Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

4.      Erkenntnis
4.7    Wozu brauchen wir eigentlich Gottesbeweise ?

Gottesbeweise fallen in das Fachgebiet der Philosophie und Theologie, und es sind in der Regel auch hauptsächlich Philosophen und Theologen, die sich mit Gottesbeweisen beschäftigen. In der pastoralen Praxis hingegen ist das Thema der Gottesbeweise eines der unwesentlichsten überhaupt. Nur selten sucht die Glaubensüberzeugung ihren Weg über die verstandesmäßige Erkenntnis, wie sie etwa aus Gottesbeweisen resultieren könnte. Denn wer gelangt schon dadurch zum Glauben, dass ihm in einer mehr oder weniger formalen Beweisführung die Existenz Gottes überzeugend dargelegt wurde? Wenn man gläubige Menschen fragt, warum sie glauben, wer nennt da schon Gottesbeweise? Es dürfte eine verschwindende Anzahl sein.

Der Mensch glaubt, weil auch seine Eltern geglaubt haben. Er glaubt, weil er im Glauben erzogen wurde. Er glaubt, weil andere Menschen, mit denen er verkehrt, ebenfalls glauben. Er glaubt, weil die Bibel ihm als Autorität erscheint. Er glaubt, weil er ängstlich ist, es könnte doch einen Gott geben, und dieser Gott würde von ihm diesen Glauben fordern. Er glaubt schließlich, weil sein Glaube ihm Trost und Hilfe anbietet. Mancher glaubt sogar, weil er ein persönliches Erlebnis, eine sogenannte Gotteserfahrung verspürt hat. Aber wer glaubt schon, weil er einen philosophischen Gottesbeweis nachvollzogen hat?

Diesen Sachverhalt hat Demosthenes Savramis (geb. 1925) meines Erachtens besonders gut zum Ausdruck gebracht. In seinem Artikel "Die Radikalität des christlichen Glaubens" stellt er fest, dass eine religiöse Frage mit rationalen Argumenten nur teilweise zu beantworten sei und begründet dies mit den Worten:

Denn im Bereich des religiösen Glaubens treten Phänomene auf, über die schlicht zu sagen ist: Wer an diese Dinge glaubt, bedarf keiner Beweise; für denjenigen dagegen, der nicht an sie glaubt, gibt es keine Beweise.

Während Kant in seinem berühmten Werk "Kritik der reinen Vernunft" eine Widerlegung der Schlüssigkeit von Gottesbeweisen vorgelegt hat, postuliert er in seinem zweiten berühmten Werk, in der "Kritik der praktischen Vernunft" die menschliche Freiheit, die Unsterblichkeit der Seele und die Existenz Gottes. Er postuliert sie, dies ist etwas grundsätzlich anderes als es ein Beweis wäre. Und insofern macht er aus der Not noch eine Tugend, indem er sagt:

Es ist gut, dass wir nicht wissen, sondern glauben, dass ein Gott sei.

Quirin Hounder sagt in seinem Buch "Die Gottesbeweise" im Nachwort, wo er die Ergebnisse seines Buches nochmals kurz zusammenfasst:

Die Gottesbeweise vermitteln trotz rationaler Evidenz nicht eine absolute Gewissheit. Dies schon gar nicht im Sinne der Mathematik, zumal, wenn diese mit der Anschaulichkeit der exakten Naturwissenschaft verbunden ist. Gott liegt außerhalb dieser Größenordnung. Es gibt in der Welt auch genug Aspekte, die den Gegengedanken aufkommen lassen, Gott sei nicht. Es ist daher ein Spielraum des Zweifels gegeben. Der Mensch kann auf Vernunftweg zu Gott kommen, er muss es aber nicht.

Gottesbeweise, die früher einmal voller Stolz präsentiert wurden, sind äußerst fraglich geworden. Aber was besagt das schon? Vielleicht sogar sollte man froh darüber sein, denn nicht in hochwissenschaftlichen Überlegungen soll man Gott suchen, sondern in gläubigem Vertrauen und in der Liebe, die man selbst praktiziert.

Für die Wissenschaft mögen Gottesbeweise ihren Wert haben. Wenn sie tatsächlich schlüssig sind, führen sie zu einer Erkenntnis, zu einem Wissen, allerdings nur auf einer ersten Stufe. Denn die bloße Existenz Gottes besagt ja noch nichts darüber, ob es überhaupt eine Beziehung zwischen Gott und uns Menschen gibt und, wenn ja, welcher Art diese Beziehung ist. Für den Glauben jedoch stehen gerade diese Fragen im Vordergrund. Antworten hierauf gibt die Offenbarung und die Lehre der Kirche.