Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

4.      Erkenntnis
4.2    Der ontologische Gottesbeweis

Der ontologische Gottesbeweis geht auf Anselm von Canterbury (1033-1109) zurück. Er hat diese Beweisführung in seiner Schrift "Proslogium" aufgestellt. Dieser ontologische Gottesbeweis ist der umstrittenste unter den verschiedenen Gottesbeweisen. Denn manche sehen in ihm den klarsten und zwingendsten unter all den Beweisen, sie möchten ihn am liebsten als König unter den Gottesbeweisen sehen. Andere wieder halten diese Beweisführung für ein grandioses Spiel mit Worten, dem kein tieferer Sinn innewohnt.

Der ontologische Gottesbeweis geht davon aus, dass man den Begriff eines vollkommenen Wesens bilden kann. Wenn jedoch dieses vollkommene Wesen gar nicht existieren würde, so würde ihm ein Element an seiner Vollkommenheit fehlen. Es wäre nicht mehr das vollkommenste Wesen, denn ein ebensolches Wesen, das außerdem noch den zusätzlichen Vorzug besäße, dass es tatsächlich existiert, das wäre durch diesen zusätzlichen Vorzug zweifellos noch vollkommener. Also ist das wirklich vollkommenste Wesen ein solches, das nicht nur alle positiven Eigenschaften in höchster Vollkommenheit in sich vereinigt, sondern das außerdem auch noch tatsächlich existiert. Dieses vollkommenste Wesen nennen wir Gott.

In meinen Augen liegt die Kritik am ontologischen Gottesbeweis auf der Hand. Ich persönlich vermag in dieser Beweisführung im Grunde nicht mehr als eine ausgesprochene Spitzfindigkeit erblicken, und es bleibt mir weitgehend unverständlich, dass gelehrte und kluge Frauen und Männer diese Art einer Beweisführung überhaupt jemals akzeptiert haben und zum Teil sogar heute noch akzeptieren.

Natürlich ist damit der ontologische Gottesbeweis nicht formell widerlegt, vielmehr habe ich mit dieser Stellungnahme meinen persönlichen Eindruck von dieser Beweisführung wiedergegeben, und ich bin sicher, mit dieser Empfindung nicht allein zu stehen. Um aber den ontologischen Gottesbeweis auch formell zu widerlegen, muss man etwas weiter in die Tiefe gehen.

So hat Kant darauf hingewiesen, dass die Definition eines Gegenstandes nur Eigenschaften dieses Gegenstandes nennen darf, Eigenschaften, die ein betrachtetes Objekt besitzen muss, damit es der Definition genügt. Die Existenz des Gegenstandes sei aber in diesem Sinne keine Eigenschaft, sie ergebe sich vielmehr aus der Definition, wenn nämlich ein derartiger Gegenstand gefunden werde.

Später wurde darauf verwiesen, dass es durchaus Fälle geben mag, in denen diese allgemeine Regel durchbrochen wird, und die Existenz eines Gegenstandes Teil der Definition sein kann. So gehört zum Beispiel zur Definition eines Fabelwesens, dass es eben nicht existiert.

Der Philosoph Alfred Jules Ayer (geb. 1910) hat jedoch im Jahre 1976 in seinem Werk "Die Hauptfragen der Philosophie" nachgewiesen, dass auch mit diesem Kniff der ontologische Gottesbeweis nicht zu retten ist. Er gab hierbei durchaus zu, dass es zur Definition Gottes als des vollkommensten Wesens durchaus gehören mag, dass dieses Wesen als existierend gedacht werden müsse. Trotzdem könne man die Frage, ob der durch diese Definition erklärte Subjektbegriff auch eine Anwendung habe, durchaus sinnvoll verneinen.

Übrigens wird der ontologische Gottesbeweis nicht nur dazu benutzt, die Existenz Gottes zu beweisen. Denn auf diese Art ließen sich natürlich sämtliche allüberragenden Eigenschaften Gottes belegen. Denn ein ewiger, allmächtiger und allwissender Gott, um nur einige dieser Eigenschaften zu nennen, ist sicher ein wesentlich vollkommeneres Wesen als ein Gott, der diese Eigenschaften nicht besäße. Will man jedoch hieraus den Schluss ziehen, nur deshalb, weil der Besitz dieser Eigenschaften ihn größer erscheinen ließe, nur deshalb allein würde es bereits feststehen, dass Gott diese Eigenschaften auch in Wirklichkeit besitzen müsse, dann beruht eine solche Schlussfolgerung meines Erachtens auf den gleichen Scheinargumenten wie der ontologische Gottesbeweis überhaupt. Trotzdem wird diese Beweisführung gelegentlich verwandt, zumal sie auf besonders bequeme Art alles auf einmal pauschal abzudecken verspricht.