Dr. Gerhard Schuchhardt

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Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

2.      Zum Begriff des Glaubens
2.2    Glauben in seiner religiösen Bedeutung
2.2.4 Hinweise von Gerhard Lohfink und Rupert Lay

Gerhard Lohfink bringt in seinem Buch "Jetzt verstehe ich die Bibel" ein sehr schönes Beispiel, das er auch mit entsprechenden Bildern illustriert und dadurch besonders einprägsam verdeutlicht. In diesem Beispiel sagt eine junge Frau am Telefon zu einem Manne: "Ich liebe dich." Natürlich stellt dieser Satz seiner äußeren Form nach eine konkrete Aussage dar. Seiner eigentlichen Bedeutung nach jedoch muss dieser Satz als ein Bekenntnis, ja, als ein besonders intensives Bekenntnis aufgefasst werden. Wollte der Mann nun diesen Satz etwa als eine Information quittieren und dementsprechend antworten: "Ich nehme es zur Kenntnis.", er würde, wie Lohfink zeigt, den eigentlichen Sinn der Worte verfehlen und vermutlich einiges an Porzellan zerbrechen. Von diesem Beispiel ausgehend demonstriert Lohfink, dass es auch in der Bibel Texte gibt, die nicht als Sachaussagen verstanden werden dürfen.

Bei diesem Beispiel ist es jedem sogleich klar, was da geschieht. Ebenso aber muss man sich nach Lohfink auch fragen, ob es als angemessene Antwort betrachtet werden darf, wenn wir Menschen auf Gottes Liebesbotschaft, die ja einen intensiven Anruf an uns darstellt, lediglich auf der Verstandesebene agieren und antworten: "Ja, Herr, wir halten die Aussage der Bibel und die Lehre der Kirche für wahr." Nein, wir sollten uns angesprochen fühlen. Wir seien zur Umkehr aufgerufen, wie Jesus es immer und immer wieder in seiner Predigt gefordert hat. Sogar sein Wort "Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden; wer nicht glaubt, wird verdammt werden." (Mk 16, 16) verweist nicht auf konkrete theologische Glaubensaussagen mit dem Anspruch auf absolute Wahrheit, denn solche hat Jesus nicht gelehrt. Er sprach vielmehr vom Himmelreich. Er sprach hierbei fast ausschließlich in Gleichnissen. Soweit ich es beurteilen kann, hat er jedoch niemals gefordert, dass wir etwa Theologie betreiben sollten. Vielmehr wollte er, dass wir den Willen des Vaters erfüllen.

Einen anderen aufschlussreichen Hinweis fand ich in dem Buch Credo (Wege zum Christentum in der modernen Gesellschaft) des Jesuiten Rupert Lay. Für manches in meinem Leben fand ich eine Erklärung, als ich las, dass es zwei Formen des Christseins gäbe, durch die Menschen sehr viel radikaler und folgenschwerer unterschieden würden als durch die Zugehörigkeit zu bestimmten Kirchen oder Konfessionen.

Im ersten Falle handele es sich um Menschen, die Religion als verhaltensnormierend verstehen. Bei ihnen erzeuge Religion vielfach Angst, und sie versuchen daher, einen sicheren Halt zu finden, an dem sie sich festhalten können. Diesen Halt glauben sie nicht selten (unter anderem) in Dogmen zu finden, die ihnen die eigene Auseinandersetzung mit dem Glauben ersparen. Gott wird verstanden als die gebietende und bestrafende Instanz. Lay nennt dies extrinsische Religiosität.

Im zweiten Falle hingegen werde Religion als sinngebend empfunden. Angst sei hier ausgesprochen selten, vielmehr verblasse die unübersehbare Vielzahl von Geboten vor dem einen wesentlichen Gebot der Liebe und die Vielzahl der Dogmen vor der einen frohen Botschaft Jesu. Gott wird verstanden als der Liebende, dem man sich ohne Angst überlassen könne. Entsprechend nennt Lay dies intrinsische Religiosität.

Als interessantes Merkmal statistischer Erhebungen weist Rupert Lay noch darauf hin, dass Mischformen zwischen den beiden Typen selten sind. Der Wunsch des religiösen Konservatismus, beide Typen zu einen, sei vermutlich unerfüllbar. Angst erzeugen und von Angst befreien seien Merkmale konkreter Religiosität, die nicht miteinander vereinbar seien.

Auch bei meiner Person trat eine Mischform dieser beiden Typen nicht auf. Vielmehr kam es zunächst zu einem nahezu vollkommenen Bruch mit dem Christentum der Angst, bevor es mir möglich wurde, zu einer Form des Glaubens vorzustoßen, in der ich mich in der Freiheit der Liebe Gottes von dieser Angst befreit fühlte. Es war ein langer und schwieriger Weg für mich, und dieser Weg ist immer noch nicht beendet. Es mag bessere und glattere Wege geben, doch dieses ist der Weg, den ich selbst gegangen bin. Nur diesen Weg kann ich beschreiben.