Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

3.      Zum Glaubensinhalt
3.3    Unterschiedliche Antworten auf die Frage nach Gott

Wenn die Frage nach Gott gestellt wird, dann kann ich mir drei mögliche Antworten vorstellen. Jede dieser drei Alternativen findet ihre Vertreter.

Die erste lautet: Es gibt keinen Gott. Atheisten sprechen dies eindeutig aus. Andere setzen die Schwerpunkte etwas anders, was jedoch weitgehend auf dasselbe herauskommt. Ob man den Materialismus, den Kommunismus, den Pantheismus betrachtet, letztlich handelt es sich jeweils um eine Weltanschauung, in der Gott keinen Platz findet.

Die zweite mögliche Antwort findet sich im sogenannten Deismus. Hierbei wird die Existenz Gottes zwar nicht geleugnet, wohl aber die Beziehung Gottes zu uns Menschen. Gott wird als so groß, so fern, so ganz anders angesehen, dass er zu den Menschen, zum mindesten zu dem einzelnen Menschen keinerlei Beziehung hat, sich in keiner Weise für ihn interessiert.

Eine solche Argumentation ist für den Glauben an Gott fast noch gefährlicher als das einfache Leugnen der Existenz Gottes. Und ich habe auch nur wenig Argumente gefunden gegen diese Annahme, die doch offenbar die Wirklichkeit um uns derart gut zu erklären in der Lage ist. Auch der fundamentale Größenunterschied zwischen Gott und uns spricht nicht gerade dagegen. Für den Menschen macht es in letzter Konsequenz keinen Unterschied, ob die erste oder die zweite Möglichkeit zutrifft, in beiden Fällen wird von einer Welt ohne Gott ausgegangen, zum mindesten jedoch ohne eine persönliche Beziehung zwischen Mensch und Gott.

Erst die dritte Annahme, dass nämlich Gott nicht nur existiert, sondern dass er darüber hinaus das Handeln der Menschen beobachtet und bewertet, und dass er gezielt auf uns Menschen einwirkt, sei es jetzt oder in der Zukunft, gegebenenfalls nach unserem leiblichen Tode und über die Ewigkeit hinweg, begründen ein intensiveres Interesse des Menschen an der Frage nach Gott. Aber die Beziehung Gottes zu uns Menschen erhält für uns erst dann ihr volles Gewicht, wenn wir selbst die Möglichkeit besitzen, gezielt etwas zu tun, um das Handeln Gottes zu unseren Gunsten zu beeinflussen, etwa durch Gebete oder durch ein Gott wohlgefälliges Leben, und dass wir Gott so dazu veranlassen können, uns seine Gnade zuzuwenden. Dabei steht es von vornherein nicht einmal fest, ob das, was wir üblicherweise ein Gott wohlgefälliges Leben nennen, dies auch wirklich ist, oder ob Gott dies ganz anders sieht. Erst dann, wenn wir uns auf die Aussagen der Religion, also auf eine angebliche oder tatsächliche Offenbarung Gottes beziehen, haben wir hierzu eine Antwort, und zwar hoffentlich die richtige.

Die bloße Existenz eines Gottes, mag er auch noch so bewunderungswürdig und großartig sein, und mögen wir ihm auch alles und jedes schulden, was wir sind und haben, berührt uns letztlich nur in sehr geringem Maße, wenn es zwischen Gott und uns keine reale Brücke gibt, wenn nämlich Gott keine persönliche Beziehung zu uns Menschen aufnimmt und auch uns Menschen keine Beziehung zu sich aufnehmen lässt, wie der oben bereits erwähnte Deismus voraussetzt. In diesem Fall wäre die Frage nach Gott nur für Fachgelehrte und Lehrbücher relevant, allenfalls noch als Teil der Allgemeinbildung. Zu einem ähnlichen Ergebnis kann man sogar gelangen, wenn man von der Aussage ausgeht, dass Gott sich von uns Menschen nicht "manipulieren" lässt, und diese Aussage auf die Erhörung von Gebeten sowie auf die Belohnung beziehungsweise Bestrafung im Jenseits ausdehnt. Auch das kommt dem Deismus recht nahe.

Ich hatte bereits erwähnt, dass die Art der Einwirkung auf zweierlei Art denkbar ist. Gott kann auf den einzelnen in diesem Leben einwirken. Und immer dann, wenn wir zu Gott für irdische Güter, für Gesundheit und Glück beten, dann setzen wir doch offenbar diese Art der Einwirkung voraus. Für die zweite Art der Einwirkung stellen wir uns vor, dass Gott den Menschen nach dessen Tod belohnt oder bestraft, wie dies die Kirche lehrt. Dies setzt voraus, dass der Mensch eine unsterbliche oder zum mindesten eine den Tod überdauernde Seele besitzt.

Es wäre also völlig verfehlt, wollte man über die Bedeutung Gottes lediglich in einer Weise nachdenken, die ausschließlich von der grenzenlosen Absolutheit Gottes ausgeht, wie es im Deismus geschieht. Man muss diese Überlegungen vielmehr dadurch ergänzen, dass man auch über die Bedeutung Gottes für uns Menschen reflektiert, sonst bleibt die Frage nach Gott in ihrer letzten Konsequenz nicht mehr als ein philosophisches Denkspiel, das für den Menschen selbst und für sein Leben keinerlei praktische Bedeutung hat. Zu welchen Ergebnissen diese Überlegungen führen, mag auf einem anderen Blatt stehen.