Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

5.      Offenbarung
5.4    Widersprüche in der Texten der Heiligen Schrift
5.4.3 Wunder, die Jesus gewirkt haben soll,
         besonders Totenerweckungen

Bei den Wundern, die von Jesus berichtet werden, kann man durchweg verfolgen, dass die Wunder, die von Markus geschildert werden, von Matthäus und Lukas noch deutlich gesteigert werden, indem beispielsweise dann statt einer Heilung deren zwei geschildert werden.

Besonders auffällig jedoch empfinde ich die Berichte über Totenerweckungen, die Jesus gewirkt haben soll. Eine Totenerweckung stellt ja ein herausragendes Ereignis dar. Wenn Jesus tatsächlich Tote erweckt hat und diese Wunder nicht etwa der Phantasie der einzelnen Evangelisten entsprungen sind, dann ist doch kaum anzunehmen, dass ein Berichterstatter, der es sich gerade zum Ziel gesetzt hat, die Wunderkraft Jesu in seinem Bericht aufzuzeigen, eine derartige Totenerweckung in seinem Bericht vergisst. Wie soll man also erklären, dass dieses Missgeschick nicht nur einmal bei einem der Wunder und bei einem der Evangelisten geschehen ist, sondern bei allen vier berichteten Totenerweckungen und bei allen vier Evangelisten?

Die ältesten Schriften des Neuen Testamentes berichten überhaupt nichts über derartige Totenerweckungen. Selbst Paulus, der sich doch im ersten Korintherbrief ausführlich mit der Frage der Auferweckung von den Toten befasst, da eben diese Möglichkeit, dass Tote überhaupt wieder auferstehen könnten, von einigen Christen (!) geleugnet wurde, erwähnt keine einzige dieser Totenerweckungen, sondern beruft sich lediglich auf den auferstandenen Jesus.

Markus, zeitlich der erste von den Evangelisten, berichtet im Gegensatz zu Paulus bereits von einer Totenerweckung, nämlich von der Erweckung der Tochter des Jairus von den Toten. Hierbei legt er allerdings, vielleicht um die Größe des Wunders ein wenig abzuschwächen, Jesus die Worte in den Mund:

Das Kind ist nicht tot; es schläft nur.
Mk 5, 39

Lukas und Matthäus übernehmen diese Wunder natürlich auch, denn sie hatten ja beide das Markusevangelium als Vorlage benutzt. Um jedoch die Wunderkraft Jesu noch zu steigern, berichtet Lukas noch die Erweckung des Jünglings von Naim, der bereits beerdigt werden sollte.

Der Evangelist Johannes schließlich geht noch wesentlich weiter. Von der Erweckung der Tochter des Jairus und von der des Jünglings von Naim weiß er zwar nichts zu berichten. Statt dessen jedoch schreibt er als einziger in seinem Evangelium von der Erweckung des Lazarus, der schon vier Tage im Grabe gelegen hatte und bereits in Verwesung übergegangen war. Hierbei fiel auch das Wort: "Herr, er riecht schon." (Joh 11, 39) Johannes unterstreicht die Größe dieses Wunders auch noch durch die etwas später erfolgende Bemerkung:

Die Hohenpriester aber beschlossen, nun auch Lazarus zu töten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.
Joh 12, 11

Matthäus schließlich weiß über die Erweckung des Jünglings von Naim und auch von der Erweckung des Lazarus seltsamerweise nichts zu berichten. Er dagegen erzählt, bezeichnenderweise jedoch wiederum kein anderer der vier Evangelisten, dass beim Tode Jesu viele Verstorbene aus ihren Gräbern gekommen seien und in Jerusalem erschienen wären (Mt 27, 52-53).

Es ist doch äußerst merkwürdig, dass diese Ereignisse, die ja doch immerhin recht aufsehenerregend gewesen sein müssen, nämlich diese vier Fälle von Totenerweckungen, außerhalb der Evangelien nicht auch anderweitig überliefert worden sind, wenn auch gegebenenfalls ohne Nennung des Namens Jesu. Noch viel merkwürdiger jedoch ist es, dass gerade die drei großartigsten dieser Wunder jeweils nur von einem einzigen der vier Evangelisten berichtet worden ist, und dass auch die Erweckung der Tochter des Jairus nur von Markus primär berichtet wird, da ja Matthäus und Lukas das Evangelium des Markus bekanntlich als Vorlage benutzt haben. Liegt dies vielleicht gar daran, dass Jesus diese Totenerweckungen gar nicht gewirkt hat? Diese Frage wird von manchen Interpreten ernsthaft gestellt.

Somit unterstützen gerade diese Berichte über die Totenerweckungen erneut die Vermutung, dass Teile der Evangelien völlig frei erfunden worden seien und lediglich legendären Charakter hätten.