Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

2.      Zum Begriff des Glaubens
2.3    Negative Ausprägungen des Glaubens
2.3.2 Glaube als Hilfsmittel für Machthaber

Schon im vorchristlichen Altertum hat man die Erfahrung gemacht, dass die Religion ein ungemein festes Band darstellt, das nicht nur einerseits dem einzelnen Menschen Halt und Stärke zu geben vermag, und das nicht nur den kulturellen Zusammenhalt eines Volkes wirksam zu unterstützen in der Lage ist, sondern das auch andererseits in der Hand einer skrupellosen und nach Macht und Reichtum strebenden Priester- oder Führerschaft zu Manipulationen allergrößten Ausmaßes dienen kann. Rücksichtslose weltliche und religiöse Führer konnten mit Hilfe der Religion ihre Macht leichter vergrößern und sichern. Andererseits konnte aber auch in der Hand eines weitblickenden, staatsmännisch denkenden Reformers dagegen mit diesem Instrument der Gemeinschaft ein unschätzbarer Dienst erwiesen werden. So stellt man heute fest, dass viele Gebote wie zum Beispiel das Verbot des Essens von Schweinefleisch (Trichinengefahr) und das Gebot religiöser Waschungen (Hygiene) weniger für die jeweilige Gottheit, als vielmehr zum Nutzen der betreffenden Menschen aufgestellt sein mögen. Auch die für die Christen verbindlichen zehn Gebote bilden da keine Ausnahme.

Immer schon hat es skrupellose Menschen gegeben, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, andere Menschen mit dem Instrument des Glaubens zu beherrschen und für ihre persönlichen Ziele zu missbrauchen. Sie bedienten sich des christlichen Glaubens ebenso wie zu anderen Zeiten und unter anderen Umständen des heidnischen Glaubens. So wurden die blutigsten Kriege und die skrupellosesten und teuflischsten Grausamkeiten vielfach im Namen des Glaubens durchgeführt. Auch bei den Terroraktionen von sogenannten Islamisten gibt es Drahtzieher, die den Glauben als Instrument für ihre weltlichen Ziele missbrauchen. Auf einer ähnlichen Ebene liegt es übrigens, wenn in den letzten Jahrhunderten häufig an Stelle einer Gottheit auch andere "Götzen" bevorzugt wurden. Hierzu zählen zum Beispiel die Idee des Vaterlandes, die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, das Prinzips der Freiheit sowie der Begriff der Ehre. Und in all diesen Fällen hat es auch die anderen Menschen gegeben, die selbst nicht zu unterscheiden gelernt hatten, und die daher zu willenlosen Werkzeugen solcher Demagogen geworden sind.

Wenn ich über den Missbrauch der Religion spreche, ist dies natürlich keineswegs gegen den Glauben gerichtet. Vielmehr beleuchtet es den Charakter von Menschen, die andere manipulieren und jede Kritik mit dem Hinweis auf einen angeblichen Willen Gottes zurückweisen.

Aber selbst hierbei hat es immer schon Menschen in führender Position gegeben, die zwar ehrlich und guten Willens waren, jedoch nicht die notwendige Fähigkeit besaßen, den Geist vom Buchstaben zu unterscheiden. Auch solche Menschen haben schon viel Unheil über die Welt und über die Menschen gebracht. Im Evangelium steht hierzu das bezeichnende Wort: "Wenn aber der Blinde den Blinden führt, fallen beide in die Grube. (Mt 15, 14).

Daher sollte man solches Unheil, wie es zum Beispiel die unseligen Hexenverbrennungen des Mittelalters waren, den menschlichen Unzulänglichkeiten und nicht dem christlichen Glauben zur Last legen. Ebenso dürfte es auch sinnvoll sein, selber kritisch über Geist und Buchstabe des Glaubens nachzudenken, um vor derartigen Fehleinschätzungen, soweit dies möglich ist, verschont zu bleiben.

Was die Kirche in der Gegenwart betrifft, so will ich mich selbst eines Urteils enthalten. Es darf aber als erschreckend empfunden werden, dass es überhaupt möglich ist, dass zum Beispiel der katholische Theologe Alfred Loisy dieses bissige Wort sprechen konnte

Jesus hat das Reich Gottes angekündigt, und gekommen ist die Kirche.

Ebenso, dass Theo Löbsack in seinem Buch "Wunder, Wahn und Wirklichkeit" darauf hinweist, dass die Methoden, mit denen die Kirchen ihren Glauben den Menschen nahe bringen, sich in nichts von den Methoden unterscheiden, die man sonst üblicherweise Gehirnwäsche nennt.

Mögen derartige Kommentare berechtigt sein oder nicht, es wäre jedoch nicht verkehrt, in dieser Hinsicht äußerst vorsichtig zu sein. Dies gilt einerseits für die Kirchen und andererseits für jeden einzelnen. Denn die Gefahr, im Eifer für die "gute Sache" hier fehlzugreifen, ist nun einmal vorhanden.