Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

4.      Erkenntnis
4.1    Gottesbeweise

Wenn ich die Wahrheit über Gott erkennen will, dann mögen Gottesbeweise einen Weg hierzu versprechen, die so zu gewinnende Erkenntnis wird voraussichtlich jedoch nur rudimentärer Art sein. Denn schon der Begriff Gottesbeweis verspricht zunächst nicht mehr als einen Beweis dafür, dass es überhaupt einen Gott gibt. Angesichts dessen jedoch, was wir über Gott wissen wollen, dürfte das allenfalls einen ersten Schritt bedeuten.

In der Theologie, besonders der katholischen Theologie, mögen Gottesbeweise durchaus einen zentralen Platz einnehmen. In der pastoralen Praxis werden sie eher als nebensächlich betrachtet.

Im Mittelalter lehrten die Theologen, dass die Existenz Gottes sowie einige seiner wesentlichen Eigenschaften bewiesen werden könnten. Die großen philosophischen Denker des Mittelalters, allen voran Thomas von Aquin (1225-1274), kannten eine Vielzahl von Gottesbeweisen. Die wesentlichen Grundgedanken dieser Gottesbeweise rühren aus dem Gedankengut von Platon (427-347 vor Christus) und Aristoteles (384-322 vor Christus). Thomas von Aquin führte sie in die christliche Theologie ein. Seine theologischen Werke bilden übrigens auch heute noch einen wesentlichen Bestandteil der offiziellen katholischen Theologie. Dem Laien dagegen, sogar dem modernen Philosophen, fällt es heutzutage vielfach schwer, diese alten Gottesbeweise nachzuvollziehen, denn unsere Denkstrukturen lassen sich mit denen der damaligen Zeit nur noch sehr bedingt vergleichen. Wo etwas damals als schlüssiger Beweis galt, dort sieht man heute Lücken in der Beweisführung. Heute stehen Philosophen vielfach auf dem Standpunkt, unser menschlicher Verstand sei überhaupt nicht in der Lage, gültige und zwingend bewiesene Aussagen über die Existenz Gottes zu machen.

Die drei wichtigsten von diesen Gottesbeweisen sind
-- der ontologische Gottesbeweis,
-- der kosmologische Gottesbeweis und
-- der teleologische Gottesbeweis.

Einige weitere werde ich noch kurz erwähnen. Dabei werde ich auch versuchen, Klarheit darüber zu gewinnen, ob und wieweit Gottesbeweise überhaupt zwingend sein können. Eines aber scheint festzustehen, mögen sie nun zwingend sein oder nicht, die Gottesbeweise überzeugen zwar den einen oder anderen, aber eine allgemeine Überzeugung wird ihnen nicht zuteil.

Die Kritik an diesen Gottesbeweisen wird zu einem großen Teil von der Arbeit Immanuel Kant's (1724-1804) bestimmt, den man vielfach den größten Philosophen Deutschlands, wenn nicht der ganzen Welt zu nennen pflegt. Nach Kant kann es grundsätzlich nur die drei genannten Typen von Gottesbeweisen geben, den ontologischen, den kosmologischen und den teleologischen Gottesbeweis. Kant geht davon aus, als erstes den ontologischen Gottesbeweis widerlegt zu haben. Sodann führt er aus, dass der kosmologische Gottesbeweis auf den ontologischen zurückzuführen sei, sodass damit auch dieser widerlegt sei. Als letzten betrachtet er den teleologischen Gottesbeweis, dessen Wert er noch am höchsten einschätzt. Aber auch für diesen Beweis glaubt er, gezeigt zu haben, dass man allenfalls auf einen Ordner schließen dürfe, dass aber die Schlussfolgerung auf einen Schöpfer, also auf Gott, unzulässig sei.

Ob allerdings diese Beweisführungen Kant's als schlüssig anzusehen sind, darüber waren und sind sich Befürworter und Gegner nicht einig. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass heute, sieht man vom katholischen Lager ab, nur noch wenige Philosophen die Gültigkeit der Gottesbeweise vertreten.