Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

4.      Erkenntnis
4.3    Der kosmologische Gottesbeweis

Beim kosmologischen Gottesbeweis fragt man nach der allerersten Ursache der Welt und allen Lebens. Wenn man bei dieser Überlegung gedanklich die Kausalitätskette jeglicher Schöpfung in die Vergangenheit hin zurückverfolgt, so stößt man schließlich auf den Begriff einer allerersten Ursache, auf den Urgrund allen Seins, auf den Schöpfer, von dem alles andere seinen Ausgang genommen hat. Diese allererste Ursache, dieser Urgrund allen Seins, dieser Schöpfer, so nimmt man nunmehr an, ist Gott.

Dies ist die einfache und populäre Form des kosmologischen Gottesbeweises. In der Philosophie argumentiert man allerdings mit einer mehr wissenschaftlichen Form dieses Beweises und nennt ihn dann den Kontingenzbeweis. Kontingenz ist ein Begriff der scholastischen Philosophie und bedeutet die Zufälligkeit bezüglich des Seins. Ein kontingentes Wesen ist demnach ein solches, das auch anders oder überhaupt nicht sein könnte.

Bei dieser Beweisführung geht man davon aus, dass alle irdischen Dinge nur zufällig existieren, also kontingent sind. Es wäre nämlich durchaus möglich, dass sie nicht oder in anderer Weise existierten. Ihre Existenz und ihr So-Sein sind also nicht notwendig. Wenn dies so ist, dann muss es auch irgendwann einmal eine Zeit gegeben haben, zu der all diese kontingenten Dinge tatsächlich nicht gewesen sind, zu der also überhaupt nichts gewesen ist. Dann aber könnte auch heute nichts sein. Denn was nicht ist, fängt nur an zu sein durch etwas, was bereits ist. Das ist aber offenkundig falsch, denn wir selbst und die Welt um uns her existieren ja. Deshalb können nicht alle Dinge in ihrer Existenz bloß möglich sein. Es muss irgendetwas geben, dessen Existenz notwendig ist.

Weiter wird argumentiert, jedes notwendige Sein habe den Grund seiner Notwendigkeit entweder in einem anderen oder in sich selbst. Da die Folge der notwendigen Dinge, deren Notwendigkeit von etwas anderem verursacht wird, nicht ins Unendliche fortgeführt werden kann, muss ein Ding oder Wesen als existent angenommen werden, das aus sich selbst heraus notwendig ist und anderem seine Notwendigkeit verleiht. Dieses aus sich selbst heraus notwendige Sein jedoch nennen wir Gott.

Schon Kant hält den Satz, dass es ein absolut notwendiges Wesen gebe, das zugleich auch das allerrealste sei, für ein dialektisches Spiel mit Worten, für ein Blendwerk der formalen Logik, das der kosmologische Beweis dem ontologischen verdankt, indem er die Begriffe vollkommen, allerrealst und notwendig unzulässig vermengt. Übrigens hat Alfred Jules Ayer auch in Richtung einer Widerlegung dieses Gottesbeweises einiges beigetragen.

Ich habe versucht, wenigstens einige Stichpunkte zur Beweisführung und Widerlegung anzuführen. Die Beweisführung selbst sowie die Widerlegungsversuche sind derart komplex, dass sie im Rahmen dieses Buches keinen sinnvollen Platz finden. Diese kurzen Anmerkungen mögen genügen. Es kann nicht mein Ziel sein, die diversen subtilen Argumente für und gegen den kosmologischen Gottesbeweis im einzelnen aufzuführen. Ich will lediglich zeigen, in welche Richtung meine Gedanken gingen, mögen sie nun richtig oder falsch sein. Jedenfalls hat mich der kosmologische Gottesbeweis, wie ich ihn in der Literatur gefunden habe, nicht überzeugt.