einzelnen Evangelisten besonders krass. Diese Widersprüche sind umso peinlicher, als sie doch den Gedanken aufkommen lassen, dass diese Berichte glatt erfunden seien. Natürlich, wenn diesen Berichten von der Auferstehung Jesu von den Toten kein reelles Geschehen zugrundegelegen hätte, dann wäre es nur zu natürlich, dass ein jeder der Berichterstatter hierüber etwas anderes erzählt.

Es beginnt schon bei den kleinsten und im Grunde nebensächlichen Details. So berichten zwar alle vier Evangelisten, dass Maria Magdalena am Morgen zum Grab gegangen sei. Johannes schreibt aber, nur diese eine Frau sei zum Grab gegangen, Matthäus jedoch schreibt, es seien zwei gewesen, während Markus von dreien berichtet. Laut Lukas hingegen seien es mindestens fünf Frauen gewesen.

Markus schreibt, den Frauen wurde gesagt, Jesus sei auferstanden und sie sollten seine Jünger auffordern, ihm nach Galiläa zu folgen. Matthäus, der das Markusevangelium als Vorlage benutzt hat, erweitert diese Aussage dahingehend, dass auch Jesus den Frauen erschienen sei und diese Aufforderung wiederholt habe. Auch hätten die Jünger Jesus sodann in Galiläa angetroffen. Lukas hingegen, obwohl er ebenfalls das Markusevangelium als Vorlage benutzt hat, schreibt, Jesus sei den Jüngern erschienen und habe sie aufgefordert, in Jerusalem zu bleiben.

Andere Diskrepanzen ergeben sich aus dem logischen Zusammenhang des Geschehens. Wieso will man einen Verstorbenen erst am dritten Tage salben, wo doch in diesen heißen Gegenden am dritten Tage die Verwesung schon in vollem Gange ist? Wieso will man einen Verstorbenen überhaupt nochmals salben, wo dies bei Jesus doch alles bereits vor der Bestattung geschehen war? Und wieso macht man sich auf, um zum Grabe zu gehen, ohne vorher zu überlegen, dass man den Stein gar nicht ohne fremde Hilfe zur Seite wälzen kann?

Widersprüche gibt es sogar bei dem gleichen Berichterstatter. So steht im Lukasevangelium, dass Jesus bereits am Ostersonntag vor den Augen seiner Apostel in den Himmel aufgefahren sei (Lk 24, 50-53). Derselbe Lukas jedoch schreibt sodann später in seiner Apostelgeschichte, dass Jesus erst nach vierzig Tagen in den Himmel aufgefahren sei (Apg 1, 3-11). Auf die Zeitspanne von vierzig Tagen kam Lukas vermutlich deshalb, weil inzwischen derart viele sogenannte Erscheinungen des Auferstandenen berichtet wurden, dass sich diese beim besten Willen nicht mehr auf einen Tag zusammendrängen ließen.

Es gibt noch eine Reihe weitere Widersprüche in den Berichten zu der Auferstehung Jesu, die ich nicht im einzelnen aufzählen mag. Mögen es Engel gewesen sein, die den Frauen die Botschaft gaben, oder Männer, in dem leeren Grab oder davor, sitzend oder stehend, oder mag sogar Maria Magdalena am Grab sogleich kehrt gemacht haben, ohne jemand zu treffen. Mag dieses Grab bereits offen gewesen sein oder erst vor den Augen der Frauen geöffnet worden sein, mögen diese Frauen ihr Erlebnis verschwiegen oder den Aposteln mitgeteilt haben, und mag Jesus nur den Frauen und den Aposteln erschienen sein, nur einmal oder mehrmals, oder aber den Frauen auf dem Rückweg vom Grab gar nicht, wohl aber fünfhundert Brüdern auf einmal, wie aus dem ersten Korintherbrief zu entnehmen ist (1 Kor 15, 4-7), dies ist alles nicht entscheidend. Für mich bleibt das eine, dass eben diese Berichte nicht als Beweis für Jesu Auferstehung gelten können. Umgekehrt jedoch halte ich die Behauptung, Jesus sei nicht auferstanden, für ebenso unzulässig.

Wenn Jesus wirklich auferstanden ist, dann ist es natürlich völlig unwichtig, welches die näheren Umstände dieser Auferstehung waren, was dieser Jesus während seines öffentlichen Wirkens im einzelnen gemacht hat, ob die Berichte der Evangelisten und die übrigen Texte der Heiligen Schrift uns historische Wahrheiten vermitteln, wesentlich ist dann vielmehr, dass dieser auferstandene Jesus Christus Vertrauen verdient.

Manche Kritiker sehen in der in den Evangelien mehrfach genannten Ankündigung Jesu, seine Wiederkunft fände noch zu Lebzeiten der damaligen Menschen statt (z.B. Mk 9, 1; ähnlich Mt 16, 28), den großen Irrtum Jesu. So wies Arthur Schopenhauer (1788-1860) darauf hin, dass dieser Irrtum Jesu vermutlich echt sei (wieso eigentlich, wo doch Schopenhauer an anderer Stelle die Vermutung ausspricht, Jesus habe überhaupt nicht gelebt). Denn da die Evangelien derart spät geschrieben worden sind, dass das Ärgernis des noch immer unterbliebenen Jüngsten Tages in den Gemeinden bereits ausgeprägt war, hätte man dieses Wort Jesu, auf das sich jahrzehntelange Missionstätigkeit wesentlich gestützt hätte, kaum noch unterdrücken können. Dieser Irrtum Jesu erschiene auch heute noch manchem als ein Skandal. Ich kann diese Auffassung nicht nachvollziehen, zumal von Jesus das Wort überliefert ist: "Jenen Tag aber und jene Stunde kennt niemand, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater." (Mk 13, 32; ähnlich Mt 24, 36). Eher kann ich mir vorstellen, dass irgendwo in einer Predigt das Wort fiel, es könne doch sein, dass die Wiederkunft kurz bevorstünde. Und wie schnell wird aus einer solchen Möglichkeit eine Tatsache, und dann mag dies auch bald schon Jesus in den Mund gelegt worden sein.

Wenn ich in dieser krassen Weise auf gewisse Fragwürdigkeiten in den Schriften des Neuen Testamentes hinweise, will ich damit nicht etwa die Texte selbst in Frage stellen. Die Diskrepanzen mögen durchaus nebensächlich sein. Was aber auch hier wieder deutlich zu Tage tritt, ist die Tatsache, dass diese Schriften nicht geeignet sind, einen Außenstehenden davon zu überzeugen, dass hier geschichtliche Fakten beschrieben werden. Natürlich darf man aus ihnen auch nicht das Gegenteil schließen, aber der Beweischarakter ist es, der für mich auch hier nicht gegeben ist. Der Glaube muss schon vorhanden sein, dann haben diese Schriften dem betreffenden Menschen etwas zu sagen.