Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

4.      Erkenntnis
4.4    Der teleologische Gottesbeweis

Beim teleologischen Gottesbeweis geht man von der Beobachtung aus, dass die Welt und insbesondere die belebte Schöpfung eine deutlich erkennbare sinnvolle Ordnung aufweisen. Da man diese Ordnung allenthalben in der Natur erkennen kann, liegt die Schlussfolgerung auf der Hand, dass diese großartige Konzeption nicht aus dem Zufall heraus entstanden sein könne, dass vielmehr dieser Welt ein Schöpfungsplan zugrundegelegen haben müsse. Das Weltall müsse also von einem großen Planer und Schöpfer entworfen worden sein. Diesen Planer und Schöpfer nennen wir Gott.

Diese Beweisführung klingt zunächst äußerst plausibel. Selbst Kant, der die Beweiskraft aller klassischen Gottesbeweise bestritten und nach Meinung vieler Philosophen auch widerlegt hat, zollte diesem Beweis Respekt. Dennoch aber billigt er ihm keine wissenschaftliche Geltung zu. Soweit der Beweis wirklich schlüssig sei, führe er nach Kant allenfalls zu einem Planer, nicht jedoch zu einem Schöpfer der Welt. Dennoch konnte man eine plausible Erklärung für den offensichtlich geordneten und zweckmäßigen Aufbau der Welt zunächst noch nicht finden, ohne eine Ursache außerhalb dieser Welt heranzuziehen

Ein neuer Gesichtspunkt ergab sich durch die Erkenntnisse von Charles Darwin (1809-1882). Nach seiner Evolutionstheorie haben sich die verschiedenen Arten innerhalb der belebten Welt im Laufe vieler Jahrtausende oder auch Jahrmillionen aus ersten Anfängen heraus allmählich bis zu der heute unübersichtlichen Vielfalt entwickelt. Heute zweifelt kaum jemand noch daran, dass diese Ordnung innerhalb der belebten Welt allein durch das Walten des Zufalls als Ergebnis des Wirkens von Mutation und Selektion zustande kam. Dieser Prozess als solcher wird auch von kirchlicher Seite kaum noch geleugnet, aber natürlich auf das Wirken Gottes zurückgeführt. So verlor die teleologische Beweisführung einen großen Teil ihrer bisherigen Überzeugungskraft.

Somit stellt sich die Frage, ob die Welt in ihrer heutigen Gestalt allein aus einem Zufall heraus entstanden sein könne, in einem anderen Zusammenhang. Hierbei geht es um drei Fragen, die kosmischen Voraussetzungen, die Entstehung des ersten Lebens und die Entwicklungskette bis hin zum Menschen. So fragt man nach der Wahrscheinlichkeit für das Entstehen eines Sonnensystems, bei dem auf einem seiner Planeten die klimatischen und sonstigen Bedingungen vorliegen, wie sie für die Entstehung und Entwicklung des Lebens vorausgesetzt werden müssen. Was die Entstehung des ersten Lebens betrifft, so werden diverse Versuche unternommen, dies im Labor nachzuvollziehen. Schließlich hätte die Entwicklungskette die unterschiedlichsten Wege gehen können und musste nicht unbedingt bis zum Menschen führen.

Es ist äußerst schwer, die Wahrscheinlichkeit dafür abzuschätzen, dass die Welt durch bloße Entwicklung und ohne den Eingriff eines überlegenen Planers zu dem geworden ist, was sie heute ist. Es darf daher auch niemanden wundern, dass hierbei unterschiedliche Ergebnisse gefunden werden. Die einzelnen Annahmen, die hier getroffen werden, beruhen leider nicht immer auf redlichen und objektiven Überlegungen. Vertreter des teleologischen Argumentes pflegen diese Annahmen nämlich in der Regel so zu wählen, dass eine Erklärung der heutigen Welt auf dem Wege über eine natürliche Entwicklung wegen einer äußerst geringen Wahrscheinlichkeit zu Schwierigkeiten führt. Vertreter des reinen Evolutionsargumentes dagegen wählen diese Annahmen üblicherweise so, dass sich das umgekehrte Ergebnis ergibt.

Meines Erachtens ist der Streit um die Wahrscheinlichkeit völlig überflüssig. Solche Betrachtungen mögen sinnvoll sein, wenn es um die Frage geht, ob auf anderen Gestirnen ebenfalls vernunftbegabte Wesen vermutet werden dürfen. Für die Frage hingegen, ob die heutige Welt über das Evolutionsgeschehen erklärt werden kann, oder ob ein unmittelbares Eingreifen Gottes postuliert werden müsse, sind diese Betrachtungen meines Erachtens völlig ungeeignet. Ich kam bei meinen Überlegungen nämlich zu dem Schluss, dass die Frage nach der Höhe dieser Wahrscheinlichkeit hierzu weitgehend unwichtig ist. Um zu verdeutlichen, warum dies so sei, führe ich ein kleines, aber äußerst instruktives Beispiel an:

Ein Mann wollte feststellen, wie hoch im Durchschnitt die Wahrscheinlichkeit sei, dass der Straßenverkehr durch herabgesenkte Eisenbahnschranken gesperrt wird, und wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, dass der Verkehr an Bahnübergängen freie Fahrt hat. Da es ihm viel zu mühsam und zeitraubend erschien, auf der Straße von einem Bahnübergang zum nächsten zu gelangen, hatte er einen, wie er glaubte, genialen Einfall, der ihm die Arbeit erleichtern sollte. Er wollte die Lösung seiner Aufgabe nämlich dadurch beschleunigen, dass er mit der Eisenbahn fuhr und vom Zug aus seine Beobachtungen unternahm. Und siehe da, wo immer auf der Strecke er einen Bahnübergang erblickte, da waren die Eisenbahnschranken heruntergelassen und sperrten den Straßenverkehr. Dieser Mann kam daher zu der bemerkenswerten Schlussfolgerung, dass der Straßenverkehr nahezu immer durch heruntergelassene Eisenbahnschranken gesperrt sei.

Der Fehler in dieser Schlussfolgerung liegt natürlich auf der Hand. Die Beobachtungen selbst waren zwar korrekt, aber der Mann beobachtete die Eisenbahnschranken immer nur dann, wenn gerade ein Zug vorbeikam. Zu anderen Zeitpunkten konnte der Mann auch überhaupt keine Beobachtungen anstellen, denn er saß ja selbst in dem Zug, der das Herablassen der Schranken bewirkt hatte. Wie groß diese anderen Zeiten auch immer gewesen sein mögen, zu denen der Straßenverkehr freie Fahrt hatte, er konnte sie überhaupt nicht beobachten, weil er zu diesen Zeiten eben nicht da war.

Wir neigen vielleicht dazu, über diesen Mann im Stillen zu lachen. Aber ist nicht die Situation von uns Menschen haargenau die gleiche, wenn wir Wahrscheinlichkeitsaussagen über das Evolutionsgeschehen treffen wollen. Wir stehen ja nicht als unabhängige Beobachter außerhalb dieses Evolutionsgeschehens, wir sind vielmehr ein Produkt desselben. Wir beobachten doch ausschließlich unsere Welt, das eine Universum, in dem wir selbst leben. Wenn wir nicht in dieser Welt lebten, könnten wir sie auch nicht beobachten. Eine andere Welt, eine andere Zeit, ein anderes Universum, in dem wir selbst nicht leben, können wir natürlich nicht beobachten. Man darf also nur solche denkbaren Welten berücksichtigen, in denen zum mindesten ein entsprechender Beobachter vorhanden ist, in denen also all die vielen Grundvoraussetzungen bereits gegeben waren, die zur Entwicklung der Spezies Mensch oder eines anderen, ähnlich hoch entwickelten Lebewesens als notwendig betrachtet werden müssen. Die Existenz des Beobachters müsste also schon vorausgesetzt werden, denn ohne ihn könnte nichts beobachtet werden. Wie groß auch immer die Wahrscheinlichkeit dafür angesetzt werden muss, dass die Evolution den Weg von den kosmischen Voraussetzungen über die ersten Anfänge des Lebens bis hin zu einer Entwicklung des Menschen nicht vollendet, diese Möglichkeiten des Scheiterns sind und bleiben uns verschlossen. Wir dürfen sie nicht in unsere Berechnung einbeziehen, denn niemand hätte sie beobachten können. Wir sitzen ja selbst in dem Zug drin, wie wollen wir etwas über das Verhalten der Eisenbahnschranken aussagen! Der Zug, in dem wir sitzen, das ist unsere Welt und unsere Zeit. Die endlos vielen anderen Welten, von denen wir annehmen müssen, dass es sie irgendwann im Laufe der Zeit gegeben habe, wenn wir mit dem Begriff der Ewigkeit wirklich Ernst machen, haben wir nicht beobachten können, weil wir eben nicht zu der damaligen Zeit gelebt haben, sondern heute leben.

Natürlich ist der Grundgedanke des teleologischen Gottesbeweises mit diesen Überlegungen noch nicht vollkommen hinfällig geworden, er muss nur gewaltig reduziert, modifiziert und neu überdacht werden. So kann man fragen, wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür anzusetzen ist, dass ein bereits vorhandener vernunftbegabter Beobachter wie etwa der Mensch bei seinen Beobachtungen eine Welt zu sehen bekommt, die diese sinnvolle Ordnung sowie diese Artenvielfalt aufweist, wie es unsere Welt tut. Die Existenz des Beobachters muss also schon vorausgesetzt werden, denn ohne ihn könnte nichts beobachtet werden. Wenn man in dieser Richtung weiter denkt, dann bieten sich sicher noch einige brauchbare Ansätze für einen teleologischen Ansatz an, nur ist eben die Basis für diesen Ansatz wesentlich schmäler geworden.

Auch entbehrt die Annahme, dass aus einer leblosen Materie ohne Mitwirkung eines lebendigen Schöpfers gleichsam als Zufallsprodukt Leben entstanden sein soll, nicht gewisser Bedenken, besonders, wenn man das geheimnisvolle Phänomen des Bewusstseins ins Auge fasst. Die chemischen Voraussetzungen, mögen sie auch noch so komplex sein, lassen sich noch ohne Schwierigkeit allein auf Grund des Zufalls erklären. Auch der Mechanismus des Lebens, der Genetik und der Fortpflanzung mit all seinen Konsequenzen mag sich ebenfalls noch chemisch erklären lassen. Das Phänomen des Bewusstseins jedoch bleibt ein Geheimnis, das aus meiner Sicht alle atheistischen, materialistischen und pantheistischen Deutungsversuche der Welt mit einem großen Fragezeichen versieht.