Dr. Gerhard Schuchhardt

Home

Privat

Buch Glaube

Buch Spiele

Weltall

Beruf

Links

Kontakt

Sitemap

Impressum



Besucher:

Heute: 93
Gesamt: 1058
(seit dem 17.07.2005)

Diese Seiten wurden zuletzt aktualisiert am 13.05.2012

 

1.3 Ein Ungläubiger ?

Der Begriff des "Ungläubigen" wird vielfach negativ beurteilt. Manche Menschen, und früher zählte ich ebenfalls zu diesen, finden es unverständlich, wenn jemand ihren Glauben nicht teilt. Natürlich, wenn ich erkennen würde, dass Gott gesprochen hat, wäre es wirklich unverständlich, wollte ich diesen Worten Gottes keinen Glauben schenken. Mein Zweifel richtet sich aber nicht gegen den Wahrheitsgehalt der Worte Gottes, sondern gegen den menschlichen Übertragungsweg dieser Worte. Die Frage kann und darf also nicht lauten: "Entsprechen die Worte Gottes der Wahrheit?" Sie lautet vielmehr: "Hat Gott dies wirklich verkündet?"

Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden, will ich einerseits klar aussprechen, dass ich der Meinung bin, dass der Inhalt einzelner zentraler Glaubenssätze des christlichen Glaubensbekenntnisses in meinen Augen zu Widersprüchen führt. Diese Widersprüche können meines Erachtens nicht ohne weiteres aufgelöst werden, will man nicht seine Zuflucht zu geradezu unverantwortlichen geistigen Klimmzügen nehmen. Im folgenden werde ich zeigen, wie ich zu einzelnen dieser Ergebnisse gekommen bin. Ich gehe jedoch keinesfalls davon aus, dass andere Menschen, die dies sodann lesen, die gleichen Schlussfolgerungen ziehen. Für mich sind es Widersprüche, und diese kann ich nicht ignorieren. Andererseits lehne ich es ebenso nachdrücklich ab, aus diesen Widersprüchen jene ablehnenden Schlussfolgerungen zu ziehen, die von den Gegnern des christlichen Glaubens üblicherweise gezogen werden. Vielmehr scheue ich mich nicht, grundsätzlich von den Aussagen der christlichen Lehre auszugehen und nur dort von ihnen abzuweichen, wo ich auf Grund meiner Überlegungen konkret zu einem anderen Ergebnis gelangt bin.

Mein Nicht-Glauben ergibt sich also als eine Funktion des Verstandes. Es beruht darauf, dass wesentliche Teile der christlichen Dogmatik mir nicht plausibel erscheinen oder meines Erachtens sogar logische Widersprüche enthalten. Daher bin ich der Meinung, dass diese Teile nicht von Gott geoffenbart, sondern von Menschen aufgestellt wurden. Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass dieses mein höchst persönliches Urteil ist, dem andere durchaus nicht beipflichten müssen. Für meine Person jedoch konnte ich bisher nicht zu einem anderen Urteil gelangen, obwohl ich durchaus nach anderen Erklärungen gesucht habe und auch weiterhin für andere Antworten offen bleibe.

Dort, wo ich auf mangelnde Plausibilität oder gar auf Widersprüche gestoßen bin, wo es mir nicht möglich ist, Glaubensaussagen unbesehen zu übernehmen, versuche ich, in den tieferen und eigentlichen Sinn dessen einzudringen, was ich wortwörtlich zu übernehmen nicht verantworten zu können glaube. Insofern versuche ich also, einen mittleren Standpunkt einzunehmen, von dem ich annehme, dass ich ihn vertreten kann.

In diesem Zusammenhang denke ich an ein Wort des heiligen Ignatius von Loyola:

Wenn etwas unseren Augen weiß erscheint, aber die Autorität der Kirche es als schwarz definiert, so müssen wir ohne jeden Zweifel bejahen, dass es schwarz und sicher schwarz ist.
Wie es dieses Wort des heiligen Ignatius ausdrückt, so hatte ich in der Vergangenheit die Glaubensforderung der Kirche verstanden. Natürlich hatte mir absolut nichts daran gelegen, die Autorität der Kirche in Zweifel zu ziehen. Dort aber, wo ich selbst in allerdeutlichster Klarheit Weiß und immer nur Weiß gesehen habe, vermochte ich nicht den Worten der Kirche zu folgen, wenn sie mir versicherte, es sei in Wirklichkeit schwarz, und ich müsse dies unbedingt glauben. So krass formuliert die Kirche dies zwar heute nicht mehr, dennoch aber steht dieser Anspruch der Kirche auch unausgesprochen immer wieder hinter dem, was die Kirche uns präsentiert, besonders seitdem Papst Johannes Paul II von der toleranten Linie des zweiten Vatikanischen Konzils mehr und mehr abgewichen ist. Hier erweckt das offizielle Lehramt der katholischen Kirche heute sogar vielfach noch oder schon wieder den Eindruck, als wolle sie dieses Wort des heiligen Ignatius von Loyola als maßgebliche Leitlinie für die Christen ansehen.

Und in der Tat finde ich manche Dinge, die meinem Auge weiß erscheinen wollen, obwohl die Kirche sie schwarz nennt. Da mag ich schauen und schauen, ich sehe immer nur Weiß. Dennoch will mir die Autorität der Kirche hier einreden, es sei trotzdem schwarz. Hier habe ich den Eindruck, die Kirche möge sich aufgerufen fühlen, im Zusammenhang mit derart kritischen Aussagen ihren Anspruch nochmals genau zu überdenken, will sie nicht viel von ihrer Glaubwürdigkeit einbüßen. Denn sie gibt zwar theoretisch zu, dass das Gewissen des einzelnen Vorrang habe vor den Aussagen der Kirche, in der Praxis jedoch wird dieser Satz vom Vorrang des Gewissens immer wieder aufgeweicht, ganz abgesehen davon, dass sie selbst in dem Fall, wo sie das Gewissen des einzelnen noch respektiert, die Ansicht vertritt, dass dieser Mensch lediglich entschuldigt, objektiv jedoch im Unrecht sei.

Natürlich geht auch die katholische Kirche nicht mehr so weit in ihren Forderungen, wie dies der heilige Ignatius noch gefordert hat. Dennoch aber besteht für einen katholischen Christen die Möglichkeit eines ernsten Gewissenskonfliktes, wenn er einzelne Dogmen nicht akzeptieren kann. Genau so geht es dem besagten "Ungläubigen", also mir. Zwar lehne ich die entsprechenden Dogmen nicht schlichtweg ab. Ich kann sie allerdings lediglich als symbolhaft empfinden, weil ich in ihnen keine Realität zu erkennen vermag. Die größten Schwierigkeiten haben mir solche Dogmen gemacht, in denen gleichsam ein Eigenschaftskatalog Gottes erstellt wird. Die daraus resultierenden Probleme, dass einzelne Eigenschaften nicht nur als unvorstellbar groß dargestellt, sondern vielmehr ins Unendliche erhoben wurden, werden besonders in Kapitel 7 ausgeführt. Andere Probleme, auf die ich ebenfalls zu sprechen komme, traten für mich hauptsächlich erst auf, nachdem sich an dieser Stelle gleichsam ein Tor geöffnet hatte.

Sicher, sieht man von einigen Verlautbarungen des offiziellen Lehramtes der katholischen Kirche ab, dessen Linie ohnehin für den einfachen Christen nicht immer leicht zu verstehen ist, so stellt sich die Kirche heute nicht mehr derart kompromisslos dar, wie es das genannte Wort des heiligen Ignatius formuliert. Zum mindesten gilt dies für die Zeit zwischen Konzil und Papst Johannes Paul II. Dies sieht man zum Beispiel an dem folgenden Wort:

Der verstehende Glaube nimmt kritisches Denken in sich auf, weil er als wissender Glaube notwendig kritisch und nur als kritischer wahrhaft wissend ist. Eugen Biser (aus Theologie im Fernkurs, Aufbaukurs, Lehrbrief 1, Seite 27)
Ein Pfarrer pflegte dies in volkstümlichen Worten so auszudrücken, dass er sagte, man solle "beim Betreten der Kirche nicht zugleich mit dem Hut auch den Verstand ablegen". Solange man derartige Feststellungen lediglich in der Theorie trifft, hört sich dies alles in der Tat noch recht gut an, aber wie soll ich mich nun konkret verhalten, wenn eben dieser Verstand, den ich gerade nicht zugleich mit dem Hut abgelegt habe, mich ganz entschieden daran hindern will, gewisse verbindliche Glaubenslehren der Kirche zu akzeptieren?

Wäre ich sicher, dass die betreffenden Aussagen ihrer Herkunft nach letztlich wirklich von Gott selbst kommen, gäbe es für mich natürlich keinerlei Probleme mehr. Denn wie könnte ich mir anmaßen, etwas zu bezweifeln, was Gott gesagt hat. Hierbei könnte es auch nicht die geringste Rolle mehr spielen, wie mein Verstand die einzelne Aussage beurteilen würde. Hier könnte ich sodann das Wort des heiligen Ignatius voll und ganz unterstreichen, wenn man darin nur das Wort Kirche durch das Wort Gott ersetzen würde:

Wenn etwas unseren Augen weiß erscheint, aber die Autorität Gottes es als schwarz definiert, so müssen wir ohne jeden Zweifel bejahen, dass es schwarz und sicher schwarz ist.
Aber gerade darin liegt ja das Dilemma. Es ist Menschenwort, was ich vor mir liegen habe. Selbst dann, wenn ich annehmen darf, dass es auf ein Wirken Gottes zurückgeht, stellt sich mir immer noch die folgende Frage. Was ist wesentliche Substanz und als solche echt und was ist menschliches Beiwerk? Es geht durchaus nicht darum, der kirchlichen Überlieferung irgendetwas zu unterstellen. Aber es ist doch immerhin ein gewaltiger Unterschied, ob sich ein ansonsten wohlbegründeter Zweifel oder Unglaube auf das Wort Gottes oder auf das Wort von Menschen, hier auf das Wort der Kirche bezieht. Denn wer kann mir schon sagen, was hier Wort Gottes und was lediglich Wort der Kirche ist.