Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

5.      Offenbarung
5.4    Widersprüche in der Texten der Heiligen Schrift
5.4.2 Geburt, Stammbaum und Familie Jesu

Matthäus beginnt sein Evangelium mit einem Stammbaum Jesu, der beim Stammvater Abraham beginnt und bis zu Joseph, dem leiblichen Vater Jesu führt (Mt 1, 1-17). Lukas dagegen präsentiert einen Stammbaum, der schon bei Adam beginnt und über Abraham ebenfalls bis zu Joseph führt.(Lk 3, 23-38) Hierbei stimmt zwar die Linie von Abraham bis zu David in den Stammbäumen von Matthäus und Lukas noch halbwegs überein, doch für die rund tausend Jahre von David bis zu Joseph haben die beiden Stammbäume gerade noch zwei Namen gemeinsam. Dies lässt vermuten, dass zum mindesten einer der beiden Evangelisten diese Daten einfach aus der Luft gegriffen und erfunden hat. Da mir, wie ich noch zeigen werde, bei Lukas noch weitere Diskrepanzen aufgefallen sind, neige ich dazu, eher dem Stammbaum aus dem Matthäusevangelium zu vertrauen.

Wieso dann allerdings Jesus über seinen leiblichen Vater Joseph von David und Abraham abstammen soll, wie es ja auch nach den Aussagen des Alten Testamentes für den Messias unzweideutig prophezeit und sogar von Gott selbst persönlich versprochen worden ist, dennoch aber Maria ihn als Jungfrau vom Heiligen Geiste empfangen hätte, wie es bei Matthäus und Lukas berichtet wird (Mt 1, 18 und Lk 1, 35), bleibt ein weiteres, für uns kaum zu lösendes Rätsel.

Nach der Lehre der Kirche soll Maria übrigens ihr ganzes Leben lang Jungfrau geblieben sein, obwohl alle vier Evangelien, die Apostelgeschichte, die Paulusbriefe und der Brief des Apostels Judas ausdrücklich und unzweideutig von den Brüdern und Schwestern Jesu berichten. Und zwar soll Jesus mindestens vier Brüder gehabt haben, nämlich Jakobus, Joses, Judas und Simon. Nach Eusebius (260-339), dem Bischof von Caesarea und ersten Verfasser einer Kirchengeschichte, sollen Nachkommen des Judas noch zur Zeit Domitians gelebt haben. Die Kirche, die der Jungfräulichkeit Mariens eine hohe Bedeutung zumisst, interpretiert diese Geschwister Jesu lediglich als nahe Verwandte. Ich will dieser Interpretation zwar nicht widersprechen, doch sehe ich keine Notwendigkeit dafür, dass die Kirche der Jungfräulichkeit Mariens diese hohe Bedeutung zumisst.

Auf die weiteren Diskrepanzen im Zusammenhang mit der Geburt Jesu, etwa auf den Kindermord zu Bethlehem, der sich offenbar geschichtlich nicht nachweisen lässt, will ich nicht näher eingehen. Ebenso wenig auf die gelegentlich vorgebrachte Deutung, Stammbaum, Geburt in Bethlehem, Kindermord und Flucht nach Ägypten seien deshalb "erfunden" worden, um so auf die Worte von Propheten verweisen zu können, die damit in Erfüllung gegangen wären. Man wird kaum fehlgehen, wenn man die erbaulichen Weihnachts- und Kindheitsgeschichten Jesu als fromme Legenden ansieht. Wenn sie aber von Matthäus und Lukas als Legenden berichtet werden, als Legenden, die man dann erst später wörtlich zu nehmen begann, dann mag den Evangelisten in diesem Punkte der Vorwurf der Lüge erspart bleiben. Sind diese Teile der Berichte etwa so zu verstehen?